"Berti" Vogts hat sich nicht verändert. Sein Herz schlägt für die Jugend, und seine Abneigung gegenüber den Medien bleibt. Er hält sie für oberflächlich, schlagzeilensüchtig, nicht gründlich genug.

Kurz vor seinem 63. Geburtstag am Mittwoch (30. Dezember) hat der frühere Bundestrainer eine Ausnahme gemacht. Er erklärt, weshalb er in Aserbaidschan um zwei Jahre verlängert hat: "Das primäre Ziel ist nicht, Aserbaidschan für die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine zu qualifizieren. Das primäre Ziel ist die Ausbildung."

Steckenpferd Jugendarbeit

Dafür bringt er acht Spieler bei deutschen Vereinen unter, dafür verschafft er 30 Kindern einen Bildungskurs in einer deutschen Sportschule. Vogts sagt mit seinem hintergründigen niederrheinischen Humor: "Die werden dann Nationalspieler, wenn ich 97 bin."

Jugendarbeit - das war immer sein Thema. Ehe er nach der WM 1990 das Erbe von Franz Beckenbauer antreten musste, Vize-Europameister 1992 und Europameister 1996 wurde, hat er 96 Länderspiele absolviert, sich in 419 Bundesligaspielen für Borussia Mönchengladbach als "Terrier" bewährt.

Dann wurde er DFB-Trainer für den Jugend- und Nachwuchsbereich, übte diese Tätigkeit von 1979 bis 1990 aus. Konzepte für verbesserte Jugendarbeit ("Fördern und Fordern") entwickelte er viele, doch die Zeit war noch nicht reif.

Rückkehr zum DFB?

Beim Deutschen Fußball Bund (DFB) wurde auf den Lorbeeren von 1990 geruht und die Nachwuchsarbeit vernachlässigt, bis Gerhard Mayer-Vorfelder sie zur Chefsache erklärte. Da war Vogts aber schon weg. Die heutigen Erfolge der DFB-Nachwuchsteams kommentiert er lakonisch: "Ist doch schön, wenn der Acker endlich bestellt worden ist und die Saat aufgeht."

Verbittert? "Ach was. Jeden Tag geht die Sonne wieder auf." Vogts kann sich sogar vorstellen, irgendwann als Berater wieder für den DFB tätig zu sein. Da träfe er dann Matthias Sammer wieder, seinen Libero bei der EM 1996.

Viele "exotische" Trainerstationen

Nach seiner DFB-Zeit versuchte Vogts sich als Trainer bei Bayer Leverkusen - dort fiel vor allem auf, weil er sich in der ersten Halbzeit freiwillig auf die Tribüne setzte, "um einen besseren Überblick zu haben". Später trainierte er Kuwait, Schottland und Nigeria. Die Afrikaner, von denen er Anfang 2008 wegging, haben sich jetzt unter dem neuen Coach Amodu Shaibu für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Vogts mag dazu keinen Kommentar abgeben, denn er liegt mit dem Verband noch immer im juristischen Clinch.

Es scheint sein Fluch zu sein, dass die Früchte immer erst geerntet werden, wenn er schon wieder fort ist. 2016 findet die Europameisterschaft erstmals mit 24 Mannschaften statt. Vielleicht hat Aserbaidschan dann eine Chance, sich zu qualifizieren. Vogts wäre dann 69 - und bestimmt nicht mehr Trainer am Rande Asiens.