Leipzig - Mit seinem souveränen Auftritt beim 2:0 im Testspiel gegen Israel könnte sich Holger Badstuber seinen Platz in Joachim Löws Startelf beim EM-Auftakt gegen Portugal endgültig gesichert haben.

Im Konkurrenzkampf zwischen Badstuber sowie Per Mertesacker und Mats Hummels um die zwei Plätze in der deutschen Innenverteidigung scheint Badstuber Stand jetzt vorne zu liegen.

Ziemlich genau zwei Jahre nach seinem Nationalelf-Debüt gehört der Defensiv-Allrounder mit seinen 23 Jahren selber noch zu den Jüngeren, spricht aber zuweilen schon analytisch scharf wie ein Trainer. Im Interview nach seinem 20. Länderspieleinsatz spricht der Abwehrmann über den Bayern-Block in der Nationalelf, fehlende Feinabstimmung und Variationen im deutschen Spiel.

Frage: Herr Badstuber, sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis und der Leistung Ihrer Mannschaft? (XL-Galerie: DFB-Stars in der Einzelkritik)

Holger Badstuber: Ein Zu-Null-Spiel ist für uns Abwehrspieler immer gut. Aber das Ergebnis ist eher nebensächlich, wenn man in so einem Spiel einiges aus der Trainingsarbeit umsetzen will - ein paar Spielzüge etwa oder die Arbeit gegen den Ball.

Frage: Wie sehen Sie die Lage nach dem Sieg gegen Israel und unmittelbar vor EM-Beginn?

Badstuber: Wir haben mit dieser Mannschaft ein gutes Gefühl. Dass wir das kurze Trainingslager mit einem Sieg beendet haben, ist natürlich auch gut - und mit dem Gefühl eines Sieges nach Polen zu reisen. Ich glaube, dass wir die Zeit bis zum ersten EM-Spiel gegen Portugal noch gut nutzen werden. Wir haben einen Trainer, der auch noch die Kleinigkeiten sieht und die Feinabstimmung in den nächsten Trainingseinheiten in Polen perfektionieren will. Das werden wir natürlich annehmen, so dass wir topfit und eingespielt in das Turnier starten.

Frage: Der Bundestrainer musste ja lange auf die Bayern-Spieler warten und hat sich sicherlich gefreut, als Sie und ihre Club-Kollegen ins Training miteingestiegen sind. Wie sehr hat das aus Ihrer Sicht die Qualität noch mal erhöht?

Badstuber: Es ist natürlich schön, wenn wir mit dem Bayern-Block dazu beitragen können, dass die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich spielt. Aber ich glaube, wir haben neben den Bayern-Spielern noch andere erstklassige Leute. Das könnte auch das Erfolgsrezept sein, weil wir in der Breite sehr, sehr gut besetzt sind und auch junge, hungrige Spieler auf der Bank haben. Mit uns Bayern-Spielern erhöht sich auch noch mal die Qualität des Kaders. Aber wir repräsentieren hier die Nationalmannschaft. Da ziehen wir alle an einem Strang. Deswegen fühlt man sich hier nicht als Bayern-, sondern als Nationalspieler.

Frage: Im Training wurde ja viel daran gearbeitet, den Gegner sehr früh zu stören. Haben Sie auch deswegen in der Abwehr wenig zu tun bekommen - oder lag das vor allem an der Harmlosigkeit des Gegners?

Badstuber: Ich weiß nicht, ob es für einen Defensiv-Härtetest der richtige Gegner war. Wichtig war aber auf jeden Fall, dass wir die Trainingsarbeit im Spiel gut umsetzen. Auf so einen Gegner, der sich hinten reinstellt und auf Konter lauert, könnten wir schließlich öfter treffen, weil wir eine sehr dominante Mannschaft sind. Ich denke, wir müssen einfach variieren, so dass wir mal starkes Pressing spielen, dass wir uns aber auch mal ein bisschen zurückziehen. Diese Variationen machen eine gute Mannschaft aus und das wollen wir auch drauf haben.

Frage: An welchen Feinheiten muss das Team noch arbeiten?

Badstuber: Auf so einem hohen Niveau entscheiden Kleinigkeiten. Da geht es um Abstände, um Ballverluste. Das wollen wir auch am Beispiel des Israel-Spiels analysieren: Dass man den jeweiligen Spielern diese Kleinigkeiten anhand von Videoaufzeichnungen zeigt, damit sie es besser machen können. Ich glaube, gegen Israel hat man auch ein paar Beispiele gesehen, wo man es noch besser machen kann. Von daher versuchen wir, in den nächsten Trainingseinheiten die Abstimmung noch zu verfeinern.

Aufgezeichnet von Andre Anchuelo