Deutschland das Zaubern und Scheitern überlassen, dafür selbst ohne Glanz und Gloria endlich den Titel holen: Der zweimalige Vize-Weltmeister Niederlande hofft nach dem glanzlosen 2:0 (0:0)-Auftaktsieg gegen Dänemark bei der Fußball-WM in Südafrika auf die Entdeckung erfolgreicher "deutscher Tugenden".

"Deutschland hat wie Holland gewonnen, dafür haben wir wie Deutschland gewonnen", sagte der frühere Hamburger Rafael van der Vaart nach dem glanzlosen und von Daniel Aggers Eigentor (46.) begünstigten Arbeitssieg. Und Mark van Bommel, Kapitän des deutschen Meisters Bayern München, ergänzte mit einem verschmitzten Lächeln: "Deutschland ist für mich jetzt Turnierfavorit. Aber vielleicht geht es ihnen ja wie uns bei der EM."

Nicht wie bei der EURO

Bei der EURO 2008 hatte "Oranje" mit Zauber-Fußball gegen Italien (3:0) und Frankreich (4:1) ganz Europa verzückt und sich in die Rolle des Turnierfavoriten gespielt - scheiterte dann aber direkt im ersten K.o.-Spiel an Russland (1:3 nach Verlängerung).

"Für uns ist es gut, dass wir zum Auftakt gewonnen haben und doch mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben müssen", meinte van Bommel deshalb. "Wir haben nicht gut gespielt. Aber vielleicht ist das auch besser so", meinte van der Vaart.

Mit Glück zum Sieg

Dies war allerdings eine vorsichtige Umschreibung für die Leistung der Niederländer, die gegen ganz schwache Dänen sogar Glück brauchten, um zum Sieg zu kommen. Erst Aggers Eigentor brach nach einer furchtbar langweiligen ersten Halbzeit den Bann, Dirk Kuyt vom FC Liverpool staubte nach einem Pfostenschuss des eingewechselten Hamburgers Eljero Elia zum Endstand ab (85.).

Der Flügelstürmer des HSV versprühte nach seiner Einwechslung (67.) als einziger etwas Glanz und schaffte das, was dem für ihn ausgewechselten van der Vaart nicht gelungen war: Den verletzten Bayern-Star Arjen Robben auf der linken Offensivseite vergessen lassen. "Wir haben 2:0 gewonnen. Da kann man kaum sagen, dass wir Arjen vermisst haben", sagte Bondscoach Bert van Marwijk. Eine baldige Rückkehr Robbens ins Team scheint trotz ausgestandenem Muskelfaserriss nicht bevorzustehen. "Es geht darum, ihn zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen", meinte van Marwijk.

Gutes Spiel von Elia

Der Auftaktsieg und die Leistung Elias lassen ihm auch etwas Luft, ein Risiko muss er nicht eingehen. "Eljero hat super gespielt", meinte van der Vaart, der nun genau deshalb fürchten muss, endgültig aus dem Team zu rutschen. "Mein Traum ist es, der ganzen Welt zu zeigen, was ich kann. Meine Aktionen gelingen immer. Ich mache mein Ding", sagte Elia im Überschwang - und bremste sich umgehend selbst: "Ich bin froh über die Zeit, die der Trainer mir gibt. Ich bin nur stolz, bei Oranje und bei der WM dabei zu sein."

Seine Vistenkarte hat der 23-Jährige jedenfalls eindrucksvoll abgegeben. "In der zweiten Hälfte haben wir uns gesteigert, auch weil Elia kam", sagte Kapitän Giovanni van Bronckhorst nach seinem 100. Länderspiel. Der Ex-Dortmunder van Marwijk meinte dasselbe, ohne Namen zu nennen: "Die erste Halbzeit war schlecht. Nach der Pause haben wir manchmal gezeigt, wozu wir in der Lage sind."

Das Bollwerk der biederen Dänen wurde aber nur mit Hilfe von deren ansonsten bestem Spieler durchbrochen. Nach dem Missgeschick fing Simon Poulsen noch auf dem Platz an zu lachen. "Ich fand's aber echt nicht witzig. Ich war nur so geschockt", sagte der Linksverteidiger: "Ich habe den Ball erst gesehen, als ich ihn schon im Gesicht hatte. Und dann hat er auch noch unglücklich den Rücken von Daniel Agger getroffen, ist an den Pfosten und von da über die Linie geflogen. Das war wie ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf."

Mehr Pech kann man kaum haben. Die Niederländer würden wohl sagen: Das war "deutsches" Glück.