Köln - Eine dreijährige Ausbildung ist in der Berufswelt nichts Ungewöhnliches. Die wichtigste Frage für die Lehrlinge ist häufig, ob der Betrieb sie nach der Ausbildungszeit übernimmt. Bayer Leverkusen wollte unbedingt mit seinem Auszubildenden Bastian Oczipka weiter arbeiten - die Angebote anderer Betriebe wurden allesamt abgelehnt.

Drei Jahre sammelte der Linksverteidiger bei Hansa Rostock und beim FC St. Pauli in der Fremde seine Erfahrungen, die er jetzt für die "Werkself" einbringen soll.

Stefan Reinartz als Vorbild

Von 1999 bis 2008 spielte der 1989 in Bergisch Gladbach geborene Oczipka in der Bayer-Jugend. Mit der U19 wurde er 2007 Deutscher Meister und holte 2008 den DFB-Junioren Pokal. Sein damaliger Mitspieler Stefan Reinartz hat es bereits vorgemacht: Der einmalige Nationalspieler konnte sich beim 1. FC Nürnberg für höhere Aufgaben empfehlen und hat sich mittlerweile bei Bayer etabliert.

Diese Entwicklung strebt auch Ozcipka an: "Ich bin auf jeden Fall nicht hierhin gekommen, um zu sagen: 'Gucken wir mal, was so passiert'", beschreibt er gegenüber der "Rheinischen Post" seine Ziele. Seinem neuen Trainer Robin Dutt kann dies nur recht sein, denn auf der Position des linken Verteidigers fehlte es Bayer in der vergangenen Saison an Konstanz.

Arbeiter mit Offensivqualitäten

Oczipkas direkter Konkurrent um einen Stammplatz ist der tschechische Nationalspieler Michal Kadlec. Wahrscheinlich werden aufgrund der Mehrfachbelastung der Leverkusener beide Spieler ihre Chance bekommen. Der ehemalige "Kiezkicker" wird dann vor allem seine Offensivstärken in die Waagschale werfen. Das erwartet auch Sportdirektor Rudi Völler von seinem neuen Alten. "Er beackert die linke Seite, spielt immer nach vorn. Da wir ja sehr offensiv ausgerichtet sind, passt er sehr gut zu uns", begründete Völler im April die Rückholaktion.

Mit seinen Vorstößen hat er in der letzten Saison, in der er verletzungsbedingt nur 20 Partien absolvieren konnte, vier Tore vorbereitet. Eine exzellente Quote für einen Außenverteidiger. Als er sich am 23. Spieltag das Sprunggelenk brach, war die Welt des FC St. Pauli noch in Ordnung: Die Hamburger standen auf dem 11. Tabellenplatz und hatten neun Punkte Vorsprung vor einem direkten Abstiegsplatz. St. Paulis Absturz musste er tatenlos mit ansehen.

Meisterprüfung gegen Messi

Während viele seiner letztjährigen Kollegen nun in der 2. Bundesliga einen Neuanfang starten, geht es für den schnellen Oczipka in die Champions League. "Da werde ich Messi in der nächsten Saison wohl mal kurz ausschalten müssen", hat er bei seinem Abschiedsinterview auf der St. Pauli-Homepage augenzwinkernd einen Ausblick auf die kommenden internationalen Aufgaben gegeben. Das wäre die Meisterprüfung für den ehemaligen Lehrling.

Florian Reinecke