Barcelona - Es fehlten nur zehn Minuten. Bis zur 80. Zeigerumdrehung führte Bayer 04 Leverkusen im Camp Nou gegen den FC Barcelona mit 1:0, doch durch einen Doppelschlag der Katalanen mussten die Deutschen am Ende mit leeren Händen die Heimreise antreten. Unisono sprachen Spieler und Verantwortliche jedoch von einem sehr starken Auftritt beim Champions League-Sieger, der nicht belohnt wurde, aber sehr viel Selbstvertrauen gibt.

Frisch geduscht und gut gelaunt spazierten die Spieler von Bayer Leverkusen durch die Mixed-Zone im Camp Nou. Fast jeder der Leverkusener hatte ein Barca-Trikot in der Hand. Doch nicht wie 2012 beim peinlichen 1:7 erstarrte die Bayer-Elf dieses Mal nicht vor Ehrfurcht vor den Barca-Heroen, die den Ausfall von Lionel Messi zu verkraften mussten, sondern hatten den großen FC Barcelona am Rande einer Niederlage.

Kramer: "Hätte, hätte, Fahrradkette"

"Wenn man ganz ehrlich ist, hätten wir hier gewinnen müssen, doch hätte, hätte, Fahrradkette", erklärte ein gewohnter schlagfertiger Christoph Kramer. Da der Konjunktiv bekanntlich keine Spiele gewinnt, blieb es ein Traum das ruhmreiche Barca im eigenen Stadion zu besiegen. "Wir wären ein paar Tage die großen Helden gewesen, daher ist es schon traurig nicht etwas mitgenommen zu haben", so Kramer.

Doch trotz der unglücklichen Niederlage überwog im Lager der Rheinländer die Freude über die gezeigte Leistung. "Wichtig war, wie wir aufgetreten sind. Wir haben Bayer Leverkusen gut repräsentiert", so der eingewechselte Roberto Hilbert. 2012 verlor Bayer im Nou Camp noch mit 1:7. Damals erzielte Lionel Messi fünf Tore. Der Argentinier fehlte gestern Abend verletzt und wurde schmerzlich vermisst bei den Blaugrana. Vor allem in der ersten Halbzeit fanden die Katalanen überhaupt nicht ins Spiel. Messi fehlte an allen Ecken und Enden. Vielleicht hätte er sogar das 0:1 durch Kyriakos Papadopoulos verhindern können, stand beim Kopfballtor des Griechen doch kein Barcelona-Spieler am kurzen Pfosten. Torwart Marc-Andre ter Stegen sah in dieser Szene schlecht aus.

Knackpunkt: Chicharito vergibt das sichere 2:0

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Besonders in Halbzeit eins zeigte das Team von Trainer Roger Schmidt eine formidable Leistung. "Denen war zuerst gar nicht klar, wie sie gegen uns spielen sollen“, freute sich Keeper Bernd Leno. "Leider haben wir dann nicht das 2:0 nachgelegt", ergänzte Lars Bender, der im defensiven Mittelfeld zusammen mit Christoph Kramer eine starke Leistung bot. Auch das Innenverteidiger-Duo Tah und Papadopoulos verdiente sich Bestnoten und bekam sogar ein Sonderlob vom Trainer: „Tah und Papadopoulos haben über weite Strecken ein fantastisches Spiel gemacht.“ Den unerbittlichen Einsatz und die gute Leistung stellte sogar Barcelonas Trainer Luis Henrique bei der Pressekonferenz hervor. „ Die Leverkusenern verdienen unser Lob. Sie haben keinen Ball hergeschenkt. Es war sehr schwer uns von dem Druck zu lösen, den Bayer erzeugt hat.“

Kurz nach der Pause hätte der mexikanische Neuzugang Chicharito für die Vorentscheidung sorgen können, doch er schoss Karim Bellarabis Vorlage aus zehn Metern überhastet über den Kasten von ter Stegen. Eine hundertprozentige Chance. Die hatte der Mexikaner auch schon nach zwei Minuten als ter Stegen aus Nahdistanz prächtig parierte.

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"Gegen Barcelona muss man seine Chancen besser nutzen", so Hilbert, der zugab, dass dem Team zum Ende etwas die Puste ausgegangen war. Der Druck der Katalanen nahm unaufhörlich zu und angetrieben durch den emsigen Neymar rollte ein Angriff nach dem nächsten auf das Gehäuse von Leno zu. "Nach dem 1:1 hat die Körpersprache nachgelassen und wir haben dem Druck am Ende nicht mehr Stand gehalten. Wir hatten Barca lange Zeit im Griff, die Niederlage ist sehr ärgerlich." Zum Duell mit seinem ehemaligen U21-Nationalmannschaftskollgen ter Stegen sagte Leno nur so viel: „Barca hat 2:1 gewonnen.“

Leno: "Haben junge Mannschaft, Schwankungen sind normal"

Trotz der ärgerlichen Niederlage überwog nach dem Spiel bei den Leverkusenern das positive Gefühl mit dem FC Barcelona wenigstens über 80 Minuten auf Augenhöhe gespielt zu haben. "Mit einem Sieg hätten wir uns einen Riesenschub für die nächsten Wochen holen können", ärgerte sich Lars Bender zwar, doch auch er sah das Positive. "Wir hatten Barca am Rande einer Niederlage." Auch Leno zog nur Gutes aus der Partie: "Wir waren ja fast schon selbst überrascht, wie gut wir vor allem in der ersten Halbzeit gespielt haben, aber wir haben ein junges Team und unterliegen auch immer mal wieder Schwankungen. Das ist ganz normal." Trainer Schmidt ergänzte: "Wir haben so gespielt, dass wir es verdient hätten, hier etwas mitzunehmen."

Am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen den FC Ausgburg ist wieder der Bundesliga-Alltag angesagt. Doch Kevin Kampl glaubt, dass das Team vom Gala-Abend im Camp Nou den Schalter wieder schnell auf Bundesliga umlegen kann: "Das ist kein Problem. Wir wollen den positiven Trend der letzten Wochen bestätigen, auch wenn wir verloren haben, gehört die Partie im Camp Nou dazu. Wir haben uns mit dieser Leistung einen Namen gemacht."

Aus Barcelona berichtete Alexander Barklage