Kölns Manager Michael Meier ist bekannt dafür, seine Worte wohlüberlegt und gezielt einzusetzen. Als Jurist beherrscht er die Kunst des rhetorischen Kampfes wie nur wenige seines Faches.

Doch bei der Vorstellung des brasilianischen Neuzugangs Pedro Tonon Geromel unterlief Meier ein Satz, der Wasser auf die Mühlen des sympathisch-chronisch zur Übertreibung neigenden FC-Fans bedeutet.

Als Aufsteiger in die Champions-League-Qualifikation

"Pedro Geromel hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Vitoria Guimaraes als Aufsteiger die vergangene Spielzeit auf dem 3. Platz der Liga Bwin abschließen konnte", sagte der FC-Manager damals Anfang Juli, als er die Verpflichtung des 22-jährigen Innenverteidigers bekannt gab.

Guimaraes? Aufsteiger? Platz 3 in der portugiesischen Liga, also die Berechtigung zur Champions-League-Qualifikation? Und der kommt jetzt zum FC? Eigentlich ein Wunder, dass nach dieser Einführung Meiers die Erwartungen in der Domstadt nicht spontan ins Unermessliche stiegen.

Noch keine Spielminute verpasst

Vermutlich lag es daran, dass Geromel bei seiner Ankunft in Deutschland noch ein unbeschriebenes Blatt war. Doch inzwischen ist die aktuelle Bundesliga-Saison drei Spieltage alt, der Innenverteidiger hatte von Anfang an einen Stammplatz und absolvierte die gesamten 270 Minuten Spielzeit.

Dabei deutete der Innenverteidiger in den Partien gegen Wolfsburg, Frankfurt und Karlsruhe an, warum er in der vergangenen Saison als Abwehrchef bei Guimaraes nur 31 Gegentore in 30 Partien zuließ und zum besten Spieler der portugiesischen Liga gewählt wurde.

Beim jüngsten Auftritt in Karlsruhe glänzte der am 21. September 1985 in Sao Paulo geborene Abwehrspieler auch in der Offensive, als er Torjäger Milivoje Novakovic mustergültig mit einer Flanke bediente und so das 1:0 vorbereitete.

Starke Zweikampfquote

Geromels Präsenz auf dem Platz drückt sich in der Anzahl seiner Ballkontakte aus: Nach Petit (264) verzeichnet er mit 230 die meisten Berührungen mit dem Spielgerät. "Sein gutes Passspiel kommt ihm in der Spieleröffnung zugute", sagt Christoph Daum über den jungen, 1,90 Meter großen Schlaks.

Der Trainer schätzt an ihm auch noch eine ganze Reihe anderer Qualitäten: "Er hat eine sehr gute Technik, kann das Spiel sehr gut lesen und zeichnet sich durch seine Zweikampfstärke in der Luft aus."

Die Statistikdatenbank belegt die Aussagen Daums: 71 Prozent der bisherigen Kopfballduelle konnte Geromel für sich entscheiden, gewann insgesamt 61 Prozent seiner Zweikämpfe. Im Schnitt begeht der Verteidiger dabei nur zwei Fouls pro Spiel. Nicht nur aufgrund dieser Werte ist Daum sicher, dass sich Geromel "in der Bundesliga einen Namen machen wird", wie er gegenüber bundesliga.de erklärt.

"Wechsel zum FC ist das Beste für mich"

Die Profikarriere des Defensivmannes begann 2002 bei Sociedade Esportiva Palmeiras in Brasilien. Ein Jahr später wechselte er zum Ligarivalen Desportivo de Chaves. Dort spielte Geromel zwei Jahre, bevor er 2005 zu Guimaraes nach Portugal ging. In der vergangenen Saison stand Geromel in 29 der 30 Spiele 90 Minuten auf dem Platz und erzielte ein Tor.

Auch viele andere europäische Topclubs hatten im Sommer die Fühler nach dem Brasilianer ausgestreckt, der auch einen italienischen Pass besitzt. Den Zuschlag aber bekamen die "Geißböcke". "Es ist der Traum eines jeden Brasilianers, in die Bundesliga zu kommen. Ich freue mich, dass ich hier für den FC spielen darf", sagte er bei seiner Vorstellung.

Mit Guimaraes oder durch einen Wechsel zu einem renommierten Verein hätte er in der "Königsklasse" spielen können - für Geromel kein Argument: "Ich habe natürlich alle Angebote sorgfältig geprüft und dabei für mich eindeutig festgestellt, dass für meine Karriere ein Wechsel zum 1. FC Köln in die Bundesliga das Beste ist. Köln ist ein großer Club - genau richtig für meine Entwicklung."

Druck ist kein Problem

Seine italienischen Wurzeln gehen auf seinen Opa zurück, der aus Catania stammte. Kennengelernt hat er den Großvater allerdings nie, daher spricht Geromel auch kein Italienisch. Ein Wechsel in die Serie A steht ohnehin nicht auf der Agenda, sein Vertrag am Rhein gilt bis 2012.

Seine Ziele mit dem FC hat Geromel klar vor Augen: "Ich möchte in Köln da anknüpfen, wo ich in Portugal aufgehört habe." Angst oder Respekt vor überhöhten Erwartungen angesichts des für einen Aufsteiger gewagten Blicks nach oben, kennt er nicht: "Mit Druck sollte man als Fußballer umgehen können."

Es scheint, als hätte sich Manager Meier auch seine einführenden Worte über Geromel wohl überlegt...

Denis Huber