Stuttgart - Nach dem 2:2-Unentschieden im wichtigen Spiel beim VfB Stuttgart stellt sich Roman Bürki, der Schlussmann des SC Freiburg, den Fragen von bundesliga.de. Er erklärt, warum seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel ein völlig anderes Gesicht zeigte, welchen Anteil der selbstkritische Trainer Christian Streich daran hat und spricht über die Schweizer Keeper in Deutschland.

bundesliga.de:Roman Bürki, mal ehrlich, hätten Sie nach dieser schwachen ersten Halbzeit noch mit solch einem Ergebnis gerechnet? Zur Halbzeit hätte wohl jeder auf eine deutliche Freiburger Niederlage gewettet.

Roman Bürki: Das ist schwer zu sagen. Der Trainer hat uns in der Halbzeit jedenfalls optimal eingestellt. Er hat gesagt, dass es jetzt egal ist, was gerade draußen passiert ist, dass wir befreit aufspielen sollen und am besten alles vergessen sollen, was war. Irgendwie haben wir uns dann ja auch schnell von dem Schock erholt.

"Die Verantwortung liegt natürlich bei uns"

bundesliga.de: Interessant, dass Sie die Verdienste von Christian Streich betonen. Der hat sich gerade in der Pressekonferenz die Schuld für den ersten Durchgang gegeben. Er trage die Verantwortung, die Spieler könnten nichts dafür...

Bürki: Da sieht man mal wieder, was für eine Qualität unser Trainer hat. Er stellt sich immer vor uns. Das ist besonders wichtig für die Spieler, die vielleicht nicht so einen guten Tag hatten. Aber die Verantwortung liegt natürlich bei uns.

bundesliga.de: Woran lag es denn, dass der erste Durchgang so dermaßen mutlos wirkte?

Roman Bürki: Wir waren einfach zu verkrampft, haben in zwei, drei Situationen schlecht verteidigt und waren einfach oft zu weit von den Gegenspielern weg. Möglicherweise hat man den Druck gemerkt, unter dem wir standen.

bundesliga.de: Phasenweise hatte man den Eindruck, dass einige Freiburger Spieler Angst vor der eigenen Courage hatten.

Roman Bürki: Wir haben zumindest sehr viele lange Bälle gespielt und das war ganz sicher nicht das, was wir uns vorgenommen hatten. Das ist auch nicht unser Spiel, nicht das, was uns auszeichnet. In der zweiten Halbzeit haben wir dann gezeigt, was in der Mannschaft steckt. Und wir haben auswärts einen Punkt geholt, das ist nicht so schlecht.

"Vielleicht sollte ich mehr nach vorne gehen" 

bundesliga.de: Ihr Landsmann und Torwart-Kollege Fabio Coltorti von RB Leipzig hat am Freitag ein Tor gegen Darmstadt geschossen. Haben Sie das gesehen?

Roman Bürki: Aber klar doch. Das hat er prima gemacht. Und er ist ja schon der zweite Schweizer Torhüter, der in dieser Saison in Deutschland ein Tor geschossen hat. Vielleicht sollte ich auch mal mehr nach vorne gehen und schauen, ob ich Torjägerqualitäten habe.

bundesliga.de: Sie denken an das Tor von Marwin Hitz?

Roman Bürki: Genau! Ich glaube, gegen Leverkusen hat er getroffen.

bundesliga.de: Stimmt. Yann Sommer, Marwin Hitz, Diego Benaglio, Roman Bürki, Fabio Coltorti – sagen Sie mal, gibt es in der Schweiz überhaupt noch gute Torhüter, oder spielen die alle hierzulande?

Roman Bürki: Nein, nein, nicht alle. Wir haben zu Hause schon noch einige junge gute Torhüter.

Das Gespräch führte Christoph Ruf