Mainz - Und dann schenkte ihm Schiedsrichter Daniel Siebert auch noch den Spielball. Yunus Malli hat sich dafür höflich bedankt, wie es so die Art des kleinen Deutsch-Türken ist. Er werde einen guten Platz finden, versprach der Ausgezeichnete. In diesem Fall wirkt die Kugel ja wie eine Trophäe, die den quirligen Mittelfeldspieler des 1. FSV Mainz 05 an einen seiner größten Auftritte in der Bundesliga erinnern wird. Mit 3:1 (1:1) besiegten die Mainzer am Freitagabend die TSG Hoffenheim - und der 23 Jahre junge Malli erzielte alle drei Tore.

Mit nun neun Punkten aus fünf Spielen dürfen sich die Mainzer über einen gelungenen Saisonstart freuen. Und Yunus Malli ist mit fünf Treffern und konstant guten Leistungen so etwas wie der Mann der letzten Wochen und Monate beim FSV. "Ich fühle mich gut, habe hier meine Freiheiten und ein Umfeld, in dem ich mich weiter entwickeln kann. Ich spüre den Rückhalt des Trainers, der Mannschaft und des Vereins."

Das war nicht immer so, seit der in Kassel geborene offensive Mittelfeldspieler im Sommer 2011 aus Mönchengladbach zum FSV gekommen ist. Den Status als unumstrittener Stammspieler musste er sich hart erarbeiten. Unter Trainer Thomas Tuchel durchlief er harte Zeiten und fand sich nur selten in der Startelf.

Unter Schmidt zum Leistungsträger gereift

Oft wirkte sein Spiel zu behäbig und juniorenhaft, auch die nötige Wettkampfhärte fehlte ihm. Und als die Mainzer den Südkoreaner Ja-Cheol Koo aus Wolfsburg für die Zehnerposition verpflichteten, schien Malli endgültig ins zweite Glied zu rutschen. Doch dieser Profi ist lernfähig und fleißig im Training. Mittlerweile wurde Koo nach Augsburg verkauft. Schon unter Tuchels Nachfolger Kasper Hjulmand schaffte Malli im letzten Jahr eine Leistungssteigerung. Und seitdem der Schweizer Martin Schmidt sein Trainer ist, wird Malli immer mehr zur prägenden Figur im Mainzer Spiel.

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Schmidt ist ein Antreiber, er erklärt, technisch müsse er diesem im Antritt mit Ball sehr schnellen Rechtsfuß ("Yunus ist ein Top-Ballschlepper im Mittelfeld.") nicht anstoßen. Schmidt fordert von Malli von Anfang an und über die ganze Spielzeit volle Konzentration und Einsatzbereitschaft. Und in der Defensivarbeit erinnert er Malli immer wieder  ans aggressive Anlaufen des Gegners und ans Unterstützen der Doppelsechs in der Rückwärtsbewegung.

Auch in diesen Bereichen hat sich Malli ebenso stark verbessert wie im Torabschluss, den er im Training immer wieder übt. Gegen Hoffenheim zeigte er sein ganzes Repertoire im Torschuss: Beim 1:1 (18.) legte er sich den Ball so lange zurecht, bis er die Lücke gefunden hatte und zog dann präzise ab. Beim 2:1 (61.) schlenzte er den Ball mit dem schwächeren linken Fuß in den Torwinkel und bei 3:1 (69.) lief er bis in den Fünfmeterraum durch und traf im Nachschuss.  

Mainz die Treue gehalten 

"Ich habe meine Zeit gebraucht, die wurde mir hier gegeben. Dafür bin ich dankbar", sagt Malli, der im Frühjahr seinen Vertrag  bis Ende Juni 2018 in Mainz verlängert hat. "Es gab interessante Angebote, aber ich wollte mich im gewohnten Umfeld weiterentwickeln. Es war die richtige Entscheidung, das hier ist der richtige Weg für mich.“"

Seine guten Leistungen sind auch in der Türkei ein Thema, wo Nationaltrainer Fatih Terim ihn gerne im Nationalteam sehen würde. Malli will sich da nicht schnell entscheiden, er hat bis zur U 21 alle Auswahlmannschaften des DFB durchlaufen. Der Mann, der vergangenen Montag geheiratet hat, steht vor einer großen Saison. "Das waren, glaube ich, nicht seine letzten Tore. Deswegen haben wir uns sehr angestrengt, den Vertrag mit ihm zu verlängern", sagt der Mainzer Manager Christian Heidel. Diese Entscheidung könnte den Mainzern in dieser Runde großen sportlichen Gewinn bringen - und mittelfristig wieder einmal auch eine große Transfereinnahme.

 

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter