München - Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Wechselgerüchte um den Toptorjäger des souveränen Tabellenführers der Bundesliga, Lucas Barrios, die Runde machen.

Doch der Knipser, der auch in dieser Spielzeit schon neun Treffer erzielte und in der besten Offensive der Liga das Zentrum des Angriffs darstellt, hat sich immer wieder zum BVB bekannt und will dort bald auch die Früchte seiner Arbeit ernten. bundesliga.de hat den Werdegang des Strafraumungeheuers unter die Lupe genommen und präsentiert zehn interessante Fakten rund um den Torjäger.

Acht Mal Barrios

Dortmunds Torjäger heißt mit vollem Namen Lucas Ramon Barrios Caceres und wurde in einem Vorort der argentinischen Metropole Buenos Aires geboren. An Spielgefährten fehlte es ihm nicht, ganz im Gegnteil: Nur drei Kinder mehr, und Familie Barrios hätte eine ganze Kinderfußballmannschaft zuhause gehabt - Lucas hat vier Brüder und drei Schwestern.

Weltbester Knipser

Sein Jugendclub waren die Argentinos Juniors - der Club, bei dem auch Diego Maradona seine Karriere begann. Über Vereine in der argentinischen und chilenischen 2. Liga und ein kurzes Intermezzo in Mexiko kam er schließlich zu CSD Colo-Colo in Chiles Eliteliga, wo ihm endgültig der Durchbruch gelang. Er wurde Meister, Torschützenkönig und erzielte 37 Tore in 38 Spielen - die meisten Erstligatore weltweit im Kalenderjahr 2008.

"Panthastisch"

In 66 Spielen für Colo Colo traf Barrios sagenhafte 58 Mal und hatte sich mittlerweile den Spitznamen "La Panthera" - "Der Panther" - erarbeitet. Aufgrund seiner Antrittsschnelligkeit und seines untrüblichen Torriechers, aber auch wegen seiner oft phantomartigen Spielweise setzte sich diese Bezeichnung auch in Europa durch. "Lange Zeit hat er es mit Erfolg geschafft, unsichtbar zu sein. Aber das zeichnet einen Torjäger aus. Da muss man nur an Gerd Müller denken", verglich ihn BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball mit dem "Bomber der Nation".

"Er kann es einfach"

Der Stürmer wurde schnell zum Objekt der Begierde europäischer Clubs und entschied sich für Borussia Dortmund. Schon in seinem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal traf er für seinen neuen Verein. Auch in der Bundesliga zeigte sich der Rechtsfuß treffsicher: 19 Mal netzte er in seiner Debütsaison ein und erhielt Lob von allen Seiten, zum Beispiel wieder von Rauball: "Wir haben hier zu allen Zeiten gute Stürmer gehabt, aber Lucas Barrios muss man einen Tick herausheben. Er kann es einfach."

Alles für Tomas

Der geschiedene Südamerikaner hat einen siebenjährigen Sohn, Tomas. "Tomas ist für mich das Wichtigste. Alle meine Tore schieße ich zuerst für ihn", stellt Barrios klar. Den Namen seines Filius' trägt er auf den linken Unterarm tätowiert in jedem Spiel mit sich und hat ihn nach den ersten Monaten zu sich nach Deutschland geholt. "Ich brauche einfach seine Nähe, um volle Leistung bringen und möglichst viele Tore erzielen zu können", meinte Barrios.

Ungeduldig

In der Rekordhinrunde des BVB war Barrios ein elementarer Baustein des Erfolgs. Mit acht Hinrundentoren war er erneut der beste Torschütze seines Vereins. Während der Winterpause warf ihn jedoch eine Kapselverletzung und ein Virusinfekt zurück, weswegen er zu Beginn der Rückrunde mehrmals nicht in der Startelf zu finden war. Das schmeckte dem ehrgeizigem Stürmer ganz und gar nicht, doch Trainer Jürgen Klopp argumentierte vor dem ersten Spiel zu Recht: "Wir brauchen Lucas nicht nur für das Spiel in Leverkusen, sondern für die gesamte Rückrunde."

Große Liebe BVB

Am 19. Dezember 2009 trug sich Barrios in die Geschichtsbücher des Vereins ein, als er das Goldene Tor beim 100. Geburtstag des BVB im Bundesligaspiel gegen Freiburg schoss. Nicht nur wegen dieses historischen Treffers zeigt Barrios oft seine große Verbundenheit zum Club - besonders, wenn wieder Wechselgerüchte kursieren. "Ich habe hier einen Vier-Jahres-Vertrag, worüber ich sehr froh bin. Es gibt überhaupt keinen Anlass, den Verein zu verlassen," machte der Angreifer jüngst klar, als ein Interesse von Real Madrid im Raum stand. Schon nach einem halben Jahr in Dortmund verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis 2014.

Barrios für Paraguay

Barrios selbst ist gebürtiger Argentinier. Seine Mutter Petrona stammt aus Paraguay, wurde in der Hauptstadt Asuncion geboren. Durch seinen ehemaligen Dortmunder Sturmpartner Nelson Valdez entstand der Kontakt zur paraguayanischen Nationalelf. "Er hat in dem Prozess dann eine wichtige Rolle gespielt, dass ich jetzt für Paraguay spielen kann." Gleich in seinem ersten internationalen Einsatz gelang dem 26-Jährigen auch ein Treffer. Barrios besitzt beide Staatsbürgerschaften und fühlt sich beiden Nationen verbunden.

Nur am Weltmeister gescheitert

2010 stand der 1,87 Meter große Stürmer dann auch im WM-Aufgebot Paraguays und hätte mit seiner Mannschaft fast für eine Sensation gesorgt, als das Team im Viertelfinale nur denkbar knapp dem späteren Weltmeister Spanien unterlag (0:1). Fast wehmütig denkt Barrios zurück: "Im Nachhinein, in dem Wissen, dass sie am Ende Weltmeister geworden sind, ist es schwer, an dieses Spiel zurückzudenken und sich dabei nicht vorzustellen, dass wir die WM-Geschichte fast umgeschrieben hätten."

Keine falsche Bescheidenheit

Während sich Dortmunds Trainer Jürgen Klopp als Meister des Tiefstapelns gibt, ist für Lucas Barrios klar, dass es in diesem Jahr nur ein Ziel geben kann: Die Meisterschaft! "Ich möchte mit Dortmund unbedingt den Titel in der Bundesliga holen und mit Paraguay um den Titelgewinn bei der Copa America kämpfen. Anders ausgedrückt: Ich habe mir für 2011 das Ziel gesteckt, Meister zu werden. Jedes andere Ergebnis wäre für mich eine Enttäuschung. Aber ich mache mir große Hoffnungen und bin sehr zuversichtlich."


Christoph Gschoßmann