Darmstadt - Zwei Mal warfen sich die Spieler des SV Darmstadt 98 Mitte der zweiten Halbzeit im eigenen Strafraum innerhalb von ein paar Sekunden in die Schüsse der Kölner Spieler und blockten den Ball und bewahrten ihre Mannschaft so mit letztem Einsatz vor einem Gegentor. "Die Szene zeigt genau das, wofür wir stehen", lobte Lilien-Mittelfeldmotor Peter Niemeyer nach dem Abpfiff des abwechslungsreichen 0:0 gegen den 1. FC Köln.

Aufsteiger Darmstadt 98 bleibt so zwar zum fünften Mal in Serie ohne Sieg, aber die Leistung im Flutlichtspiel im ausverkauften Stadion am Böllenfalltor macht eher Mut als Angst vor den kommenden Aufgaben. Und mit nun 15 Punkten aus 14 Spielen ist die Ausbeute der Südhessen noch immer im Soll (zur Tabelle). Dass der Blick in dieser ersten Bundesliga-Saison der Lilien nach mehr als drei Jahrzehnten eher nach unten als nach oben gehen würde, war vor Rundenbeginn jedem klar. Auch Peter Niemeyer, der von Hertha BSC zum Aufsteiger gewechselt war.

"Am Ende ein gerechtes Unentschieden"

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"Peter ist ein absoluter Wunschspieler von uns", hatte Trainer Dirk Schuster bei der Verpflichtung des 32 Jahre alten Routiniers im Sommer gesagt. Und bislang haben sich die Hoffnungen, die die Darmstädter Verantwortlichen in den 1, 91 Meter großen defensiven Mittelfeldspieler gesetzt haben, erfüllt. Niemeyer stand bei allen 14 Bundesligaspielen für die Lilien in der Startelf. Sein Einsatzwille, seine Fähigkeit, den abgewehrten Angriffsball durch seine Kopfball- und Zweikampfstärke zu erobern und seine Teamfähigkeit machen ihn zu einem prädestinierten Spieler für einen Aufsteiger, der durch die Grundtugenden des Fußballs versucht, die Liga zu halten.

Auch gegen den 1. FC Köln zeigte Niemeyer wieder diese Qualitäten. Und der Spieler, der über den niederländischen Klub Twente Enschede,  Werder Bremen und Hertha BSC zu den Lilien kam, steigerte sich gegenüber der letzten Niederlage gegen Mitaufsteiger Ingolstadt (1:3). "Ich glaube schon, dass wir ein Spiel auf Augenhöhe hatten. In der ersten Hälfte hatten wir die besseren Chancen, in der zweiten Hälfte war der FC etwas besser. Am Ende war es ein gerechtes Unentschieden", analysierte Niemeyer das Geschehen, das eine kuriose Note durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Schiedsrichter Deniz Aytekin in der Halbzeitpause bekommen hatte. So kam Christian Dietz zu seinem ersten Einsatz als Referee in der ersten Bundesliga.

"Die eklige Mannschaft sein"

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Dass der Gast in der zweiten Hälfte besser ins Spiel gekommen war, hatte aber nichts mit dem Schiedsrichterwechsel zu tun, Niemeyer erklärte das Kölner Übergewicht so: "Der FC hat das Spiel breit gemacht. Es war schwer für uns, das Spiel eng zu halten und in die Zweikämpfe zu kommen. Aber je näher sie auf unser Tor kamen, desto kompakter waren wir dann und haben uns in alles reingeworfen." All das hat auch Tennisstar Andrea Petkovic zusammen mit ihrer Kollegen Sabine Lisicki auf der Tribüne gesehen. Petkovic hatte vor dem Anpfiff eine Wette eingelöst und Bratwürste verkauft. Die berühmteste Darmstädterin hatte dabei für riesiges Interesse gesorgt. Peter Niemeyer steht nicht so oft im Interesse der Aufmerksamkeit.

Aber mit dem etwas offensiveren Jerome Gondorf, der diese Woche Vater einer Tochter namens Amelie geworden ist, bildet Niemeyer im zentralen Mittelfeld ein gutes Duo. Trotz des nun fünften Spiels ohne Sieg hintereinander lebt Niemeyer jenen Optimismus vor, den Trainer Schuster in Darmstadt predigt. Und er weiß, was die Lilien-Anhänger am kommenden Wochenende im großen Derby bei Eintracht Frankfurt von den 98-Profis erwarten, Niemeyer sagt: „"Wir werden nächste Woche im Derby gegen Frankfurt wieder alles reinhauen und wollen einen Sieg einfahren, was den Fans und vor allem uns selbst sehr gut tun würde." Niemeyer hat Derby-Erfahrung in Berlin  gesammelt bei den Spielen mit Hertha gegen Union. "Mit Hertha waren wir dabei die Großen. Diesmal will ich mit Darmstadt gegen Frankfurt die eklige Mannschaft sein."

Aus Darmstadt berichtet Tobias Schächter