Mainz - Borussia Mönchengladbach fehlten nur drei Minuten, um wenigstens einen Punkt aus Mainz mit an den Niederrhein zu nehmen. Aber dann zog Andre Schürrle in der 87. Minute ab und der Ball flog aus 20 Metern unhaltbar für den Gladbacher Torwart Marc-Andre ter Stegen in den Winkel.

Die Enttäuschung war riesig, denn die Gladbacher spielten ab der 53. Minute nur mit zehn Mann. Mike Hanke war wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Roter Karte vom Platz gestellt worden.

Doch trotz der spät besiegelten Niederlage wollen sich die Gladbacher im Kampf um den Klassenerhalt nicht entmutigen lassen - auch wenn jetzt drei Siege aus vier Partien her müssen.

"Frust sitzt enorm tief"

Innenverteidiger Martin Stranzl beschrieb die Gefühlslage nach Schürrles Siegtreffer: "Wenn man so lange mit zehn Mann ein 0:0 hält und dann kurz vor Schluss durch so einen Schuss die Partie verliert, sitzt der Frust enorm tief." Der Österreicher fügte aber entschlossen hinzu: "Wir müssen weiter daran glauben und weiter arbeiten."

Optimismus brachte das Remis am Samstag zwischen Wolfsburg und St. Pauli, das den Abstand des Tabellenletzten auf Relegationsplatz 16 nur auf drei Punkte anwachsen ließ. An der Hochrechnung von Trainer Lucien Favre für den Saisonendspurt ändert das aber nichts: "Wir müssen drei Mal siegen", sagt er: "Der Klassenerhalt ist noch möglich."

Den Schweizer schmerzten neben der unglücklichen Niederlage in Mainz auch verlorene Punkte in der Vergangenheit. "Immer hieß es, wir brauchen drei Punkte. Aber ein Punkt gegen Kaiserslautern, ein Punkt gegen München und ein Punkt in Mainz - schauen Sie sich dann die Tabelle an", erklärte Favre. Jedes dieser drei Spiele haben die Gladbacher mit 0:1 verloren.

"Zu zehnt gut gespielt"

Trotz allem wollte Favre auch Positives aus Mainz mitnehmen. Seine Mannschaft habe gegen die Mainzer zu zehnt gut gespielt, sagte er. Mehr Torchancen müssten seine Spieler in den kommenden Begegnungen aber kreieren, forderte der Trainer. Bei diesem Unterfangen am kommenden Wochenende wird der gesperrte Mittelstürmer Mike Hanke fehlen, der zuletzt gegen Köln immerhin drei Tore beim 5:1 im Derbysieg vorbereitet hatte. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Favre auf diesen Ausfall reagiert. Zuletzt hatte er ja mit Hanke und Idrissou zwei Angreifer im Zentrum aufgeboten, die von offensiven Außenspielern unterstützt wurden (links Arango, rechts Reus).

Vier Spiele stehen noch aus für die Borussia, nächste Woche kommt der Meisterschaftsanwärter aus Dortmund nach Mönchengladbach, dann geht s nach Hannover, dann gegen Freiburg und zum Abschluss muss die Mannschaft von Lucien Favre zum HSV. Es gibt Programme, die sich leichter anhören. In Mainz aber wirkte der Tabellenletzte nicht wie eine Mannschaft, die sich schon aufgegeben hat, ganz im Gegenteil.

Der Coach attestierte seinem Team jedenfalls zu Recht, auch in Unterzahl seine Chance in der Offensive gesucht zu haben. Marco Reus, der in Mainz mit einigen rasanten Dribblings erneut sein Talent unter Beweis gestellt hatte, sagte: "Wir müssen jetzt gegen Dortmund die drei Punkte einfahren." Überhaupt sei die Chance immer noch da. "Wir werden um diese Chance kämpfen", bekräftigte Reus.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter