Als Alessandro Del Piero in der Nachspielzeit ausgewechselt wurde, erhob sich das Publikum von den Sitzen und Maradona verneigte sich in der Ehrenloge.

"Wenn man einen großen Spieler und seine außergewöhnliche Vorstellung sieht, spielt es keine Rolle, welches Trikot er trägt. Deshalb haben die Zuschauer applaudiert", erklärte Claudio Ranieri, Trainer von Juventus Turin: "Die Fans haben der Schönheit des Fußballs zugejubelt."

Del Piero trifft wie ein Künstler

An diesem Abend beim 2:0 von Juve in der Champions League bei Real Madrid war es einmal mehr Del Piero, der die Schönheit des Fußballs zum Vorschein gebracht hat. Erst brachte "Pinturicchio" (Spitzname nach einem Freskenmaler) Turin mit einem Linksschuss in Führung (17.), dann zirkelte der Stürmer-Star vier Tage vor seinem 34. Geburtstag einen Freistoß zum 2:0 (67.) ins Netz.

"Vor dieser Leistung kann man sich nur verneigen", erklärte Argentiniens neuer Nationaltrainer Maradona als Beobachter auf der Tribüne und die Medien in Italien berauschten sich in Superlativen. "Alex, der Galaktische", titelte Tuttosport nach der Leistung von Del Piero bei den einstmals Galaktischen von Real: "Del Piero ist ein Stern, der immer weiter leuchtet und noch nicht verglüht ist."

Ein Abend fürs Fotoalbum

Für Del Piero war es ein weiterer "unvergesslicher Abend" in seiner erfolgreichen Karriere. "Ich bin überglücklich und stolz - auch über die Reaktion der Zuschauer. Für solche Emotionen lebt man", sagte der Weltmeister gerührt und schob gleich noch eine Bitte an Maradona nach: "Bitte komm beim nächsten Spiel wieder. Du bist mein Glücksbringer."

Doch auch so sollte sich Juve als Spitzenreiter der Gruppe H den Einzug ins Achtelfinale nicht mehr nehmen lassen. Nach dem Zwangsabstieg aus der Serie A vor zwei Jahren, nach dem Del Piero Turin treu geblieben war ("Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht"), steht Juve damit auch in Europas "Königsklasse" vor der Rückkehr in die Spitze.

Schuster hadert, Giggs lässt sich feiern

Nicht einstimmen in das Loblied auf Del Piero wollte hingegen Reals deutscher Trainer Bernd Schuster, der vielmehr den zahlreichen vergebenen Chancen seiner eigenen Spieler nachtrauerte. "Das Glück war nicht auf unserer Seite", meinte Schuster: "Aber wir haben weiter gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen."

Wie Del Piero bei Juve jubelte auch Manchester United einem gestandenen Profi zu. "Retter Gigs", titelte die englische Zeitung "The Sun".

Der 34 Jahre alte Ryan Giggs hatte im britischen Duell bei Celtic Glasgow kurz vor Schluss zum 1:1-Endstand abgestaubt, die Serie des Titelverteidigers auf 17 Spiele ohne Niederlage ausgebaut und den vierten Spieltag am Mittwoch zusammen mit Del Piero zu einer Nacht der alten Haudegen gemacht.