Köln - Knapp acht Wochen nach dem Finale in Rio trifft die DFB-Nationalelf am Mittwochabend in Düsseldorf erneut auf Argentinien (ab 20:30 Uhr im Liveticker), um dann am Sonntag bereits die EM-Qualifikation gegen Schottland einzuleiten.

Doch wie haben sich unserer Weltmeister bisher in der Bundesliga geschlagen? Welche Spieler haben bislang besonders von der Weltmeisterschaft profitiert? bundesliga.de macht den Check.

Benedikt Höwedes

Kein Zweifel: Der Schalker Kapitän ist für seine Mannschaft inzwischen absolut unersetzlich geworden. Bei der WM noch in ungewohnter Rolle als Linksverteidiger, profitiert Höwedes jetzt enorm von seiner Flexibilität, kann in der Viererkette zentral oder auf beiden Außenbahnen spielen. Alleine gegen Bayern verteidigte er während der 90 Minuten auf drei Positionen und sicherte mit seinem Tor auch noch einen wichtigen Punkt gegen den Rekordmeister.

Christoph Kramer

Viel weiß Christoph Kramer zwar nicht mehr vom Finale in Rio, doch sicher ist, dass der 23-Jährige einen riesigen Sprung nach vorne gemacht hat. Vor einem Jahr, als er aus der 2. Bundesliga vom VfL Bochum kam, hatte den Mönchengladbacher noch kaum einer auf der Rechnung, er galt allenfalls als Ergänzungsspieler im defensiven Mittelfeld. Nun sind nicht nur die Borussia und Bayer Leverkusen, der Club, der ihn an die Mönchengladbacher ausgeliehen hat, an seinen Diensten interessiert. Kramer ist zwar noch nicht bei 100 Prozent, trat aber am 1. Spieltag gleich wie ein Weltmeister auf, als er nach seiner Einwechslung gegen Stuttgart das Spiel dirigierte, 23 von 24 Pässen zum Mitspieler brachte und mit einem satten Schuss in die Maschen den Fohlen noch einen Punkt rettete. "Er hat sich bei der WM sehr weiterentwickelt und ist eine Persönlichkeit geworden", freut sich sein Trainer Lucien Favre über die Entwicklung seines Schützlings.

Thomas Müller

Eine späte Saisonvorbereitung und müde Weltmeister hatten vielen Bayern-Fans schon Sorgenfalten bereitet. Zumindest Der 24-Jährige spielte in beiden Bundesligaspielen durch, eröffnete die Saison gleich mit dem ersten Tor gegen Wolfsburg und zeigte sich gewohnt lauffreudig. Gegen Schalke legte er nicht nur die größte Strecke zurück (12,05 Kilometer), sondern gewann auch die meisten Zweikämpfe seiner Mannschaft (17).

Erik Durm

Obwohl er in Brasilien keine Minute gespielt hat, ist Durm einer der großen WM-Profiteure. Als Linksverteidiger bei Dortmund ist er derzeit alleine schon wegen der Verletzung von Marcel Schmelzer gesetzt, spielte in beiden Bundesligaspielen durch und spulte jeweils die zweitmeisten Kilometer seiner Mannschaft ab. Der BVB weiß das entsprechend zu würdigen und hat seinen ohnehin schon bis 2017 laufenden Vertrag gerade noch einmal um zwei weitere Jahre verlängert. Bei der jüngsten Pressekonferenz der Nationalmannschaft bekam Durm außerdem ein Sonderlob von Joachim Löw. Er ist fest in der DFB-Elf eingeplant.

Jerome Boateng

"Ich plane hundertprozentig mit ihm“, stellte Pep Guardiola klar, nachdem in der Saisonvorbereitung der FC Barcelona kurz mal seine Fühler nach dem Innenverteidiger ausstreckte. Denn Boateng hatte nicht nur seiner eigenen Meinung nach beim WM-Finale das "Spiel des Lebens" gemacht. In der Bayern-Defensive hat wohl keiner seinen Platz so sicher wie er. Nach ausgestandener Rotsperre im Eröffnungsspiel zeigte er viel Präsenz und vereitelte mit seiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke einige gute Chancen.

Manuel Neuer

Die größte Ehre für Manuel Neuer nach seinen herausragenden Leistungen bei der WM war die Nominierung unter die drei Finalisten bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres. Der letzte Torhüter, der diese Auszeichnung erhalten hat, war der Russe Lew Jaschin - im Jahr 1963. Am Ende musste er sich dann doch hinter Cristiano Ronaldo geschlagen geben. Sein Standing ist inzwischen so hoch, dass sich selbst der spanische Nationaltorwart Pepe Reina wie selbstverständlich als Nummer 2 im Bayern-Kader einreiht. Er wird die DFB-Elf gegen Argentinien als Kapitän auf das Feld führen.

Philipp Lahm

Nach seinem überraschenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft kann sich Philipp Lahm nun voll und ganz auf den FC Bayern konzentrieren. Und das "Uhrwerk Lahm" ist auch nach einer kurzen Saison-Vorbereitung gewohnt gut geölt. Als einer der wenigen im Bayern-Kader hat der 30-Jährige seinen Stammplatz sicher, völlig egal, ob Guardiola ihn auf der Dreier-, Viererkette oder auf der Sechser-Position einplant. Gegen Wolfsburg und Schalke spielte er jeweils durch und überzeugte mit hoher Passsicherheit.

Matthias Ginter

Mit dem Weltmeistertitel im Gepäck hat Matthias Ginter beim harten Konkurrenzkampf in der Dortmunder Innenverteidigung gleich einen großen Bonus. Viele sahen ihn im teaminternen Duell mit Mats Hummels, Neven Subotic und Sokratis nur als Bankdrücker, doch schon am 1. Spieltag gegen Leverkusen war er 90 Minuten auf dem Platz, gewann starke 67 Prozent seiner Zweikämpfe, spielte die meisten Pässe seiner Mannschaft und war mit zwei Torschüssen obendrein auch noch der gefährlichste Mann in der BVB-Offensive.

Julian Draxler

Bei Schalke 04 geht Julian Draxler derzeit als Musterprofi voran, beendete seinen Urlaub sogar früher, um ins Vorbereitungstraining einzusteigen. Trotz seines Alters von 20 Jahren nahm er seine Mitspieler nach dem beiden Pleiten gegen Dresden im Pokal und gegen Hannover in der Bundesliga schon in die Pflicht: "Jeder muss sich selbst hinterfragen, ob er alles dafür tut, fit zu sein, ob die Ernährung stimmt, oder ob er genug Schlaf bekommt", mahnte er.

Ron-Robert Zieler

Einen deutschen Fußball-Weltmeister gab es bei Hannover 96 noch nie und so wurde Ron-Robert Zieler vor der Saison entsprechend geadelt. Trainer Tayfun Korkut hat seinen Torwart direkt in den Mannschaftsrat berufen und mit einem neuen Vertrag bis 2017 ausgestattet. In den letzten zwei Jahren hat er sowieso keine Minute in der Bundesliga verpasst. Wehrte in den ersten Pflichtspielen sechs von sieben Torschüssen auf sein Kasten ab.

Mario Götze

Der Held von Rio durfte bei Bayern bisher in jedem Spiel von Anfang mitwirken. Für 90 Minuten reicht es zwar bisher noch nicht, aber trotzdem legte er mit 70 (Wolfsburg) bzw. 62 (Schalke) intensiven Läufen eine ordentliche Laufleistung hin.

Mats Hummels

Noch ist der Innenverteidiger in dieser Saison bei Borussia Dortmund verletzungsbedingt ohne jede Einsatzminute, doch sein Standing hat sich nach der starken Weltmeisterschaft mit zwei Toren noch weiter verbessert. Den BVB  führt er ab dieser Saison als Kapitän auf den Platz und bei der Nationalmannschaft, wo er nach dem Rücktritt von Per Mertesacker endgültig zum Stammpersonal gehören sollte, ist Hummels nun auch Mitglied im neuen Mannschaftsrat.

Roman Weidenfeller

Der BVB-Keeper kam erst gegen Augsburg wieder in die Mannschaft und war an beiden Gegentoren schuldlos. In der Nationalelf bleibt er weiterhin die Nummer 2.

Kevin Großkreutz

Nach seiner Umschulung zum Außenverteidiger in der letzten Saison, sah man Großkreutz bei Dortmund zuletzt wieder im Mittelfeld rackern. Bis zu seiner Auswechslung gegen Augsburg in der 73. Minute legte er zehn Kilometer zurück. Seine größte Waffe bleibt ohnehin die physische Präsenz und die Möglichkeit, auf beinahe jeder Position spielen zu können.

Bastian Schweinsteiger

Die Chefrolle auf dem Platz hatte sich Bastian Schweinsteiger beim WM-Finale ohnehin nicht nehmen lassen, nun kommt auch noch das Kapitänsamt hinzu. "Er hat eine immense Erfahrung, genießt eine hohe Akzeptanz in der Mannschaft und im Trainerkader", begründete Joachim Löw seine Entscheidung für den Lahm-Nachfolger. Einzig seine Verletzungsanfälligkeit ruckelt etwas am Status des 30-Jährigen. In der Bundesliga fällt Schweinsteiger voraussichtlich noch bis Ende September aus.

Karol Herrmann