Bevor Giovanni Zarrella zu einer festen Größe in der Musikbranche wurde, stand er in der Jugend beim AS Rom, dem VfB Stuttgart und dem SSV Reutlingen auf dem Platz. Der Deutsch-Italiener hängte seine Fußballschuhe aber an den Nagel, nachdem er beim Popstars-Casting für die Band Bro‘Sis ausgewählt wurde. Heute ist Zarrella als Solokünstler sehr erfolgreich. Im Zuge der Prosieben-Dokusoap "Pizza, Pasta und Amore" hat er nicht nur ein eigenes Restaurant in Köln ("78") eröffnet, sondern auch an neuen Songs gearbeitet. Das Album "Ancora Musica" sowie die Single "I can t dance alone", die er mit seinem ehemaligen Bro Sis-Band-Kollegen Ross aufgenommen hat, platzierten sich erfolgreich in den Charts. Mehr Infos zur Single und zum Album sowie zu den kommenden Terminen gibt es auf www.giovanni-zarrella.de. Während der WM 2010 schreibt er seine eigene Kolumne auf bundesliga.de.

Auch ich kann die deutsche Mannschaft nur loben - in den höchsten Tönen. Was wir dort auf dem Rasen sehen, ist unglaublich. Dahinter steckt aber jede Menge Arbeit. Ich habe gerade erst einen Bericht darüber gelesen. Joachim Löw teilt den Trainingsplatz in 18 Rechtecke auf und jeder weiß genau, wo er wie und wann zu stehen hat. Man merkt auf dem Platz einfach, dass dort eine großartige Ordnung herrscht. Die Deutschen spielen sehr diszipliniert. Und was manch andere Mannschaften an Talent mehr haben, das machen die Deutschen mit Arbeit wett. Jeder hält seine Position. Die spielen die Bälle und bewegen sich dabei sehr gut. Da bleibt niemand einfach nur stehen. Das sieht alles sehr gut aus.

Die Engländer waren ein guter Gegner, Argentinien war aber sogar ein starker Gegner. Vor allem die Offensive der "Gauchos" gehört ja eigentlich zum Besten, was es gibt. Dennoch hatte ich 3:1 für Deutschland getippt, da sie taktisch sehr gut spielen und ein unheimliches Selbstvertrauen haben. Zudem ist Argentinien in punkto Abwehr und Torwart nicht Weltklasse. Ganz anders die Abwehrarbeit der Deutschen. Die war großartig. Und vier Buden gegen Argentinien muss man auch erst einmal schießen.

Löw hat eine Wahnsinns-Taktik gefunden und die Mannschaft gehorcht ihm zum einhundert Prozent. Das beweist, dass man auf junge Leute setzen sollte. Die Deutschen haben den anderen Teams der Welt einen großen Vorsprung. Bis andere Teams diesen Wechsel zur Jugend vollziehen werden, wird eine gewisse Zeit vergehen. Die Deutschen werden - unabhängig vom Ausgang dieser WM - die nächste EURO, die WM 2014 in Brasilien und vielleicht auch noch die Europameisterschaft danach sehr dominant sein. Da bin ich mir sicher. Entscheidend dafür ist nur, dass der DFB Löw halten kann. Wenn man ihm weitere sechs bis acht Jahre gibt, kann er da etwas Großes aufbauen.

Aber jetzt kommt erst einmal der wahre Prüfstein dieses Turniers. Den Spaniern kommt Deutschland ja entgegen, da die Deutschen im Gegensatz zu zum Beispiel Paraguay nicht nur hinten drinstehen werden. Ich habe mich vor kurzem mit einigen deutschen Spielern unterhalten, die bei der EURO 2008 noch zum Kreis der Nationalmannschaft gehört haben. Die meinten: "Giovanni, das Finale vor zwei Jahren gegen Spanien, das war kein Spiel. Wir sind ihnen nur hinterhergelaufen. Die haben uns das Tempo vorgegeben und wir haben nur reagiert". Diese Ehrlichkeit hat mich schon beeindruckt. Und diesmal muss die deutsche Mannschaft halt dafür sorgen, dass es nicht noch einmal so kommt. Die Deutschen müssen ihr Spiel durchziehen. Ich denke, dass es ein sehr attraktives Spiel werden wird. Keine der beiden Mannschaften wird klar dominant sein. Das wird eine enge Nummer.

Die Spanier spielen einen ähnlichen Stil wie die DFB-Elf: Kurzpassspiel, schnelle Vorstöße in die Spitze, starke Außenverteidiger, die sich auch in die Offensive mit einschalten. Deutschland hat da Philipp Lahm, bei Spanien kommt Sergio Ramos über außen. Beide Teams haben einen Weltklassetorhüter. Und beide Seiten haben großartige Ballverteiler im Mittelfeld. Natürlich lesen sich die Namen Xavi und Andres Iniesta besser für manch Außenstehenden als Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil. David Villa ist ein wenig mit Lukas Podolski oder Thomas Müller zu vergleichen. Da spricht vieles für Villa, zumal Müller ja leider fehlen wird.

Müller hat die Leistungen der vergangenen Monate hier bestätigt und spielt eine Wahnsinns-WM. Zu Recht ist er der beste Youngster des Turniers. Der ist so ein Typ, der 90 Minuten in die Freiräume stößt und immer mal wieder eine Überzahl schaffen kann. Ich weiß nicht, ob ein Toni Kroos, ein Piotr Trochowski oder ein Marko Marin das schaffen können. Vor allem haben sie nicht die Torgefahr Müllers. Das ist ein großes Plus für die Spanier. Müllers Fehlen ist ein herber Verlust. Wer hätte vor der WM gedacht, dass wir das mal sagen würden.

Dafür haben die Spanier vorne einen Fernando Torres, der nicht trifft. Der ist vom Typ her vergleichbar mit Miroslav Klose. Klar ein Vorteil für Deutschland. Torres ist ja noch ein junger Kerl. Der Trainer wird wissen, warum er ihn immer wieder von Anfang an bringt. Wenn der Torres schlechte Trainingsleistungen bringen würde, würde Vicente Del Bosque ihn sicher nicht aufstellen. Die Argentinier hatten gehofft, dass Lionel Messi gegen Deutschland treffen würde. Lasst uns hoffen, dass die Spanier über Torres genauso denken und dann genauso enttäuscht nach Hause gehen...

Wenn sie die Spanier packen, dann werden die Deutschen auch Weltmeister!

Ihr

Giovanni Zarrella



Weitere Kolumnen:

Giovanni Zarrella Kolumne Teil1

Giovanni Zarrella Kolumne Teil2

Giovanni Zarrella Kolumne Teil3