Hamburg - Dass Bundesliga-Legionäre irgendwann in Länderspielen gegen die deutsche Nationalmannschaft antreten, ist nicht ungewöhnlich. Wenn das DFB-Team am Freitag in Berlin gegen die Türkei (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) antritt, stehen auf Seiten der Gäste jedoch drei Spieler, die in Deutschland ihr Geld verdienen und auch hier geboren sind.

Einer von ihnen ist Halil Altintop, der in Gelsenkirchen geboren ist. "Für mich ist es natürlich auch ein Spiel der Emotionen, da ich mit Deutschland eng verbunden bin", erklärte der Stürmer von Eintracht Frankfurt im bundesliga.de-Interview.

Der 28-Jährige lässt im Olympiastadion für 90 Minuten alle Freundschaften ruhen. Einen Favoriten hat er für das Top-Duell in der Gruppe A auch ausgemacht - daran kann seiner Meinung nach auch der Ausfall von Bastian Schweinsteiger nichts ändern.

bundesliga.de: Herr Altintop, welche Gefühle weckt die Partie gegen Deutschland bei Ihnen?

Halil Altintop: Es ist natürlich ein besonderes Spiel für mich. Aber nicht nur ich freue mich sehr - das ganze Team kann es kaum erwarten, gegen Deutschland zu spielen. Für mich ist es natürlich auch ein Spiel der Emotionen, da ich mit Deutschland eng verbunden bin.

bundesliga.de: Berlin ist die viertgrößte "türkische Stadt", es werden tausende türkische Fans erwartet. Kann man da überhaupt von einem Heimspiel für Deutschland sprechen?

Altintop: Es werden wahrscheinlich ausgeglichene Verhältnisse sein. Und unsere Fans werden uns sicherlich wie immer leidenschaftlich und lautstark anfeuern.

bundesliga.de: Sie kennen fast alle deutschen Spieler aus dem Bundesliga-Alltag. Gehen Sie deshalb anders in die Partie?

Altintop: Das ist schwer zu beschreiben. Mit vielen Spielern wie Manuel Neuer oder Mesut Özil habe ich jahrelang zusammengespielt. Deshalb ist es im Vergleich zu anderen Länderspielen schon etwas anderes. Aber spätestens wenn die Nationalhymnen gespielt werden, weiß ein jeder Spieler, wo es lang geht. Zumal die Partie am Freitag ja auch eine enorme Bedeutung für beide Teams hat - da kann man das alles schon trennen.

bundesliga.de: Fällt am Freitag schon eine kleine Vorentscheidung im Kampf um den Gruppensieg?

Altintop: Das Spiel ist sehr wichtig - kein Thema. Aber es ist erst der dritte Spieltag. Außerdem hatten wir in der Vergangenheit nicht so viele Probleme mit den großen Namen, sondern eher mit den vermeintlichen Außenseitern.

bundesliga.de: Das klingt sehr selbstbewusst.

Altintop: Wir haben eine sehr gute Mannschaft und sehr gute Einzelspieler. Das haben unsere letzten Ergebnisse bewiesen. Aber dennoch hat Deutschland die Favoriten-Rolle inne. Sie sind wesentlich erfahrener als wir und haben - nicht nur bei der WM in Südafrika - große Erfolge gefeiert.

bundesliga.de: Aber mit Bastian Schweinsteiger fehlt der Leader im Mittelfeld. Ein Vorteil für die Türkei?

Altintop: Nein, überhaupt nicht. Schweinsteiger ist sicherlich ein Schlüsselspieler. Aber bei der WM hat Deutschland ja auch den Ausfall von Michael Ballack kompensiert.

bundesliga.de: Wo sehen Sie dann die Schwächen des deutschen Teams?

Altintop: Sie haben eigentlich keine Schwächen. Das beste Beispiel ist doch Miroslav Klose. Wenn er bei der Nationalmannschaft am Ball ist, ist er zur Stelle. Wir müssen unsere Stärken abrufen, dann haben wir eine Chance. Wichtig ist dabei nur, dass wir so wenig Fehler wie möglich machen.

Das Gespräch führte Michael Reis