Köln - Zum 55. Mal steigt am Samstag (ab 15 Uhr im Liveticker) in der Bundesliga das Rheinderby zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln. Aber es ist nicht nur das Duell der beiden Rivalen, dessen Stadien gerade einmal 14 Kilometer voneinander entfernt stehen (zur Duellvorschau). Es ist auch das Duell zweier Trainer, die sich bereits aus Österreich sehr gut kennen.

Insgesamt viermal trafen Peter Stöger (Austria Wien) und Roger Schmidt (RB Salzburg) in der Saison 2012/13 in der österreichischen Bundesliga aufeinander, zwei der vier Duelle konnte Schmidt für sich entscheiden, zwei Duelle endeten Unentschieden. Stöger wartet also auf einen Sieg gegen seinen deutschen Kollegen. Ausgerechnet im Derby gegen Leverkusen könnte er das zum ersten Mal schaffen.

Wenig Erfahrungswerte

Auf Erfahrungswerte, die ihm seine Spieler aus früheren Duellen mit der Werkself liefern können, muss der Österreicher dabei aber weitestgehend verzichten. Lediglich Slavomir Peszko verfügt neben dem langzeitverletzten Patrick Helmes und dem gerade erst wiedergenesenen Marcel Risse, der für die Partie am Samstag aber noch nicht in Frage kommt, über Derby-Erfahrung mit dem Rhein-Rivalen. Für den Rest des Kölner Teams ist das kommende Duell eine Premiere.

In den anderen rheinischen Derbys gegen Mönchengladbach und Düsseldorf ist Stöger allerdings noch ungeschlagen. Diese Serie will er natürlich fortsetzen. "Wir haben gegen Mannschaften aus dieser Tabellenregion schon gepunktet", sagt Stöger dementsprechend selbstbewusst.

"Das wird ein besonderes Spiel"

Außerdem kann er ja auch auf persönliche Erfahrungswerte zurückblicken. Die Spielweise von Bayer 04 kennt Stöger aus seinen Duellen mit Roger Schmidt zur Genüge. "Vom Gefühl her ist es sehr schwer gegen diese Mannschaft zu spielen. Es gibt aber auch Lösungsmöglichkeiten gegen die Art und Weise, wie sie spielen", erklärt der Köln-Coach. "Mein Co-Trainer Manfred Schmidt und ich kennen das aus Österreich. Salzburg hat unter Roger Schmidt ähnlich gespielt und wir haben auch gegen Salzburg Lösungen gefunden:"

Das man gegen Leverkusen Lösungen finden kann, glaubt auch Keeper Timo Horn, der zumindest in der Jugend einige Male mit dem FC gegen Bayer 04 angetreten ist. "Wir haben gezeigt, was wir gegen große Gegner leisten können. Das Derby wird ein besonderes Spiel - wir sind hoch motiviert", sagt Horn.

Bilanz pro Leverkusen

Das dürfte aber auch die Werkself sein, die in der Bundesliga-Bilanz mit dem Erzrivalen aus der Nachbarstadt die Nase vorn hat. In 55 Spielen gegen Köln ging Leverkusen 20 mal als Sieger vom Platz, 21 Partien endeten remis, "nur" 13 mal konnte Köln gewinnen.

Einer, der in neun der letzten zehn Rheinderbys für Bayer auf dem Platz stand, ist Simon Rolfes. Und der hat äußerst gute Erinnerungen an die Duelle mit dem 1. FC Köln. 2005 erzielte er in der BayArena gegen die Geißböcke sein erstes Bundesliga-Tor (Foto), von den neun Spielen gegen den FC verlor er lediglich zwei Stück.

Glücksbringer Rolfes

Ein gutes Omen für die Mannschaft vom Bayer-Kreuz, denn Rolfes blickt nicht nur auf eine tolle Derby-Bilanz zurück, er ist in dieser Saison auch der Glücksbringer seiner Mannschaft. Mit dem Kapitän in der Startelf gewann Leverkusen zu Saisonbeginn die ersten fünf Spiele. Dann riss er sich das Syndesmoseband und musste einige Wochen pausieren, in denen es auch für sein Team nicht richtig rund lief. Im Spiel gegen Hannover kehrte er vergangenes Wochenden zurück - und Leverkusen gewann mit 3:1.

"Das Derby ist ein besonderes Spiel für mich", sagt der 32-Jährige. "Da ist eine besondere Energie im Stadion. Ich weiß, wie viel den Fans ein Sieg bedeutet." Drei Punkte gegen Köln würden aber nicht nur die Fans freuen, auch in der Tabelle könnte Leverkusen so einen wichtigen Schritt machen. Die direkt vor der Werkself platzierten Fohlen aus Mönchengladbach und Wölfe aus Wolfsburg treten an diesem Spieltag im direkten Duell gegeneinander an (zur Duellvorschau). Bei entsprechendem Spielverlauf könnte Leverkusen in der Tabelle wieder auf Platz drei springen.

"Am Ende zählen nur die Punkte"

Einen Sprung im Tableau könnte aber auch der 1. FC Köln machen. Bei einem Sieg könnte man wieder in die obere Tabellenhälfte springen, den Abstand auf Bayer Leverkusen sogar auf lediglich zwei Pünktchen eindampfen. "Am Ende zählen nur die Punkte - und deshalb wollen wir aus Leverkusen etwas mitnehmen", sagt Verteidiger Kevin Wimmer. Das 55. Rheinderby in der Bundesliga, es verspricht ein überaus spannendes Duell zu werden...

Dennis-Julian Gottschlich