Mönchengladbach - Mike Hanke hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Beim deutschen WM-Sommermärchen 2006 war der zwölfmalige Nationalstürmer dabei, mit dem FC Schalke 04 stand er im Pokalfinale und spielte international. Doch in den letzten Jahren sammelte er vor allem reichlich positive Erfahrungen im Abstiegskampf. Das will er nun auch mit Borussia Mönchengladbach fortsetzen.

Mit Wolfsburg und Hannover schaffte Mike Hanke zwei Mal am letzten Spieltag den Klassenerhalt in nervenaufreibenden Endspielen gegen direkte Konkurrenten. 2006 reichte dem VfL Wolfsburg ein 1:1 gegen Kaiserslautern zum Ligaerhalt. Die Pfälzer stiegen ab. Im letzten Jahr erzielte Mike Hanke einen Treffer zum 3:0-Auswärtssieg von Hannover 96 beim VfL Bochum, der in Liga 2 versetzt wurde.

"Sind auf jeden Fall der Favorit"

In diesem Jahr spitzt sich die Dramaturgie in den Relegationsspielen zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Bochum noch mehr zu. Wieder geht es um alles oder nichts, diesmal gleich in zwei Partien. Wieder trifft der 27-Jährige auf den VfL Bochum, für den er als B-Jugendlicher übrigens selbst ein Jahr dem Ball hinterherjagte.

Allerdings dürfte es diesmal schwerer werden als im letzten Jahr, weil die Bochumer als zweitbestes Rückrundenteam der 2. Bundesliga 37 Punkte holten und die letzten drei Begegnungen allesamt gewannen. Doch auch die Formkurve der "Fohlenelf" zeigte zuletzt steil nach oben. "Wir sind auf jeden Fall der Favorit", redet dann auch Hanke nicht lange um den heißen Brei herum.

"Wir müssen in beiden Spielen volle Pulle geben und einfach geil darauf sein, dass wir die Dinger gewinnen", versucht Mike Hanke seine Teamkollegen auf die entscheidenden Duelle einzustimmen. Auch auf ihn wird es wieder ganz besonders ankommen.

Von Hannover nach Gladbach

Es hat einige Zeit gedauert, bis Mike Hanke richtig in Mönchengladbach angekommen ist. In der Winterpause wechselte er von Hannover 96 an den Niederrhein, zur Verwunderung nicht weniger Experten, die bei der Borussia viele Defizite ausgemacht hatten, die wenigsten jedoch im Angriff.

Und Hanke hatte in der ersten Saisonhälfte keine besonders gute Zeit bei der Überraschungsmannschaft von Hannover 96. Doch als "Edeljoker" gelangen ihm kurz vor Weihnachten bei seinen Kurzeinsätzen immerhin drei Treffer. Das machte ihn auf einmal zum effektivsten Stürmer der Bundesliga. Drei Tore in 140 Minuten bei sieben Kurzeinsätzen waren seine Empfehlung. Trotzdem sah er in Hannover keine Zukunft mehr. Da kam das Angebot der Borussia gerade recht.

"Wir müssen weniger Chancen zulassen und in der Offensive eiskalt zuschlagen", lautete Hankes Erfolgsrezept im Winterinterview mit bundesliga.de, das die Borussia in den letzten Wochen konsequent umsetzt. "Es ist eine besondere Herausforderung. Ich freue mich auf die Aufgabe. Nicht jeder kommt gerne zum Tabellenletzten. Ich habe aber sofort ja gesagt, weil Gladbach ein geiler Verein ist", sagte Hanke im Januar.

Drei Assists beim Kantersieg gegen Köln

Unter dem damaligen Trainer Michael Frontzeck war er gesetzt, blieb aber torlos. Nach der Entlassung Frontzecks und der Inthronisierung von Lucien Favre flog Hanke zunächst aus der Startelf und bekam erst am 29. Spieltag gegen den 1. FC Köln wieder eine Chance von Anfang an. Er nutzte sie eindrucksvoll mit drei Assistes beim Gladbacher 5:1-Derbysieg.

Damit war auch bei Hanke der Knoten geplatzt, der Stammplatz war ihm sicher. Sein erstes Tor im Borussia-Trikot erzielte er am 33. Spieltag gegen den SC Freiburg. "Ich habe mir meine Tore für die wichtigen Spiele aufgehoben", hatte er vorher noch selbstbewusst angekündigt. Und Wort gehalten. "Große Klappe, viel dahinter!" lobte daraufhin die "Bild"-Zeitung.

"Ich bin noch nie abgestiegen", sagte Mike Hanke bei seiner Vorstellung in Mönchengladbach vor einem knappen halben Jahr. Und dabei soll es bleiben. Doch vorerst hat es "nur" für den Relegationsrang gereicht. Überstunden sind nötig, um das große Ziel zu erreichen. Es wird noch ein hartes Stück Arbeit.

Tobias Gonscherowski