Kaiserslautern - Ein Spiel gegen einen taktisch extrem defensiv agierenden Gegner zeigt die Stärken und Schwächen einer Heimmannschaft oft ganz deutlich.

Nimmt man die 90 Minuten gegen den FSV Frankfurt am Freitagabend bei strömendem Regen als Beispiel, dann kann der 1. FC Kaiserslautern Heimspiele im Fritz-Walter-Stadion in dieser Saison nicht nur gewinnen - der FCK weiß auch über große Spielstrecken etwas mit viel Ballbesitz anzufangen. Das 1:0 (1:0) gegen den nur massiv verteidigenden FSV stärkt die Hoffnungen auf eine gute Saison in der Pfalz, die Leistung stimmte, nur das Ergebnis hätte höher ausfallen müssen.

Der Weg sei das Ziel proklamierte die Vereinsführung nach zwei verpassten Aufstiegen vor Rundenbeginn, mit nun drei Siegen und zwei Remis und vorwiegend guten Leistungen scheint der FCK auf der richtigen Spur, seine Zuschauer zurückzugewinnen und sich gleichzeitig in der Tabellenspitze festzusetzen. FCK-Trainer Kosta Runjaic analysierte: "Vor allem die erste Halbzeit hat Spaß gemacht. Glückwunsch an das Team, es macht Spaß mit ihm zu spielen und zu trainieren. Wir werden noch viel Freude haben."

Variabler und spielerisch verbessert

Nach dem Weggang des die letzten beiden Spielzeiten prägenden Stürmers "Mo" Idrissou ist das Spiel des FCK nicht mehr durch lange Bälle auf den Hünen im Sturmzentrum gezeichnet. Die Mannschaft tritt nun viel variabler und spielerisch verbessert auf. Das liegt auch an der Qualität der Neuzugänge. Gegen den FSV debütierte Zum Beispiel Kerem Demirbay, 21, den der Klub kurz vor Ende der Transferfrist vom Hamburger SV geholt hatte. Der Türke drückte im zentralen Mittelfeld dem Spiel des FCK gleich seinen Stempel auf, überzeugte durch viel Einsatz und viel Ideen. Nach seinem Freistoß aus 25 Metern in der 37. Minute knallte der Ball gegen den Pfosten, Abwehrspieler Willi Orban drückte die Kugel dann zur Führung ins FSV-Tor. Von vielen Chancen ließ auch Demirbay zwei aus, er resümierte aber positiv: "Ich fühle mich gar nicht als Neuzugang, die Jungs haben mich super aufgenommen. Ich will diesen Weg mit dem FCK hundertprozentig mitgehen."

Denkt man noch Amin Younes in die Anfangsformation dazu, verfügt der FCK endlich wieder über viel Kreativität im Mittelfeld; gegen den FSV fehlte der U-21-Nationalspieler Younes wegen muskulärer Probleme. Doch die beiden talentierten Mittelfeldspieler erhöhen auch den Konkurrenzdruck, gegen Frankfurt saß zum Beispiel der norwegische Nationalspieler Ruben Jenssen auf der Bank. Den neuen Konkurrenzkampf zu moderieren, wird eine Aufgabe für Runjaic sein, der nun auf vielen Positionen aus dem Vollen schöpfen kann. Gelingt ihm das, ist der FCK ein ernstzunehmender Aufstiegskandidat.

Eigengewächse in der Innenverteidigung

Nach dem Weggang von Marc Torrejon zum SC Freiburg bilden die beiden Eigengewächse Orban und Dominique Heintz derzeit die Innenverteidigung, die gegen den nach vorne harmlosen FSV kaum Torchancen zuließen. Runjaic vertraut den beiden Youngstern wie auch der ganzen Mannschaft, die er zusammen mit dem neuen Sportdirektor Markus Schupp zusammengestellt hat. "Es ist eine Entwicklung in unserem Spiel da", analysiert Runjaic, "und ohne Entwicklung, glaube ich, sind keine Erfolge möglich." In Kaiserslautern scheint diese Saison einiges möglich, die Leute gehen jedenfalls wieder gerne zu den Heimspielen. Die Mannschaft wurde nach dem Erfolg gegen den FSV groß gefeiert. Bislang stimmt in Lautern der neue Weg.

Aus Kaiserslautern Tobias Schächter