Sportdirektor Matthias Sammer fordert den Titel, Bundestrainer Joachim Löw dominantes Auftreten und die Spieler wollen "Geschichte schreiben".

Mit breiter Brust und hohen Erwartungen will die deutsche U-21-Nationalmannschaft bei der EM in Schweden ab Montag (15. Juni) den dritten Nachwuchstitel innerhalb eines Jahres gewinnen und den Deutschen Fußball-Bund endgültig wieder in der Weltspitze etablieren.

"Wir wollen Europameister werden"

"Wir sind bereit, Geschichte zu schreiben und erstmals U-21-Europameister zu werden", sagt Torhüter Florian Fromlowitz von Hannover 96. Und auch andere Jung-Profis, von Kapitän Sami Khedira (VfB Stuttgart) bis Neu-Nationaltorhüter Manuel Neuer (Schalke 04) geben nur ein Ziel aus: "Wir wollen Europameister werden."

Sammer hat den Talenten die Siegermentalität eingeimpft. "Wir haben uns klar positioniert und ein Bekenntnis zur Elite abgegeben", sagte er. "Wenn eine deutsche Mannschaft an einer Endrunde teilnimmt, muss sie auch um den Titel spielen. Alles andere wäre - zumal bei der Qualität dieser Mannschaft - fahrlässig."

Wenn die Mannschaft diese Qualität abrufen könne, "sehe ich keinen, der uns schlägt. Auch die Spanier nicht." Die Iberer mit Supertalent Bojan Krkic vom FC Barcelona gelten als Topfavorit und sind am Montag (20:45 Uhr/live im ZDF) erster Gegner der deutschen Mannschaft, die zudem in der Vorrunde noch auf Finnland und England trifft.

Löw, Bierhoff und Sammer vor Ort

Eine besondere Motivation erhalten die deutschen Junioren durch den Besuch von Löw, der mit Assistent Hansi Flick und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff bei den ersten beiden Spielen im Stadion sein wird. Schon durch die Freigabe von fünf A-Nationalspielern für U-21-Trainer Horst Hrubesch und die Nominierung von Neuer für die Asienreise hatte Löw erneut die Durchlässigkeit zum A-Team klar gemacht. "Alle wissen, dass sie sich empfehlen können", sagte er nun noch einmal: "Und dass sie nicht erst ab August zeigen, dass sie zur WM 2010 wollen."

In Schweden erwartet er vom Nachwuchs den Turniersieg, nicht aber um jeden Preis. "Natürlich ist es immer unser Ziel, Titel zu gewinnen. Entscheidend ist für mich aber das Auftreten der Mannschaft", meinte der Bundestrainer: "Dass sie gewillt ist zu agieren. In allen Spielen und gegen jeden Gegner. Dass sie eine Dominanz ausstrahlt. Natürlich sind die Erwartungen jetzt gestiegen. Das ist aber Teil des Konzepts. Die Spieler müssen lernen, mit einem gewissen Druck umzugehen."

Team mit viel Erfahrung

Den Titel konnten deutsche Junioren bei der U-21-EM noch nie gewinnen, seit der Finalteilnahme 1982 erreichten sie nicht einmal mehr das Halbfinale. Aber wohl noch nie trat der DFB mit einer solch starken Mannschaft bei einer Endrunde an. In Neuer, Andreas Beck, Mesut Özil, Marko Marin und Gonzalo Castro haben bereits fünf Akteure A-Länderspiele absolviert, Khedira gilt als sicherer Kandidat für die nächste Saison. Im Durchschnitt haben die 23 Talente bereits 40 Bundesliga-Spiele absolviert.

Hrubesch hatte die Qual der Wahl, sogar A-Nationalspieler Serdar Tasci, Ausnahmetalent Toni Kroos und der zu Bayern München wechselnde Alexander Baumjohann fielen durchs Raster. Die Mischung müsse eben stimmen, meinte Hrubesch, der nur das Fehlen eines "echten Torjägers" bemängelt. "Es musste zu einigen Härtefällen kommen", sagte der Europameister von 1980: "Nur mit guten Einzelspielern gewinnt man keinen Titel." Und der ist nunmal das erklärte Ziel.