Auch wenn er nur als Interimslösung gehandelt wird, nach der Trennung von Marcel Koller hat Frank Heinemann dem VfL Bochum wieder neues Leben eingehaucht. In seinen zwei Spielen als Coach an der Seitenlinie in der Bundesliga holte der VfL immerhin vier Zähler.

Die Ergebnisse sprechen für Heinemann, der seit mehr als 30 Jahren mit den Bochumern "liiert" ist. Dennoch hat er kein Problem damit, sollte er wieder ins zweite Glied rücken müssen. Dies versichert er im Interview mit bundesliga.de.

Weiterhin spricht Heinemann über seine Philosophie und die Chance der "jungen Wilden", nach der Rückkehr der Verletzten auch weiterhin zum Stamm der Mannschaft gehören zu können. Und natürlich ist auch das Länderspiel der DFB-Elf in Russland ein Thema…

bundesliga.de: Herr Heinemann, das 1:1 gegen den Deutschen Meister war ein weiteres Ausrufezeichen des VfL Bochum. Was war ausschlaggebend für das Remis?

Frank Heinemann: Wir haben sehr diszipliniert gespielt. Meine Jungs haben kompakt gestanden und die Räume eng gemacht. Bei Ballbesitz wurde dann schnell umgeschaltet. Leider haben wir die Konter nicht konsequent genug ausgespielt. Auf der anderen Seite hatten wir nach dem Platzverweis von Shinji Ono auch Glück. Da hat Wolfsburg viel Druck gemacht und hatte gute Möglichkeiten.

bundesliga.de: Der VfL wirkt unter Ihnen wesentlich aggressiver und auch gefälliger im Spiel nach vorne. Ist das die Art und Weise, wie sie die Mannschaft auch weiterhin spielen lassen werden?

Heinemann: Kampf und Leidenschaft, aber auch Disziplin sind die Basis unseres Spiels. Wenn wir das beherzigen, können wir auch unser vorhandenes spielerisches Vermögen abrufen.

bundesliga.de: Sie machen aktuell aus der Not eine Tugend und setzen voll auf den Nachwuchs. Kann der eine oder andere Youngster auch nach der Rückkehr der verletzten "alten Hasen" auf einen Stammplatz hoffen?

Heinemann: Alt oder jung ist mir völlig egal, für mich zählt nur Leistung - sowohl die im Spiel als auch die im Training.

bundesliga.de: Ist die Länderspielpause ein Segen für Sie? Immerhin können Sie so der Mannschaft Ihre Philosophie ungestört näher bringen?

Heinemann: Durch Länderspielabstellungen und verletzte Spieler fehlen uns in dieser Woche elf Leute. Deshalb hoffen wir in erster Linie, dass in den nächsten Tagen einige Spieler ihre Verletzungen auskurieren, um uns dann gegen Borussia Dortmund wieder zur Verfügung zu stehen.

bundesliga.de: Sie sind seit über 30 Jahren beim VfL. Ist das aktuelle Engagement für Sie auch eine Herzensangelegenheit?

Heinemann: Ich habe immer gesagt, dass der VfL so etwas wie meine zweite Familie ist. Also musste ich nicht lange überlegen, als man mich gefragt hat, ob ich als Interimstrainer einspringen kann.

bundesliga.de: "Er trifft den Ton", sagte Thomas Ernst nach dem Sieg in Nürnberg. Dennoch hat der Verein sich in Sachen Cheftrainer noch nicht festgelegt. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Heinemann: Auch wenn mir das viele nicht glauben wollen: Sie ist kein Problem für mich. Man ist mit mir beim VfL Bochum immer fair und vernünftig umgegangen. Das wird auch in Zukunft so sein.

bundesliga.de: Daniel Imhof verletzte sich im Nürnberg-Spiel sehr schwer am Rücken. Wie geht es ihm und wie lange wird er voraussichtlich fehlen?

Heinemann: Es geht ihm schon viel besser. Allerdings ist er noch nicht im Mannschaftstraining. Wir müssen noch einmal den Beginn der kommenden Woche abwarten. Lassen die Schmerzen ein normales Training zu, gehört er zum Kader für das Dortmund-Spiel.

bundesliga.de: Nach der Länderspielpause geht es für Bochum zum Derby nach Dortmund. Kann dieses Spiel ein endgültiger Wendepunkt in dieser Saison werden?

Heinemann: Auf jeden Fall kann die Partie ein emotionales Highlight werden. Wir waren in den vergangenen Jahren immer nah dran, bei den Nachbarn etwas mitzunehmen. Vielleicht klappt das ja in dieser Saison. Auf jeden Fall werden wir alles versuchen, das haben nicht zuletzt unsere Fans verdient, die nach dem Wochenende hoffentlich mit Oberwasser zur Arbeit gehen können.

bundesliga.de: Aber noch steht die WM-Qualifikation im Fokus. Werden Sie sich das Spiel der DFB-Elf anschauen und was erwarten Sie von der Partie in Russland?

Heinemann: Ich denke schon, dass ich mir das Spiel anschauen werde. Die Nationalmannschaft ist stark genug, um in Moskau zu bestehen. Ich rechne damit, dass wir den nötigen Punkt holen werden.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz