München - Denkt man an Japaner und die Bundesliga, hat man sofort bestimmte Bilder vor Augen. Solche des quirligen Stuttgarters Shinji Okazaki zum Beispiel. Und, natürlich: Bilder des genialen Ex-Dortmunders Shinji Kagawa, der sich mit katzenartiger Eleganz durch die Reihen der Gegenspieler windet.

Hiroki Sakai, Neuzugang von Hannover 96, misst 1,85 Meter. Klein und wuselig ist anders. Von der Statur her ähnelt er eher einem muskelbepackten Samurai - als "robust" beschreibt ihn Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke.

Rötliche Haare haben ebenfalls die wenigsten seiner Landsleute. Und wenn man ihn im gelben Trikot seines bisherigen Clubs Kashiwa Reysol sieht, ist ein wenig Ähnlichkeit zum TV-Kobold Pumuckl nicht zu leugnen.

Feinschliff in Brasilien, Shootingstar in Japan



Ein Hingucker ist Sakai also allemal - und zu bieten hat er auch eine Menge. Den fußballerischen Feinschliff holte sich der Rechtsverteidiger in Brasilien, wo er die Hälfte seines ersten Profijahres verbrachte. Dann startete er in Japan durch.

2011 wurde er dort zum Jugendspieler des Jahres gewählt - eine Auszeichnung, die man mit der Fritz-Walter-Medaille vergleichen könnte, die hierzulande beispielsweise Mario Götze, Toni Kroos oder Manuel Neuer erhielten. Mit dem Team aus seiner Geburtsstadt Kashiwa stieg er in die J-League auf und wurde völlig überraschend direkt Meister. 61 Mal lief er für Kashiwa auf, traf fünf Mal selbst und bereitete 13 Treffer vor. Er wurde in die "J. League Best XI", die Elf der Saison in Japan, gewählt und nahm an der Club-WM teil, die später der FC Barcelona gewann. Und wurde A-Nationalspieler.

"Lebenstraum": Olympia in London



Für die U23 seines Landes ist er aber noch am Start, weswegen sein erster Hannover-Trip eher eine Stippvisite sein wird. Am 1. Juli wird er zu den "Roten" stoßen, am 6. Juli reist er schon wieder mit dem Olympiateam Nippons zur Vorbereitung auf die Spiele in London. "Ein Lebenstraum von mir", sagt Sakai über die Chance, dort am Ende vielleicht sogar eine Medaille mitzunehmen.

Olympia dauert bis zum 12. August - die Qualifikationsspiele zur Europa League mit den Niedersachsen am 2. und 9. August verpasst er definitiv. Auch zum Bundesliga-Start könnte es eng werden. "Man muss sehen, wie viele Spiele Sakai in London macht, wie er sich fühlt", sagt Schmadtke.

Schmadtkes Plan: Konkurrenz für den "ewigen Steve"



Sakai kommt also mit Verzögerung zu 96, aber Schmadtke ist sich sicher, dass sich die Verpflichtung lohnt, immerhin war nicht nur Hannover am 22-Jährigen interessiert: "Sakai ist sicher im Spielaufbau, diszipliniert und verfügt über gute Offensivaktionen. Er ist ein Spieler, der sich hier schnell durchsetzen kann."

Daran zu leiden hätte vor allem einer, der sein 14. Dienstjahr bei Hannover angeht: Kapitän Steven Cherundolo war in den vergangenen Jahren fast konkurrenzlos auf der rechten Defensivposition. Sakai soll dem "ewigen Steve" Dampf machen.

Christoph Gschoßmann