München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im MAI 2010 ereignet hat:

Die Wochen der Wahrheit stehen im Mai an. In allen Wettbewerben fallen die Entscheidungen - Meister und Pokalsieger werden national und international gekürt, Aufsteiger gefeiert und Absteiger betrauert. Es gibt große Sieger und tragische Verlierer, Glückspilze und Pechvögel. Und dann steht ja auch noch eine WM vor der Tür.

Schalke stolzer Zweiter

In der Bundesliga verpufft die Spannung leider ein bisschen früher als erwartet. Am 33. Spieltag patzt der FC Schalke 04. gegen Werder Bremen platzt der "köingsblaue" Meisterschaftstraum jäh.

Denn der Münchener Bayern gegen den VfL Bochum beträgt Schalkes Rückstand auf den Tabellenführer vor der letzten Runde drei Punkte und 17 Tore. Das war es dann. Aber es besteht kein Grund, Trübsal zu blasen. Die "Knappen" haben trotzdem eine grandiose Saison gespielt und sich direkt für die Champions League qualifiziert.

Münchner stellen (fast) alle Bestmarken auf

Die Meisterschale geht also wieder an die Isar. Bayern-Trainer Louis van Gaal hat alles richtig gemacht. Am Ende haben die Bayern (fast) alle Bestmarken der laufenden Spielzeit aufgestellt: Die meisten Punkte, die meisten Tore, die wenigsten Gegentore, die meisten Siege, die wenigsten Niederlagen, die beste Heimmannschaft und - hoppla - nein, die beste Auswärtsmannschaft waren sie nicht, das war Werder Bremen.

Egal, die Bayern haben in der Rückrunde den besten Fußball gespielt und durch ihre attraktive Spielweise auch neue Freunde dazugewonnen. Dem zunächst unnahbar und humorlos scheinenden Coach fliegen die Sympathien entgegen. Als "Feierbiest" outet sich der Trainer, der bei der Meisterschaftsfeier auf dem Münchener Rathausbalkon auch noch launige Reden hält und allen "Muttis" zum Muttertag gratuliert.

Die Bayern-Welt ist in Ordnung, eine Woche nach dem Bundesliga-Finale überrollt die Elf von Louis van Gaal auch noch Titelverteidiger Werder Bremen mit 4:0 im Pokalfinale. Es war der zweithöchste Finalsieg in der Geschichte des DFB-Pokals.

Hamburg, Wolfsburg und Hoffenheim enttäuschen

Die Bremer können dennoch auf eine gute Saison zurückblicken, in der sie eine phänomenale Aufholjagd mit Platz 3 und damit der möglichen Champions-League-Qualifikation krönen. Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart, die beste Rückrunden-Elf, ziehen in die Europa League ein. VfB-Keeper Jens Lehmann kann seine große Karriere versöhnlich beenden.

Der Hamburger SV verpasst den Einzug in den internationalen Wettbewerb und auch das Finale um die Europa League, das in Hamburg Atletico Madrid gegen den FC Fulham mit 2:1 nach Verlängerung gewinnt. Im Halbfinale scheitern die Hanseaten am FC Fulham. Nach Saisonende erfolgt wieder einmal eine Runderneuerung des "Bundesliga-Dinos". Armin Veh wird als neuer Trainer vorgestellt, Bastian Reinhardt übernimmt das Amt des Sportdirektors.

Zu den Enttäuschungen der Saison zählen auch der auf Platz 8 abgestürzte Meister aus Wolfsburg, den künftig Steve McClaren als erster englischer Trainer der Bundesliga-Geschichte wieder auf Vordermann bringen soll. Auch 1899 Hoffenheim bleibt als Elfter weit hinter den Erwartungen zurück.

96 mit Happy End - Bochum und Berlin runter - "Club" macht Überstunden

Der 1. FSV Mainz 05 ist bester Aufsteiger, Eintracht Frankfurt spielt eine starke Saison, die rheinischen Rivalen Mönchengladbach und Köln agieren solide und ohne Abstiegssorgen. Der SC Freiburg rettet sich etwas überraschend vorzeitig am 33. Spieltag. Auch Hannover 96 gelingt der Klassenerhalt, dank eines energischen Schlussspurts mit einem und dem . Ausgelassen feiert 96 das Happy End einer Horrorsaison.

Die Bochumer dagegen steigen sogar direkt ab. Nur einen einzigen Punkt holte der VfL in den letzten zehn Spielen. Sie begleiten Hertha BSC in die Zweitklassigkeit. Beide Clubs engagieren daraufhin neue Trainer. In Bochum übernimmt der in Berlin glücklose Friedhelm Funkel den Job, Hertha peilt unter Markus Babbel den direkten Wiederaufstieg an.

Der 1. FC Nürnberg muss Überstunden machen, um sich in der Relegation dann doch noch das Erstliga-Ticket zu sichern. Die Aufsteiger in die Bundesliga sind der 1. FC Kaiserslautern und der FC St. Pauli. Rostock, Koblenz und Ahlen steigen in die 3. Liga ab, die der VfL Osnabrück, Erzgebirge Aue und FC Ingolstadt Richtung 2. Bundesliga verlassen.

Triple-Traum geplatzt

Und dann wäre da noch das Champions League Finale in Madrid zwischen Bayern München und Inter Mailand, die sich beide bereits das nationale Double gesichert haben. Es wird das Spiel des Diego Milito, der zwei Mal die Bayern-Abwehr düpiert und den Traum vom Triple beendet.

Für Inter-Coach Joes Mourinho ein mehrfacher Triumph. Der Portugiese gewinnt nicht nur zum zweiten Mal die Champions League und auch das Duell gegen seinen früheren Lehrmeister van Gaal. Mourinho verkündet obendrein direkt nach dem Finale exklusiv im deutschen Fernsehen, dass er in der kommenden Saison Real Madrid übernehmen wird, das diesmal wieder einmal im Achtelfinale gescheitert war.

Auch die spanische Meisterschaft war für die "Königlichen" gerade trotz unglaublichen 96 Punkten in 38 Spielen flöten gegangen, weil Barcelona noch unglaublichere 99 Zähler geholt hatte. Ein Fall also für Mourinho, der bereits mit Porto, Chelsea und Inter drei Traditionsclubs aus drei verschiedenen Ländern zum Titel geführt hatte.

Capitano-Ausfall und weitere Hiobsbotschaften

Während die Bayern-Stars von Endspiel zu Endspiel hecheln, hat Bundestrainer Joachim Löw bereits seinen Kader für die bevorstehende WM um sich geschart. Doch die Vorbereitung steht unter keinem guten Stern. Eine Hiosbotschaft reiht sich an die nächste.

Zunächst müssen die Leverkusener Simon Rolfes und Rene Adler die WM wegen Verletzungen absagen. Dann erwischt es den Kapitän. Michael Ballack, mit Chelsea englischer Doublegewinner und in großartiger Form, wird im FA Cup-Finale von Kevin-Prince Boateng übel gefoult. Auch er muss passen, die WM-Absage sorgt für Katerstimmung in Deutschland und füllt sogar Sondersendungen im Fernsehen. Dass sich dann auch noch Christian Träsch und Heiko Westermann im DFB-Trainingslager verletzen, kann den Bundestrainer danach kaum noch erschüttern.

Kuriosiät des Monats

Christoph Daum ist Trainer von Fenerbahce Istanbul. Hals über Kopf hatte er im Sommer zuvor den 1. FC Köln verlassen, um noch einmal in der Türkei, wo er schon drei Meisterschaften feiern konnte, einen großen Club mit Champions League-Ambitionen zu trainieren.

Fenerbahce steuert nach einem Startrekord scheinbar unaufhaltsam dem Double entgegen. Doch dann vermasselt die Daum-Truppe erst das Pokalfinale gegen Außenseiter Trabzonspor mit 1:3. Und eine Woche später schenkt der Club auch noch die Meisterschaft her. Nach einer falschen Stadiondurchsage feiert Fenerbahce schon den Titel bevor es ein böses Erwachen gibt. Der Titel geht völlig überraschend an Bursaspor. Daum ist bedient und muss später gehen.

Tobias Gonscherowski


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