Es gibt Phänomene, die lassen sich einfach nur schwer rational erklären. So verhält es sich auch mit der Beziehung des Fußballers Lukas Podolski zu seinem 1. FC Köln und dessen riesiger Anhängerschaft.

Der rheinische Traditionsverein, dreimaliger Deutscher Meister und vierfacher Pokalgewinner, hat in seiner ruhmreichen Geschichte eine Vielzahl großer Fußballer herausgebracht. Hans Schäfer wurde 1954 Weltmeister, Wolfgang Overath gelang Gleiches 1974, auch Pierre Littbarski, Thomas Häßler und Bodo Illgner kamen 1990 zu Weltmeisterruhm.

Ovationen für "Poldi" als Gegner

Aber keiner der genannten All-Stars erreichte jemals die Popularität eines Lukas Podolski, in dessen Kölner Spielervita neben seinem Aufstieg zum Nationalspieler auch zwei wenig erbauliche Bundesliga-Abstiege mit dem "FC" zu finden sind.

Doch die Liebe der Fans ging vor einem Jahr trotzdem so weit, dass Podolski beim Gastspiel seines damaligen Clubs Bayern München im Kölner Stadion frenetisch gefeiert wurde. Erst beim Warmlaufen, dann bei seiner Einwechslung und schließlich sogar auch noch als er ein Tor gegen Köln erzielte.

Da konnte auch Bayern-Manager Uli Hoeneß, der im Fußball schon alles erlebt zu haben glaubte, nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Podolski war die Sache damals ein bisschen peinlich. Aber er hat sie in Erinnerung behalten, vor allem in seinen tristen Tagen als Bankdrücker in München, als schließlich sein Entschluss reifte, wieder unbedingt nach Köln zurück zu wollen.

Hysterie in der Presse und bei den Fans

Und jetzt ist er wieder da. Die Kölner Boulevardpresse rollte ihm den roten Teppich aus. In der "Bild" lief wochenlang ein Countdown mit einer täglichen bunten Story rund um den zurückkehrenden Helden, der am Tag des Trainingsauftakts des 1. FC Köln am 25. Juni endete. Der "Express" veröffentlichte sogar eine 22-seitige (!) Sonderbeilage mit dem Titel "Hä es widder do!" Das gab es nicht einmal zum Papstbesuch beim Weltjugendtag im katholisch geprägten Köln.

Über 20.000 Fans inklusive Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma pilgerten ins Stadion, um den lockeren Trainingsaufgalopp von "Prinz Poldi" zu verfolgen. Bei den ersten Vorbereitungsspielen organisierte die FC-Führung bis zu vier zusätzliche Bodyguards, um Podolski vor der um sich greifenden Massenhysterie zu schützen.

Das Idol selbst gibt äußerlich gelassen und ehrlich gerührt. "Ich bin wieder zuhause angekommen", sagt Podolski. "Das war ein sensationeller Empfang, etwas ganz Besonderes. Mit 20.000 Fans zum Trainingsauftakt habe ich nicht gerechnet."

"Ein ganz besonderer Club"

"Er gibt uns das Gesicht, das wir brauchen, um nicht nur auf dem Platz für Furore zu sorgen, sondern auch außerhalb des Platzes jedem klarzumachen, was der 1. FC Köln ist", freut sich FC-Manager Michael Meier.

Was das ist, bringt Podolski in seiner unverwechselbaren Art kurz auf den Punkt. "Der 1. FC Köln ist ein ganz besonderer Club", erklärt der 24-Jährige: "Die Beziehung ist in den drei Jahren, die ich in München war, nie richtig abgebrochen." In München hat Podolski die große, weite Fußballwelt kennengelernt, Titel gewonnen. Doch heimisch gefühlt hat er sich dort nie. "Köln, Köln, Köln, er redet immer nur von Köln", verzweifelte Uli Hoeneß.

In Köln geht es im zweiten Jahr nach dem Aufstieg nur darum, erneut problemlos die Klasse zu halten. "Unser Ziel muss es sein, den Verein wieder in der Bundesliga zu etablieren und dann die nächsten Schritte nach vorne zu machen", sagt Podolski: "Und irgendwann muss das Ziel sein, einmal in der Champions League zu spielen. Das ist doch der Traum und der Wunsch eines jeden Fußballers. Aber das dauert vielleicht noch vier, fünf, sechs Jahre."

Weltmeister als Freunde

Auch für solche Sätze lieben sie ihn in Köln. Podolski ist das personifizierte Erfolgsversprechen auf eine bessere Kölner Fußballzukunft. Der Druck und die Erwartungshaltung, die auf dem 64-fachen Nationalspieler lasten, sind enorm. Doch Lukas Podolski scheint damit umgehen zu können. Locker präsentiert er sich im Gespräch mit den Fans genauso wie kürzlich im Plausch mit den Großen des Sports auf dem Nürburgring.

Dort traf er seinen guten Kumpel Felix Sturm und bewunderte den Boxweltmeister bei dessen Titelverteidigung. Dort sah man Podolski im Gespräch mit Formel-1-Legende Michael Schumacher vertieft. Weltmeister wie die beiden war Podolski noch nicht. Kann er ja noch werden. Aber das ist eine andere Geschichte. Den Kölner Fans ist das alles erst einmal egal. Sie sind einfach nur froh, dass ihr "Poldi" wieder für ihren FC stürmt.

Tobias Gonscherowski




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