"Über 2.000 Fanclubs mit mehr als 132.000 Fanclub-Mitgliedern unterstützen den FC Bayern. Von 24937 Flensburg bis 83088 Kiefersfelden, von China bis Mombasa, von den Philippinen bis in den Iran - organisierte Bayern-Fans gibt es weltweit."

So steht es auf der offiziellen Homepage des FC Bayern München, und bundesliga.de stellt einen der über 2000 Fanclubs vor. Mehr als zehntausend Kilometer entfernt von München hat sich am 11. September 1995 auf den Philippinen der FC Bayern Fan Club Manila gegründet.

Der Beruf hat die meisten Mitglieder nach Fernost gebracht. Roland Sager, der heutige Präsident, betreibt eine eigene Metzgerei mit Verkauf von deutschen Wurstprodukten in Manila.

"Altersdurchschnitt liegt bei 50 Jahren"

Außerdem senden viele deutsche Unternehmen Mitarbeiter nach den Philippinen, die nach der beruflichen Laufbahn auch wegen dort gegründeter Familien dableiben. Seemänner gehören ebenfalls dem Fanclub an.

35 Mitglieder zählt der FC Bayern Fan Club Manila zurzeit, und es sind meist gestandene Männer. "Der Altersdurchschnitt liegt bei 50 Jahren", sagt Karl Schneider, der Schriftführer und Kassenwart.

Grundsätzlich willkommen sind alle Fußball begeisterte Fans aller Nationen und Vereine, "da wir wissen, wie schwer es manchmal ist, im Ausland den richtigen Anschluss zu finden. Wir hatten auch philippinische Club-Mitglieder, die aber durch sprachliche Barrieren - wir sprechen deutsch und manchmal auch englisch im Club – später fernblieben. Fußball ist auf den Philippinen nicht so populär."

Deutsches Gulasch für Uli Hoeneß

Liebe geht bekanntlich durch den Magen, die Vereins-Liebe macht da keine Ausnahme. "Unser Präsident war lange Zeit Chefkoch eines Hotels in Hongkong, wo auch der FC Bayern vor einiger Zeit Station machte. Er kochte für den FC Bayern ein deutsches Gulasch, das allen hervorragend schmeckte und das Uli Hoeneß dazu bewegte, unserem Präsidenten einen FC Bayern-Steinkrug mit Deckel zu überreichen. Das vertiefte noch die Freundschaft zum FC Bayern", erzählt Schneider.

Die meisten Mitglieder seien schon seit Kindertagen Fans des FC Bayern, Schneiders Fan-Karriere begann im Alter von zwölf Jahren: "Ich durfte mit meinen Vater nach München fahren und im Grünwalder Stadion das Fußballspiel FC Bayern - FSV Frankfurt sehen. Der FC Bayern gewann 4:0 und ich war von diesem Spiel so begeistert, dass ich seit dieser Zeit ein hundertprozentiger Fan des FC Bayern bin."

Download der Sportschau

Um das manchmal aufkommende Heimweh nach Deutschland und Bayern zu mildern, fliegen einige Mitglieder ab und zu in die alte Heimat, verschiedene Mitglieder leben zeitweise in Bayern und auf den Philippinen.

Über das aktuelle Bundesliga-Geschehen halten sich die "Manila-Bayern" regelmäßig auf Stand. "Uns steht natürlich das Internet zur Verfügung. Die ARD Sportschau wird regelmäßig down geladen. Über TV Solar Sport können wir manchmal Live Spiele sehen, wie z.B. HSV - Bayern oder andere Spiele etwas zeitversetzt. Internet Radio ist auch vorhanden", sagt Schneider.

Oktoberfest in Manila

Der gesellige Teil kommt beim Fanclub natürlich nicht zu kurz, aber auch karitativ engagieren sich die Mitglieder. Feiern im Vereinslokal, Gartenpartys oder Besuche beim Oktoberfest in Manila (!) werden gemeinsam unternommen.

"Wir veranstalten regelmäßige Treffen, wo viel über Fußball diskutiert wird, aber auch über alltägliche Dinge, die für im Ausland lebende Deutsche interessant sind. Wir werden außerdem in nächster Zeit Ausflüge in ärmere Gegenden unternehmen, um gesammeltes Geld, das wir in Sachspenden umgewandelt haben, der Charity zu übergeben", berichtet Schneider.

Aktuell steht der Fanclub vor einem nicht unwesentlichen Problem. Sein Vereinslokal, das "Cafe Deutschland", musste zum 31. Januar 2009 schließen und wurde mit Wehmut auf der Homepage des FC Bayern Fan Club Manila verabschiedet: "Cafe Deutschland wird uns insbesondere wegen seiner ausgezeichneten deutschen Küche fehlen. Ein Stück Heimat, welches wir vermissen werden."

Stefan Kusche