Gelsenkirchen - Raul Gonzalez Blanco - der Name steht für Rekorde. In seinen 16 Jahren als Profi bei Real Madrid hat der Neuzugang des FC Schalke 04 reihenweise Bestmarken aufgestellt und Titel gesammelt wie andere Briefmarken. bundesliga.de stellt den Stürmerstar vor.

Die Wurzeln des beidfüßigen Angreifers liegen in San Cristobal de los Angeles, einem eher bescheidenen Vorort im Süden von Madrid. Von dort aus machte sich der Dribbelkünstler im zarten Alter von 13 Jahren erstmals auf, die Fußballwelt zu erobern.

Erste Schritte bei Atletico

Allerdings ging Raul damals nicht gleich zu den "Königlichen" von Real Madrid, sondern zum Arbeiterverein Atletico - dem Lieblingsclub seines Vaters Pedro. Erst im Sommer 1992, nach erfolgreichen Jahren in der Jugend der "Rojiblancos", ging er zum spanischen Rekordmeister, da Atleticos Jugendabteilung aufgelöst wurde und Raul sich einen neuen Verein suchen musste.

Dort zündete der Dribbelkünstler dann die nächste Stufe seiner Karriere-Rakete, schaffte nach kaum mehr als zwei Spielzeiten den Sprung in den Profi-Kader und damit einen ersten Rekord: Mit gerade mal 17 Jahren und vier Monaten war Raul bei seinem Debüt in der Primera-Division am 29. Oktober 1994 der jüngste Spieler, der jemals das weiße Real-Trikot getragen hat.

Titel, Titel, Titel!

Eine neue Ära in der ruhmreichen Vereinsgeschichte war eingeläutet. In den Folgejahren mauserte sich der Jungspund im Starensemble der Madrilenen schnell zum absoluten Leistungsträger - und vor allem zum Tor- und Trophäenjäger. Mittlerweile dürfte die Liste seiner Titel selbst im internationalen Vergleich ihresgleichen suchen. Eine kleine Auswahl: Sechs spanische Meisterschaften, drei Triumphe in der Champions League, zwei Weltpokal-Siege. Dazu jeweils zwei Mal Torschützenkönig in der Primera Division und der "Königsklasse", wo Raul mit 66 Treffern nach wie vor Rekordhalter ist.

Im Gegensatz zu manchem seiner prominenten Mitspieler war der Familienmensch und fünffache Vater jedoch schon immer ein eher ruhiger Zeitgenosse, der ausschließlich auf dem Platz für Aufsehen sorgte. In anderthalb Jahrzehnten beim spanischen Rekordmeister blieb der passionierte Jäger und Stierkampf-Fan allen Skandalen fern, schoss sich stattdessen mit sagenhaften 323 Treffern in 741 Pflichtspielen in die Annalen des Vereins.

"Lebende Legende" bei Real Madrid

Dieser würdigte den Träger des königlichen Verdienstordens in Gold auf seiner Homepage als "einen der besten europäischen Spieler aller Zeiten", der durch seine "Hingabe, harte Arbeit und Gelassenheit" zum Symbol für Real Madrid geworden sei. Als Dank dafür kündigte man schon vor Jahren an, Rauls Trikot mit der Nummer 7 künftig an keinen anderen Spieler mehr vergeben zu wollen.

Umgekehrt war die Wertschätzung mindestens genauso groß. Sonst hätte der 33-Jährige seine Karriere sicherlich nicht nahezu komplett bei den "Königlichen" verbracht. Und sonst hätten Raul und seine Frau Mamen die beiden ältesten Söhne Jorge und Hugo wohl nicht nach den Real-Legenden Jorge Valdano und Hugo Sanchez benannt.

Metzelder als Kontaktmann

Sieben Jahre trug die "lebende Legende" bei den Madrilenen sogar die Kapitänsbinde, stand in der vergangenen Spielzeit jedoch immer seltener in der Startelf. Neue, jüngere Stars wie Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Kaka drängten Raul in die Reservistenrolle. Der erste Kontakt nach Gelsenkirchen kam dann über seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Christoph Metzelder zustande, dem es in der spanischen Hauptstadt zuletzt ähnlich ergangen war. Der Abwehrspieler gab das Thema weiter an Trainer Felix Magath, der von dem Gedanken an eine Verpflichtung des 102-maligen Nationalspielers und Rekordtorschützen der "Seleccion" sofort angetan war.

Nach wenigen Wochen war dann alles klar: Der Torjäger entschied sich schließlich gegen die diversen Angebote aus den USA und England und für das Ruhrgebiet - dem Vernehmen nach aus Überzeugung: "Er hat sich schon sehr intensiv mit der Region beschäftigt. Das hat mich selber überrascht", sagte Metzelder der "Sportschau".

Raul "will Tore machen"

In Magaths Augen hat der Coup mit dem dreimaligen WM-Teilnehmer sowieso nur deshalb geklappt, weil dieser nach wie vor hungrig ist und "noch einmal die Herausforderung sucht, in der Champions League wieder eine gute Rolle zu spielen. Er will Fußball spielen, er will Tore machen. Und nicht sein Geld auf der Bank von Real Madrid verdienen. Solche Spieler schätze ich", meinte der 56-Jährige in der "Welt".

Für die junge Schalker Mannschaft könnte Raul daher wie ein "Sechser" im Lotto sein: Erfahrung und Erfolgshunger, Spielstärke und Torriecher, Einsatzwillen und fußballerische Qualität - der Mann aus Madrid bringt eigentlich alles mit. Kurzum: Ein König in "königsblau"!

Stefan Missy