München - Mit 23 Jahren gehört Jerome Boateng noch zu den "jungen Wilden" der Bundesliga, trotzdem hat er schon jahrelange Erfahrung im Fußball-Geschäft vorzuweisen.

Stationen in Deutschland und England, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und nun die Bundesliga-Rückkehr beim FC Bayern München, wo er in dieser Saison bislang zu den Stützen in der Defensive gehört. bundesliga.de hat noch zehn weitere interessante Fakten zu Jerome Boateng ausgegraben, die Sie vielleicht noch nicht wussten.

Aufgewachsen in Wilmersdorf

Jerome Boateng (Foro, r.) wurde am 3. September 1988 in Berlin geboren. Sein Vater Prince stammt aus Ghana, sein Onkel ist Nationalspieler des afrikanischen Landes gewesen. George und Kevin-Prince Boateng (l.) sind seine beiden älteren Halbbrüder, alle drei haben zwar denselben Vater, aber nicht dieselbe Mutter. Im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern, die in Wedding aufwuchsen, verbrachte Jerome Boateng seine Kindheit in Wilmersdorf bei seiner Mutter Martina, die als Stewardess arbeitete. "Kevin und George hatten es viel schwerer als ich", sagt Jerome. "In Wedding aufzuwachsen ist anders als in Wilmersdorf."

Afrikanische Wurzeln

Zusammen mit seinen Brüdern hat er sich auf seinem linken Oberarm die Umrisse des afrikanischen Kontinents mit dem Schriftzug "Ghana" tätowieren lassen. Dabei war der 23-Jährige bisher noch nie in der Heimat seines Vaters. "Es hat sich bis jetzt nicht ergeben, wegen Fußball fehlte irgendwie immer die Zeit." Er hört gerne afrikanische Musik und isst auch gerne afrikanische Gerichte wie zum Beispiel "Fufu", ein fester Brei aus Yams und Kochbananen. Und was ist an ihm afrikanisch? "Mein Rhythmus, meine Spielfreude und mein Temperament", erzählt Boateng. Im Gegensatz zu seinem Bruder hat er sich nie damit beschäftigt, für die Nationalmannschaft Ghanas aufzulaufen. "Ich bin zuallererst Deutscher, mit Deutschland habe ich mich mein Leben lang identifiziert", erklärt Boateng, der sich irgendwann dafür Zeit nehmen möchte, um für zwei, drei Wochen nach Ghana zu reisen.

Straßenfußballer

Im Alter von sechs Jahren trat Boateng zum ersten Mal gegen den Ball. "Ich war begeistert von meinem Fußball, den habe ich überall mit hingenommen, nachdem ich das erste Mal dagegen getreten hatte. Sogar zur Schule bin ich mit dem Ball am Fuß gelaufen", erinnert sich der Verteidiger. Als Zehnjähriger trat er bei Tebe Berlin ein. An sein erstes Spiel erinnert sich der deutsche Nationalspieler noch ganz genau. Beim 11:0-Sieg erzielte er fünf Treffer, bis zur C-Jugend spielte er im Sturm. Und das kommt ihm heute noch zugute. "Ich weiß halt, wie die Stürmer ticken", sagt der heutige Abwehrspieler, dessen Vorbilder Zinedine Zidane und Ronaldo waren.

Gegen den Willen der Mutter

Mit 13 wechselte Boateng in die Jugendakademie von Hertha BSC, obwohl seine Mutter zunächst dagegen war: "Ich habe ihn mit der Frage genervt: Warum sollst ausgerechnet du es schaffen, Profi zu werden? Damals habe ich nicht erkannt, wie geradeaus Jerome seinen Weg gegangen ist. Heute muss ich sagen: Hut ab", erzählt Boatengs Mutter. Seine Bundesliga-Premiere feierte er am 31. Januar 2007 gegen Hannover 96 (Foto). Im Sommer 2007 folgte der Wechsel zum Hamburger SV.

Von der Spree an die Elbe

Als 18-Jähriger wechselte er also von der Spree an die Elbe. Weg von Eltern, allein in einer fremden Stadt. "Zuerst war es nicht leicht", gibt Boateng zu. Doch seine Familie gab ihm den nötigen Halt und kam ihn besuchen, so oft, wie sie konnten. "Meine Eltern waren bei jedem Spiel da, mein Bruder George kam auch, so oft er konnte. Das hat anfangs sehr geholfen", blickt Boateng auf seine Anfangszeit beim HSV zurück. Sein Debüt für die "Rothosen" feierte er gegen den FC Bayern, kein Geringerer als Franck Ribery war sein Gegenspieler. Insgesamt kam er in seiner ersten Spielzeit gleich auf 27 Einsätze und reifte fortan zum Nationalspieler heran.

Eintrag in die DFB-Geschichtsbücher

Am 10. Oktober 2009 feierte er sein Debüt in der Nationalmannschaft. Im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland stand er sogar gleich in der Startelf. Und das als Neuling. In der 69. Minute der Schock. Boateng sieht die Gelb-Rote-Karte und sicherte sich damit einen Platz in den DFB-Geschichtsbüchern. Er ist nämlich der erste Debütant, der in der deutschen Nationalmannschaft vom Feld gestellt wurde. Doch auch dadurch lässt er sich auf seinem Weg nach oben nicht aufhalten. Im Gegenteil. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika im vergangenen Jahr bestritt er fünf Spiele für Deutschland und hatte damit einen gehörigen Anteil am 3. Platz. Danach wechselte er auf die Insel zu Manchester City.

Nur ein Jahr auf der Insel

Auf der Insel war Boateng allerdings vom Pech verfolgt. Zwei Mal war er länger verletzt, zudem lief er häufig als Rechtsverteidiger auf und kam fast nie auf seiner angestammten Position als Innenverteidiger zum Einsatz. "Es war aus sportlicher Sicht ein unglückliches Jahr für mich", fasst der Nationalspieler zusammen. So kam er am Saisonende nur auf insgesamt 16 Einsätze in der englischen Premier League. Nach nur einem Jahr auf der Insel folgte er in diesem Sommer dem Ruf des FC Bayern München und kehrte in die Bundesliga zurück. Dennoch nimmt er viel Positives aus seiner Zeit in England mit. "Ich habe schon wertvolle Erfahrungen gesammelt."

"Air Jordan" als Vorbild

Fußballerische Vorbilder hatte Jerome Boateng nicht viele. In der Jugend hat er immer zu seinem älteren Halbbruder Kevin-Prince aufgeschaut. "Kevin war immer mein Vorbild", sagt Jerome Boateng. "Er hat sich alles selbst erkämpft. Er hat andere Dinge erlebt als ich." Fasziniert habe ihn auch die amerikanische Basketball-Ikone Michael "Air" Jordan. Die Leichtigkeit, Eleganz und wie er das Spiel las, habe er sehr bewundert.

Großes Faible für Tattoos

Jerome Boateng hat ein großes Faible für Tattoos. Dabei hat jedes Tatoo eine große Bedeutung für ihn. "Ich tätowiere mich nicht zum Spaß. Ich lasse mir nur Sachen stechen, die eine ganz besondere Bedeutung für mich persönlich haben." So hat er sich den ganzen Familien-Stammbaum stechen lassen, 21 Namen zieren seinen Rücken. Demnächst kommen zwei weitere dazu. Im März dieses Jahres kamen nämlich seine beiden Zwillingstöchter Soley und Lamia auf die Welt. "Die Geburt war der glücklichste Moment in meinem Leben."

Schuhtick

Er ist der Herr der Schuhe: Jerome Boateng ist ein Riesen-Fan von Sneakers. Der 23-Jährige besitzt mehr als 400 Paar Schuhe. "Das ist nun mal mein Tick", sagt Boateng, der viel Wert auf Mode und das Besondere legt. Seine Outfits sind häufig schrill und bunt. Für seine beiden Töchter war er auch schon fleißig shoppen. "Ich bin vorbereitet."


Robin Schmidt