München - Die meisten Bayern-Spieler schlenderten nach ungerührt und kommentarlos an den Medienvertretern vorbei - und sogar Thomas Müller wirkte merkwürdig nüchtern.

Zwar gab der Nationalspieler Auskunft, doch er referierte ohne sein übliches schelmisches Grinsen über die 90 Minuten, die in der kalten Allianz Arena kaum jemand vom Hocker gerissen hatten. Ja, der Sieg sei wichtig gewesen, die letzten Wochen anstrengend und das kommende Pokalspiel in Augsburg eine Herausforderung.

"Die schönsten Statistiken habe ich beim FC Bayern geholt"



Allen Protagonisten merkte man die strapaziöse Zeit der vergangenen Wochen an, nur einem nicht - und der sprach mit niederländischem Akzent. Und so kam Arjen Robben aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus, als er seinen Doppelpack zum Anlass nahm, seinen Arbeitgeber in den höchsten Tönen zu loben. "Die schönsten Statistiken habe ich beim FC Bayern geholt, ich fühle mich einfach sehr wohl hier."

Auf dem Platz war Robben vor allem in der ersten Halbzeit nicht zu bändigen. Zunächst vollstreckte er nach schönem Pass von Mario Götze, indem er mit dem linken Pfosten "Doppelpass" spielte. Anschließend vollendete der Flügelflitzer ein Anspiel von Toni Kroos mit einem seiner typischen Soli, als er von er rechten Seite in die Mitte zog und trocken vollendete.

Missglückter Jubellauf



Sorgen mussten sich die Bayern-Fans allenfalls beim Jubellauf nach dem Führungstor machen, als Robben mit den Knien nach vorne sprang, um auf dem feuchten Rasen zu rutschen. Stattdessen brachte er aber nur einen verunglückten Purzelbaum zustande und jagte nicht nur seinem Trainer einen Schrecken ein. "Ich klopfe auf Holz: Er war immer noch nicht verletzt", sagte Pep Guardiola, dem die lange Krankenakte seines Schützlings aus den vergangenen Spielzeiten natürlich präsent ist.

Robben brachte das kleine Malheur jedenfalls nicht aus dem Konzept - und dass aus dem fliegenden ein siegender Holländer wurde, lag vornehmlich an der beeindruckenden Anfangsphase des Münchner Starensembles. "Heute war das wichtigste Thema, dass wir eine konzentrierte Leistung abliefern", gab Robben zu Protokoll. "Vor dem Spiel haben wir gesagt, das es wichtig ist, von Anfang an Gas zu geben und versuchen ein frühes Tor zu erzielen."

Effizientester Mitelfeldspieler der Bundesliga-Historie



Die beeindruckende Form des 29-Jährigen lässt sich an den nackten Zahlen festmachen. In Abwesenheit des kongenialen und derzeit verletzten Franck Ribery übernahm Robben gegen Dortmund, Moskau und Braunschweig Verantwortung und traf in allen drei Partien. In 19 Pflichtspielen der laufenden Saison hat Robben insgesamt zwölf Tore erzielt und elf Treffer vorbereitet - kein anderer FCB-Spieler war an so vielen Treffern beteiligt wie der Niederländer (23).

Der Wert Robbens für den Rekordmeister lässt sich am besten mit seiner gesamten Bundesliga-Bilanz beschreiben: Seit er im Sommer 2009 an die Isar wechselte, erzielte der Offensivstar im Durchschnitt alle 125 Minuten ein Tor - historisch waren nur Gerd Müller (105 Minuten für ein Tor), Mario Gomez (113) und Marcio Amoroso (124) effektiver. Da die drei Genannten klassische Stürmer waren, ist Robben mit seiner Torquote der effizienteste Mittelfeldspieler der Bundesliga-Geschichte.

Dass er in seinem 90. Bundesligaspiel die Treffer 50 und 51 verbuchte, wollte Robben, dem in seiner Bayern-Zeit auch mal der "Ego-Makel" anhaftete, nicht zum Anlass nehmen, Eigenwerbung zu betreiben - im Gegenteil. "Ein großes Kompliment an die Manschaft, vor allem in der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt." Sprach's und verschwand in den wohlverdienten Feierabend, immer noch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Aus München berichtet Johannes Fischer