Zusammenfassung

  • Die Partie Deutschland gegen Brasilen 2014 gilt als spektakulärstes WM-Spiel der DFB-Elf

  • Im Halbfinale erzielten Kroos, Klose und Co. gleich vier Treffer binnen sechs Minuten

  • Der Ausdruck "Tor für Deutschland" ist bis heute eine weit verbreitete Art des Fluchens in Brasilien

Köln – Wenn am Dienstag Deutschland auf Brasilien trifft, werden Erinnerungen wach an jene Nacht im Juli 2014 in Belo Horizonte: Die DFB-Elf gewann im WM-Halbfinale 7:1 gegen den Gastgeber im eigenen Land. Bis heute unbestritten der spektakulärste Sieg in der WM-Historie der Deutschen Nationalmannschaft.

Noch immer sind die Bilder unvergessen: Statt frenetisch den Finaleinzug zu feiern, nahmen Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller nach dem Kantersieg erst einmal ihren damaligen Teamkollegen Dante vom FC Bayern München in die Arme. Eine Frage des Respekts, schließlich hatte Deutschland den Traum des WM-Titels für Brasilien im eigenen Land gerade ziemlich radikal zerstört.

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So waren etwa die Spielminuten 23 bis 29 äußerst ungünstig, um sich vom TV-Gerät für ein neues Kaltgetränk in Richtung Küche zu begeben. Gleich vier Treffer hatten Miroslav Klose, Sami Khedira und Doppeltorschütze Toni Kroos in diesen sechs Minuten erzielt. Zuvor hatte bereits Thomas Müller früh auf 1:0 gestellt. Nach nicht einmal einer halben Stunde stand es also schon 5:0 für Deutschland. Wie sollte das noch enden?

Vier Tore in nur sechs Minuten

Mit Manuel Neuer, Jerome Boateng, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos (alle FC Bayern) sowie Mats Hummels (Borussia Dortmund) und Benedikt Höwedes (FC Schalke 04) spielten sich damals gleich acht Startelfspieler aus der Bundesliga in einen förmlichen Rausch.

In der Halbzeitpause musste Bundestrainer Joachim Löw seine Mannschaft sogar bremsen: "Ich wollte nicht, dass irgendeiner anfängt, die Brasilianer vor einem Millionenpublikum lächerlich zu machen. Der Respekt der Brasilianer gegenüber uns war im ganzen Land sehr groß. Und für mich war völlig ausgeschlossen, dass wir sie demütigen oder ihnen nun arrogant begegnen", gab er hinterher zu Protokoll.

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Die späteren Weltmeister nahmen das Tempo dann doch ein wenig raus, wenngleich Joker Andre Schürrle in der zweiten Hälfte noch einen Doppelpack beisteuern konnte. Der späte Ehrentreffer von Oscar war fast schon eine Pflicht dem wunderbaren Gastgeber gegenüber.

Viele Beobachter halten heute nicht den Finalsieg gegen Argentinien für das Highlight der WM 2014, sondern jenes 7:1 am 8. Juli 2014. Zu unerwartet kam dieser Kantersieg, mit dem ausgerechnet gegen Angstgegner Brasilien niemand auch nur ansatzweise gerechnet hätte.

Weit verbreitete Art des Fluchens: "Tor für Deutschland"

Das Spiel hat übrigens auch in Brasilien seine Spuren hinterlassen. Als "Mineiraço", sinngemäß "der Schock von Mineirão", ist die Partie dort in die Geschichte eingegangen. Und noch heute gibt es beim Fluchen, beispielsweise wenn man den Bus verpasst hat, des öfteren den Ausdruck "Gol da Alemanha" zu hören. Was ganz simpel mit "Tor für Deutschland" übersetzt werden kann.

Karol Herrmann