München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im JUNI 2010 ereignet hat: Während die Bundesliga pausiert, guckt die ganze Welt nach Südafrika, wo die die 19. Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit drei Siegen in den letzten Vorbereitungsspielen auf das Turnier eingeschossen und strotzt trotz des großen Verletzungspechs vor Selbstvertrauen.

Joachim Löw hat sich entschieden. Der Kader steht. Die letzte Personalie, die vor der Abreise nach Südafrika noch offen ist, betrifft Andreas Beck. Den bedauernswerten Hoffenheimer erwischt es, er ist nur die Nummer 24 und darf die Reise in den Süden nicht antreten.

Erleichterung bei Kießling und Trochowski

Die anderen beiden Streichkandidaten, Piotr Trochowski und Stefan Kießling, können aufatmen. Der Schalker Torjäger und Neu-Moskauer Kevin Kuranyi war bereits vorher durchs Sieb gefallen. Der Bundestrainer vertraut lieber auf Miroslav Klose, auf den bei großen Turnieren immer Verlass war.

Der deutsche Kader besteht ausnahmslos aus Spieler aus der Bundesliga. Kein einziger Legionär ist noch dabei. Ein Zeichen für die hohe Qualität der boomenden deutschen Eliteliga. Neben den deutschen Nationalspielern repräsentieren weitere 61 ausländische Kicker, die in 22 Vereinen der 1. und 2. Bundesliga ihr Geld verdienen, ihre Länder bei der WM.

Leider fehlen in Südafrika einige der besten und schillerndsten Spieler des Planeten. Michael Ballack, David Beckham, Rio Ferdinand, Michael Essien oder Nani fallen verletzt aus. Die Fachwelt spekuliert, wer der Topstar des Turniers werden könnte. Lionel Messi? Cristiano Ronaldo? Kaka? Didier Drogba? Oder ein ganz Anderer?

Vuvuzelas und die "Bafana Bafana"

Das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko gehört zu den besseren der Fußballhistorie. Schon das erste Tor des Turniers, das dem Südafrikaner Siphiwe Tshabalala gelingt, ist wunderschön. Zum Sieg reicht es für die "Bafana Bafana" dennoch nicht. Das Spiel endet 1:1.

Der 1. Spieltag der Gruppenphase bringt ansonsten relativ magere Fußballkost bei hohem Geräuschpegel. Denn die südafrikanischen Fans blasen auf ihren landestypischen Vuvuzela-Tröten ohne Rücksicht auf Verluste. Die Spiele sind geprägt von der Devise: Ja nicht verlieren. Viele langweilige, von der Defensivtaktik geprägte Matches sind die Folge, Überraschungen bleiben weitgehend aus.

Die deutsche Mannschaft ist die große Ausnahme. Die Elf von Joachim Löw spielt den Außenseiter Australien an die Wand und gewinnt nach Toren von Lukas Podolski, Miroslav Klose, Thomas Müller und Cacau mit 4:0.

Serbien überrascht die DFB-Elf

Doch so schwungvoll geht es nicht weiter. Gegen Serbien erhält das hochgelobte Deutschland bei der 0:1-Niederlage einen kräftigen Dämpfer. Miroslav Klose fliegt noch vor der Halbzeit mit Gelb-rot vom Platz, Lukas Podolski verschießt einen Elfmeter. Es geht so ziemlich alles schief.

So kommt es zum "Endspiel" gegen Ghana, zu einer zähen Nervenschlacht, die durch ein spektakuläres Tor von Mesut Özil zugunsten Deutschlands entschieden wird. Da Serbien sich wie schon gegen Ghana auch gegen Australien blamiert, ziehen Deutschland und Ghana ins Achtelfinale ein.

Was bleibt noch von der Gruppenphase? Zum ersten Mal in der WM-Geschichte scheitert mit Südafrika der Gastgeber schon in der Vorrunde. Immerhin ziehen die Südafrikaner die Franzosen aus dem Verkehr und bewahren sie so vor weiteren Peinlichkeiten.

Frankreich blamiert sich vor den Augen der Welt

Denn einen so schlechten Eindruck, wie ihn der vom völlig überforderten Egozentriker Raymond Domenech trainierte "Sauhaufen" abgegeben hat, hat selten ein Team hinterlassen. Das beschäftigte später sogar das das französische Parlament und einen Untersuchungsausschuss.

Sportlich nicht viel besser schneiden die Italiener ab. Der Vize-Weltmeister bringt das Kunststück fertig in einer Gruppe mit Paraguay, der Slowakei und Neuseeland sieglos Letzter (!) zu werden.

Turnierfavorit Spanien verliert zwar sensationell sein Auftaktspiel gegen die Schweiz mit 0:1, schafft aber dennoch den Gruppensieg vor Chile. Die von Ottmar Hitzfeld gecoachten Eidgenossen schießen kein weiteres Tor mehr und scheiden aus.

Maradona schickt Rehhagel in den Ruhestand

Auch Otto Rehhagel muss mit Griechenland bereits nach der Vorrunde die Segel streichen. Immerhin gelingt Hellas der erste Sieg bei einer WM-Endrunde (2:1 gegen Nigeria). Nach neun ganz überwiegend erfolgreichen Jahren bekommt Otto Rehhagel zum Abschied standesgemäß "die Hand Gottes" gereicht. Argentiniens Volksheld und Trainerdarsteller Diego Maradona bleibt es vorbehalten "König Otto Rehakles" in den Ruhestand zu schicken .

Ansonsten setzen sich die Favoriten mehr oder weniger glanzvoll durch. Die Vorrunde ist gekennzeichnet von enttäuschenden afrikanischen und starken südamerikanischen Teams, lärmenden, aber friedlichen Fans, schwachen Torhütern und blutleeren Auftritten der vermeintlichen Superstars. Es wird Zeit für das Achtelfinale und die großen Dramen.

Deutschland zerlegt England

In der ersten K.-o.-Runde setzen sich in den acht Spielen siebenmal die Gruppensieger und mit Ghana nur ein Gruppenzweiter durch. Das beste Spiel liefert erneut Deutschland ab. Im Klassiker nimmt die Nationalmannschaft England nach Toren von Klose, Podolski und zweimal Müller mit 4:1 auseinander. Klose und Müller überragen, Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger im defensiven sowie Mesut Özil im offensiven Mittelfeld ebenso.

Einziger Schönheitsfleck: Eine krasse Fehlentscheidung kostet England ein reguläres Tor, das das 2:2 bedeutet hätte. Nächster Gegner des deutschen Teams ist im Viertelfinale Argentinien. Die weiteren Paarungen lauten Niederlande gegen Brasilien, Uruguay gegen Ghana und Paraguay gegen Spanien.

Während die WM in Südafrika in die entscheidende Phase geht, arbeiten die Bundesliga-Manager mit Hochdruck an den Kadern für die kommende Saison. Eine Reihe interessanter Transfers ist schon unter Dach und Fach. Torjäger Theofanis Gekas wechselt nach Frankfurt, Lewis Holtby wird von Schalke nach Mainz verliehen, Sidney Sam geht nach Leverkusen, Gerald Asamoah nach St. Pauli, Jan Rosenthal nach Freiburg und, und, und.

Trauer um Jörg Berger

Den großen Coup aber landet Bayer Leverkusen, das die Verpflichtung von Michael Ballack vermelden kann. Nach sieben Jahren auf Wanderschaft kehrt der verletzte Kapitän der Nationalmannschaft zu dem Verein zurück, bei dem er international den Durchbruch schaffte.

Große Trauer herrscht um Jörg Berger. Der Coach, von dem sein ehemaliger Spieler Jan-Age Fjörtoft behauptete, er hätte sogar die Titanic gerettet, stirbt im Alter von 65 Jahren an Krebs. Berger hatte nicht nur großartige Qualitäten als "Feuerwehrmann", sondern er hat auch Vereine wie Schalke 04 oder den 1. FC Köln ins internationale Geschäft geführt.

Kuriosität des Monats

Ein echter Weltmeister versucht erneut sein Glück in Deutschland. Nach wenig erfolgreichen Engagements als Assistent von Berti Vogts in Leverkusen und als Cheftrainer in Duisburg war Pierre Littbarski in die weite Welt des Fußballs ausgezogen.

Der Weltmeister von 1990 trainierte sehr erfolgreich in Japan und Australien, bevor er zuletzt ein Engagement in Liechtenstein annahm. Jetzt akzeptierte der gerade 50 Jahre alt gewordene gebürtige Berliner eine Offerte des VfL Wolfsburg. Als Co-Trainer des Engländers Steve McClaren unternimmt Littbarski seinen dritten Anlauf in der alten Heimat.

Tobias Gonscherowski


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