München - Das Revierderby steht vor der Tür und rechtzeitig zu diesem Klassiker scheinen der FC Schalke 04 und Borussia Dortmund in Top-Form zu sein. Die "Knappen" gewannen zuletzt erstmals unter Trainer Jens Keller zwei Spiele in Folge und schossen beim 4:1 in Wolfsburg sogar den höchsten Saisonsieg heraus. Auch der BVB fand gegen Hannover 96 wieder in die Erfolgsspur zurück und schickte die Niedersachsen mit einem lockern 3:1-Sieg nach Hause.

Doch nun geht es gegeneinander und wie im Pokal herrschen auch bei diesem Schlagerspiel eigene Gesetze. bundesliga.de hat tief in den Geschichtsbüchern des Ruhrpott-Derbys gestöbert und die interessantesten Fakten, wichtigsten Rekorde und skurrilsten Ereignisse zusammengestellt.

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Schalke kann ausgleichen



In 50 Jahren Bundesliga-Geschichte kam es auch fast immer zum Duell Königsblau gegen Schwarz-Gelb. Nur in neun Spielzeiten trafen die beiden Nachbarn nicht aufeinander, so dass am Samstag das 82. Revierderby der Bundesliga-Historie stattfindet. Die Bilanz fällt denkbar knapp aus: 29 BVB-Siegen stehen bei 24 Unentschieden 28 Erfolge der Schalker gegenüber. Die "Knappen" können also ausgleichen.

Allerdings präsentierten sich die Dortmunder zuletzt als schlechter Gast und nahmen von den letzten beiden Reisen nach Gelsenkirchen jeweils drei Punkte mit. Drei Siege in Serie bei S04 schafften die Borussen zuletzt Mitte der 60er Jahre, doch Herne-West, wie Schalke von den Fans des BVB genannt wird, dürfte wild entschlossen sein, im 200. Bundesliga-Spiel in der Veltins-Arena den ersten Heimsieg gegen den BVB seit Februar 2010 zu feiern.

Lewandowskis historische Chance



Ein weiteres Jubiläum wird Julian Draxler begehen, sofern der Doppeltorschütze und "Spieler des 24. Spieltags" gegen Dortmund zum Einsatz kommt: Es wäre sein 100. Pflichtspiel im Dress von S04, 66 davon bestritt er in der Bundesliga.

Dortmunds Robert Lewandowski kommt auf 88 Einsätze im Oberhaus und kann im Derby einen Uralt-Rekord des BVB knacken. Gegen Hannover traf der polnische Nationalspieler in seinem sechsten Bundesliga-Spiel in Folge - der letzte Dortmunder, dem eine solche Serie gelang, war Manni Burgsmüller 1981. In sieben aufeinanderfolgenden Bundesliga-Spielen traf nur ein Mal ein BVB-Spieler: Friedhelm "Timo" Konietzka im Jahre 1965. (XL-Galerie "Serientäter")

Sollte Lewandowski wie zuletzt gegen Hannover doppelt treffen, würde er in den Kreis der besten Derby-Torschützen einziehen. Mit dann fünf Toren in sechs Derbys zöge er mit Größen wie Stephane Chapuisat, Klaus Fischer, Olaf Thon oder Rüdiger Abramczik gleich.

"Mister Derby"



Erfolgreichster Derby-Torschütze ist Lothar Emmerich, der von 1963 bis 1968 für Dortmund spielte und in elf Partien gegen "Königsblau" zehn Mal einnetzte. Auf dem 2. Platz in dieser Wertung rangiert Michael Zorc.

Der heutige Sportdirektor der Borussia ist eine Art "Mister Revierderby", da er in den wichtigsten Spielerstatistiken immer vorne dabei ist. Der gebürtige Dortmunder spielte während seiner 17-jährigen Karriere insgesamt 23 Mal gegen den FC Schalke und erreicht nicht nur mit seinen sieben Treffern einen Top-Wert.

"Susi", so Zorcs Spitzname, liegt mit 23 Spielen in der Kategorie "Meiste Derby-Einsätze" ebenfalls auf Rang 2, nur ein Spiel hinter Schalkes Urgestein Klaus Fichtel. Dafür hat niemand so oft ein Revierderby gewonnen, wie es Michael Zorc schaffte. Der bejubelte mit dem BVB zehn Siege gegen den großen Rivalen.

Köpfende Keeper und beißende Hunde



Fast hätte Zorc noch ein Mal mehr jubeln können, wäre da nicht Jens Lehmann gewesen. Am 20. Spieltag der Saison 1997/98 ging der Keeper des FC Schalke beim Stand von 2:1 für Dortmund für eine Ecke in der Nachspielzeit mit nach vorne. Am langen Pfosten stand Lehmann goldrichtig, nickte das Leder zum 2:2-Ausgleich in die Maschen und verhinderte so Zorcs elften Sieg in seinem 23. und letzten Derby. (zum Video)

Ähnlich spektakulär ging es auch in der Saison 2008/09 zu. Da stieg das Duell bereits am 4. Spieltag und Schalke begann stark, führte in der verbotenen Stadt zur Pause mit 2:0 und nach 54 Minuten gar mit 3:0. Doch der BVB kam zurück und in der 89. Minute durch Alexander Freis' zweiten Treffer an diesem Tag noch zu einem Punkt.

Unvergessen ist auch das Spiel vom 6. September 1969 - allerdings nicht wegen des 1:1-Endstands. Nachdem Hans Pirkner die Gäste in Führung gebracht hatte, stürmten einige übermütige Schalker Fans das Spielfeld. Mit Platzsturm und Rückstand war der fünfjährige Schäferhundrüde Rex wohl nicht einverstanden, stürzte auf einmal auf den Platz und biss zu - und zwar in Friedel Rauschs Allerwertesten (zum Video). "Zwei Nächte konnte ich nur auf dem Bauch schlafen", erzählte Rausch später, der seitdem sein ganz persönliches Derby-Andenken hat.

Gregor Nentwig