Es ist eine Veränderung im Leben von Adam Szalai, an die er sich wohl selbst erst gewöhnen muss. "Cristiano Ronaldo!", "Kaka!" oder "Gonzalo Higuain!", rief er noch vor wenigen Wochen, wenn er den Ball weiterspielte. Jetzt heißen die Ballempfänger Ivanschitz, Bungert oder Kirchhoff - zwar ebenfalls klangvoll, aber doch nicht ganz so glamourös.

Vorerst bis zum Saisonende heißt die neue Heimat von Szalai nicht mehr Madrid sondern Mainz. Die Leihgabe der "Königlichen" von Real Madrid verstärkt die Offensivabteilung des Aufsteigers. Wenn es in der Rückrunde gut läuft, sogar länger. Der FSV kann dann von einer Kaufoption bis 2013 gebrauch machen.

"Ihm fehlt noch etwas die Wettkampfhärte"

Beim 2:2 im Testspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Sonntag führte sich der ungarische Stürmer mit einer Torvorlage gleich ordentlich ein. "Ihm fehlt noch etwas die Wettkampfhärte", sagt FSV-Trainer Thomas Tuchel, der ihm aber die nötige Grundfitness attestiert.

Die hat er sich in Trainingseinheiten mit besagten Weltstars bei Real Madrid geholt. Die letzten zweieinhalb Jahre verbrachte er in der spanischen Hauptstadt. Zum Zug kam er allerdings nur in der zweiten Mannschaft: Real Madrid Castilla.

Mit Toren am laufenden Band in der Segunda División B, der dritten Spielklasse in Spanien, machte der 1,93 große Mittelstürmer auf sich aufmerksam. Unter Juande Ramos, der im Herbst 2008 noch bei den "Königlichen" an der Seitenlinie stand, durfte er mit der ersten Mannschaft trainieren.

Auf der Kaderliste für die Champions League

In der vergangenen Saison tauchte er sogar auf der Kaderliste Reals für die Champions League auf. Ruud van Nistelrooy hatte sich verletzt und mit Gonzalo Higuain und Raul standen nur noch zwei gelernte Stürmer zur Verfügung. Zu einem Einsatz reichte es letztlich aber weder in der "Königsklasse", noch in der Primera Division. Immerhin sicherte er sich mit 16 Treffern die Torjägerkrone in der dritten Liga.

Aus der schönen großen Fußballwelt kehrte er in der Winterpause zurück nach Deutschland, wo ein bedeutender Teil seiner Fußballsozialisation im Jugendalter stattfand.

Als 16-Jähriger hatte er sein Heimatland Ungarn verlassen und war in die Jugendabteilung des VfB Stuttgart gewechselt. In der VfB-Kaderschmiede reifte er zu einem Sturmjuwel, dem viele eine Zukunft in der Profimannschaft prognostizierten. Im Endspiel um die A-Jugend-Meisterschaft 2005 schoss er den VfB mit seinem Treffer zum Sieg gegen den VfL Bochum.

Wiedersehen mit Tuchel

Hier schließt sich ein Kreis. In Mainz trifft Szalai auf einen alten bekannten aus VfB-Tagen. Der heutige FSV-Coach Tuchel war damals Co-Trainer der VfB-Nachwuchmannschaft in der unter anderem auch Serdar Tasci und Andres Beck spielten.

2007 kam dann ein Angebot von Real. Die Madrilenen versüßten den Schwaben den Weggang des Talents mit einer stolzen Ablösesumme.

Bei Mainz will er nun den nächsten Schritt machen und in einer ersten Liga Fuß fassen. "Ich bin hergekommen um ein Zeichen zu setzen", sagt Szalai, der bei den Mainzern die gesuchte Alternative zu Aristide Bancé darstellt. Er sei flexibel einsetzbar als Stoßstürmer, zweiter Angreifer oder hinter den Spitzen, so Tuchel.

Als verlorene Zeit betrachte Szalai seine Jahre in Spanien nicht. Es sei ein großes Gefühl gewesen, mit den Real-Stars zu trainieren, meint er. "Doch jetzt", betont der Ungar, "jetzt will ich mehr als nur trainieren."

Andreas Messmer