München - Die Reise in bayrische Landeshauptstadt könnte sich der SC Freiburg beim Blick auf die Statistik eigentlich sparen. Elf Mal waren die Breisgauer bislang beim FC Bayern München angetreten, noch nie konnten sie drei Punkte mit nach Hause nehmen. Lediglich zwei Mal reichte es wenigstens zu einem Unentschieden.

Doch vor dem 10. Spieltag der aktuellen Saison war einiges anders als üblich. Erstmals seit fast 16 Jahren stand der Sport-Club vor dem direkten Aufeinandertreffen in der Tabelle besser positioniert als der Rekordmeister. Während der FCB die zweitschlechteste Bilanz seiner Bundesliga-Geschichte aufzuweisen hat, legten die Breisgauer nur in der Spielzeit 1994/95 einen noch besseren Saisonstart hin als jetzt.

Dementsprechend groß waren die Hoffnungen der Südbadener, die schwarze Serie in München endlich zu beenden. Doch am Ende gingen die Spieler des amtierenden Meisters mit 4:2 als Sieger vom Platz.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner über die Gründe für die Niederlage und erklärt, warum die Breisgauer mit zu viel Respekt agierten. Außerdem wirft er einen Blick voraus auf die kommenden schweren Aufgaben und verrät, warum er eine für alle sehr spannende Saison erwartet.

bundesliga.de: Herr Dufner, wie lange währte Ihr Traum, beim FC Bayern einen oder vielleicht sogar drei Punkte mitzunehmen?

Dirk Dufner: Wir haben weniger davon geträumt, sondern eher versucht, fest dran zu glauben - mit der Betonung auf "versucht". Wir haben hier in München noch nie allzu viel mitgenommen und wollten es dieses Mal besser machen. In der ersten Halbzeit war es für mich eigentlich ein 0:0-Spiel. Dann machen wir aber den einen oder anderen individuellen Fehler zu viel, das 0:1 nach einer Standardsituation darf natürlich so nicht fallen.

bundesliga.de: Im zweiten Durchgang war es dann aber ein eher einseitiges Spiel, oder?

Dufner: Ja, in der zweiten Halbzeit haben wir es dann völlig verdient zu verlieren, auch wenn wir nach dem 0:2 nochmal zurückgekommen sind und die große Chance zum Ausgleich hatten. Aber die Bayern hatten wirklich zahlreiche Möglichkeiten, noch mehr Tore zu erzielen, das haben wir einfach nicht mehr gut gemacht. Da fehlt dann irgendwann auch der Glaube, hier etwas mitzunehmen.

bundesliga.de: Fehlt der Glaube auch deswegen, weil Sie in München insgesamt so eine schlechte Bilanz haben?

Dufner: Naja, der FC Bayern hat einen Riesennamen, da gehen unsere Jungs natürlich mit ein bisschen Respekt in die Partie. Das ist ja auch richtig. Trotzdem muss man an seine eigenen Fähigkeiten glauben und auch ein Stück weit couragierter nach vorne spielen. Das haben wir vermissen lassen, und dann machen die Bayern aus der ersten richtigen Torchance den Treffer. So ist dann nun mal in München. Ein bisschen mehr Mut wäre sicherlich besser für uns gewesen, dann hätten wir vermutlich auch eine größere Chance gehabt.

bundesliga.de: Woran lag es, dass der entscheidende schnelle Pass in die Spitze zu selten kam?

Dufner: Phasenweise hat man gesehen, was möglich gewesen wäre, wenn wir schnell spielen. Die Bayern-Abwehr war nicht sonderlich sattelfest. Aber das haben wir einfach zu selten gemacht und dann den Gegner zum Toreschießen eingeladen. Die ersten beiden Gegentreffer kassieren wir durch Standards, Demichelis und Gomez kommen jeweils völlig frei zum Kopfball - und so verlierst du dann eben.

bundesliga.de: Zehn Spieltage sind um, der SC Freiburg steht mit 15 Punkten in der oberen Tabellenhälfte. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Dufner: Wir können trotz der Niederlage gegen die Bayern zufrieden sein. Ohne lamentieren zu wollen - das tun wir nie -, aber man darf ja nicht vergessen, dass wir sehr viele Verletzte haben. Das tut uns schon weh. Aber jetzt warten weitere richtig schwere Gegner. Danach wissen wir, wo wir stehen. Aber bislang können wir sicherlich ein positives Zwischenfazit ziehen.

bundesliga.de: Sie sprechen es an: Die nächsten Gegner lauten Mainz, Hoffenheim, Dortmund und Hannover, die alle in der Tabelle oben dabei sind. Wieviele Punkte rechnen Sie in diesen Partien insgesamt ein?

Dufner: So gehen wir nicht an unsere Aufgaben heran. Wir denken von Spiel zu Spiel und wollen natürlich jede Partie gewinnen. Idealerweise wollen wir gegen diese Gegner hinterher nicht ohne Punkte dastehen, denn sonst fallen wir in der Tabelle unten rein. Jetzt kommt zunächst mal das Heimspiel gegen Mainz. Da rechnen wir uns große Chancen aus, denn zuhause sind wir stark. Natürlich haben die Mainzer gerade einen Lauf, der wird aber momentan auch in dem einen oder anderen Spiel durchbrochen, siehe Hamburg, siehe Aachen im Pokal. Vielleicht erwischen wir sie ja auch zur richtigen Zeit.

bundesliga.de: An Ihrem Saisonziel Klassenerhalt halten Sie fest. Vor welchen drei Mannschaften wollen Sie am Ende stehen?

Dufner: Das ist mir unterm Strich eigentlich egal, wer dann hinter uns steht. Die Mannschaften, die man normalerweise dort unten in der Tabelle erwartet hätte, haben bislang alle gepunktet. Dementsprechend werden die Mannschaften, die jetzt unten stehen, natürlich auch nervös. Ich glaube, das wird für alle eine sehr, sehr spannende Saison.

Das Gespräch führte Denis Huber