München - Erst ärgerte der Weihnachtsmann den FC Schalke 04, nun soll er für die Bescherung sorgen. Der finnische Neuzugang Teemu Pukki, dessen Nachname übersetzt Rehbock oder Weihnachtsmann bedeutet, will in Gelsenkirchen mehr sein als ein Ergänzungsspieler.

Es gibt diese Momente im Leben von Sportlern, die Karrieren eine entscheidende Richtung geben können. In diesen raren Momenten gilt es dann, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Der 21 Jahre alte Angreifer Teemu Pukki hat seinen großen Augenblick genutzt: In den Europa-League-Playoffs gegen Schalke wirbelte der Angreifer von HJK Helsinki die "Knappen"- Abwehr in Hin- und Rückspiel mit seinen Tempodribblings dermaßen durcheinander, dass den Finnen wenig später fast zwangsläufig ein Transferangebot ins Haus flatterte.

"Er hat gegen uns gezeigt, wozu er in der Lage ist"

Zwei Tore im Hinspiel, eines im Rückspiel und deutschlandweit als "Schalke-Schreck" in den Schlagzeilen - diese Empfehlung reichte den Verantwortlichen der "Königsblauen" für ein Angebot. "Er hat in beiden Spielen gegen uns gezeigt, wozu er in der Lage ist", sagte Manager Horst Heldt. Kurz vor Transferschluss besiegelten Club und Spieler den Wechsel. Bis 2014 unterzeichnete der Angreifer bei den "Knappen".

Einsetzbar ist er auf allen Offensivpositionen, im Team von Trainer Ralf Rangnick ist der sprint- und dribbelstarke Angreifer trotz der Abgänge von Edu und Mario Gavranovic erst einmal als Ergänzungsspieler vorgesehen. Er selbst sieht sich bereits einen Schritt weiter. "Ralf Ragnick hat mich nicht für die Bank geholt", berichtete Pukki auf einer Pressekonferenz der finnischen Nationalelf, da sei er sich sicher.

Eine selbstbewusste Aussage für einen jungen Fußballer, dessen Namen außerhalb Finnlands vor vier Wochen nur wenige kannten. Immerhin tummeln sich unter seinen Konkurrenten Kaliber wie Raul und Klaas-Jan Huntelaar. Andererseits war es auch nicht seine Zurückhaltung, mit der er es so weit gebracht hat.

In den Notizblöcken von Chelsea, Juve und Sevilla

In seiner finnischen Heimat war Pukki bereits im Jugendbereich eine große Nummer, die Medien handelten ihn als größtes Talent seit Mikael Forssell und Jari Litmanen. Kurz nach seinem sechzehnten Geburtstag debütierte er bereits für den FC KooTeePee in der höchsten finnischen Spielklasse.

Als bester Torjäger schoss er sich dann während der Qualifikation zur U-17-Europameisterschaft ins Rampenlicht - und in die Notizbücher der Talent-Scouts aus ganz Europa. Chelsea, Juventus Turin und der FC Sevilla hatten damals ihre Fühler nach dem Talent ausgestreckt.

Die Spanier machten schließlich das Rennen. Anfang 2008 wechselte Pukki vom finnischen Club FC KooTeePee zum spanischen Traditionsclub. "Ich glaube, dort kann ich mich als Fußballer am besten entwickeln", sagte der damals 17-Jährige. Um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern, zog seine Mutter für ein Jahr mit nach Spanien.

Verheißungsvolles Versprechen aus Finnland

Als eines der "verheißungsvollsten Versprechen im europäischen Fußball" bezeichnete ihn die spanische Sportzeitung "Marca" bei seiner Verpflichtung. Auf den Spuren des einstigen Barca-Spielmachers Jari Litmanen sollte er in Spanien zum nächsten großen finnische Exportschlager reifen, so die Erwartung.

Doch es kam anders: Pukki setzte sich nicht durch, spielte hauptsächlich für Sevilla Atletico, die zweite Mannschaft der Andalusier. Erst im Dezember 2008 berief ihn Trainer Manuel Jimenez in den Kader der A-Mannschaft, doch die Partie gegen Real Madrid verfolgte Pukki von der Bank.

28 Minuten in der Primera Division

Im Januar 2009 stand er dann beim 0:2 der "Rojiblancos" gegen Racing Santander zum ersten Mal für 28 Minuten auf dem Rasen und stürmte neben Größen wie Luis Fabiano und Frederic Kanoute. Es sollte Pukkis einziger Einsatz für die erste Mannschaft der Andalusier bleiben.

Der FC Sevilla erwies sich als eine Nummer zu groß für ihn. Im Sommer 2010 kehrte der Blondschopf in seine finnische Heimat zurück. Bei HJK Helsinki setzte er sich auf Anhieb durch, traf 13 Mal in 24 Spielen.

Nach seinen folgenreichen Auftritten gegen Schalke im August bekommt er nun eine neue Chance in einer europäischen Top-Liga. Dass er seine Gelegenheiten inzwischen zu nutzen weiß, hat Schalke bereits am eigenen Leib erfahren.

Andreas Messmer