Auch wenn die Portionen im "Fleischtopf UEFA-Cup" nicht ganz so üppig sind wie die in der Champions League - das internationale Geschäft abseits der "Königsklasse" übt dennoch einen großen Reiz aus.

Und so verwundert es nicht, dass mittlerweile ein Großteil der Clubs aus der Bundesliga mit mehr als nur einem Auge auf den Einzug in den UEFA-Pokal schielt. Stuttgart, Leverkusen, Hannover, Dortmund oder Berlin verpassten in der vergangenen Saison die begehrten Plätze 4 und 5, die die Teilnahme am UEFA-Pokal ermöglichen.

Der BVB zog über den DFB-Pokal dennoch in diesen Wettbewerb ein - ebenso wie Hertha, das von Platz 1 in der Fairplaywertung profitierte. In der neuen Spielzeit peilen die Clubs wieder die direkte Qualifkation über die Endtabelle der Bundesliga an.

bundesliga.de hat die bisherigen Saisonvorbereitungen der "Eurofighter" unter die Lupe genommen.

VfB Stuttgart

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison gelang dem VfB noch der Einzug in den UI-Cup. Derzeit stehen die Schwaben in der 2. UEFA-Pokal-Qualirunde. Die Teilnahme am UEFA-Pokal ist also noch möglich. Doch auch für die kommende Saison will die Mannschaft von Trainer Armin Veh wieder im oberen Tabellendrittel ein Wörtchen mitreden.

Boulahrouz für Meira

Erste Voraussetzung dafür: die Verbesserung der Defensive! In der abgelaufenen Spielzeit kassierte der VfB 57 Gegentore - die Bilanz eines Abstiegskandidaten, die durch den Innenverteidiger-Tausch Khalid Boulahrouz für Fernando Meira und der Verpflichtung von Nationaltorwart Jens Lehmann aufpoliert werden soll. Für die Offensive holten die Schwaben in Jan Simak und Martin Lanig zwei Spieler aus der 2. Bundesliga.

Da verletzungsbedingte Ausfälle der Leistungsträger im Gegensatz zum Vorjahr bislang ausblieben, darf Trainer Veh durchaus mit einigen Optimismus in die neue Saison gehen.

Bayer 04 Leverkusen

Schielte Bayer in der abgelaufenen Spielzeit zwischenzeitlich sogar mit einem Auge auf die Champions League, ging am Ende gar der UEFA-Cup-Platz flöten. Trainer Michael Skibbe musste gehen und wurde durch Bruno Labbadia ersetzt, der den erfrischenden Offensivfußball, den er bei Greuther Fürth praktizierte, auch unterm Bayerkreuz umsetzen soll.

Helmes und Renato Augusto

Für den Angriff verpflichtete der Werksclub Nationalstürmer Patrick Helmes und den Brasilianer Renato Augusto. Die rheinische "Samba-Fraktion" verstärkt außerdem der vom FC Barcelona ausgeliehene Defensivmann Henrique. Ansonsten blieb der Kader weitgehend zusammen, einzig die langwierige Rückenverletzung von Bernd Schneider bereitet den Bayer-Verantwortlichen Kopfzerbrechen.

In den Tests präsentierte sich das Team wechselhaft: Auf Siege gegen unterklassige Clubs folgten Niederlagen gegen St. Gallen oder Aachen. Die Zielvorgabe von Labbadia, einen der Plätze zwischen Rang 4 und 8 zu erreichen, ist für eine der jüngsten Mannschaften der Bundesliga hoch gesteckt, aber nicht unrealistisch.

Hannover 96

An der Leine steigen die Erwartungen. Die vergangene Saison mit 49 Zählern und dem guten 8. Platz.war die erfolgreichste, seit der Club 2002 aufgestiegen ist. Und nun soll der nächste Schritt erfolgen. Dafür tätigte H96 mit Jan Schlaudraff, Mikael Forsell und Mario Eggimann drei Top-Transfers.

Der Pokal im Blickpunkt

Dieter Hecking versucht zwar, die Euphorie zu bremsen, seine Zielsetzung ist aber nicht mehr weit von einem UEFA-Cup-Platz entfernt. "Wir wollen ähnlich gut wie in der vergangenen Saison abschneiden. Und im DFB-Pokal weiter kommen als im vergangenen Jahr - möglichst nah ans Finale in Berlin", sagt der Trainer gegenüber bundesliga.de.

In den Vorbereitungsspielen hatten die Niedersachsen keine Probleme mit den unterklassigen Gegnern, außer beim 0:0 gegen Erfurt. Gegen den Champions-League-Sieger von 2004, den FC Porto, eroberten die 96er ein achtbares 1:1. Die Aussichten, einen UEFA-Pokal-Platz zu erreichen sind mehr als rosig, da es nun einen größeren Konkurrenzkampf in der Mannschaft gibt und das Team gut eingepielt ist.

Borussia Dortmund

"Alles neu macht der Mai" - lautet ein geflügeltes Wort. In Dortmund heißt das Motto seit Ende Juni: "Alles neu macht der Klopp". Der Nachfolger von Trainer Thomas Doll soll die Borussia wieder in die gewohnten Erfolgshöhen führen. Bei der offiziellen Vorstellung spuckte "Kloppo" voller Tatendrang in die Hände: "Ich möchte helfen, dass der Club wieder richtig in die Spur kommt."

Tolle Verstärkungen

Dabei sollen ihm die Neuzugänge Tamas Hajnal, Neven Subotic, Felipe Santana und Patrick Owomoyela helfen. Schwierigste Aufgabe für Klopp wird sein, dem qualitativ guten Kader mehr Konstanz in seinen Auftritten zu verleihen.

In den Testspielen zeigte die Borussia allerdings wieder ein wechselhaftes Gesicht. Wurde der deutsche Rekordmeister FC Bayern hochverdient besiegt, setzte es gegen den italienischen Rekordchampion Juventus Turin eine klare 1:3-Schlappe . Noch will Klopp nicht von Titeln oder hohen Saisonzielen sprechen. Mit seiner von Kampf, Leidenschaft und Schnelligkeit geprägten Spielphilospohie will der Trainer vor allem "Fußball mit Wiedererkennungswert" schaffen.

Hertha BSC Berlin

Berlin ist die Hauptstadt, doch in der Bundesliga spielt die Hertha nicht die erste Geige. Nach dem großen Umbruch im vergangenen Jahr mit neuem Trainer Lucien Favre und zahlreichen Personalwechseln soll in der anstehenden Saison die Aufwärtsentwicklung fortgeführt werden.

Hertha do Brasil

"Mein Hauptziel ist, eine Mannschaft aufzubauen, die um den Titel mitspielen kann", sagte Favre. Ein Trio aus Brasilien soll der "Alten Dame" wieder zu neuem Glanz verhelfen. Rodnei, Kaka und Cicero komplettieren nun zusammen mit Raffael und dem langzeitverletzten Lucio das Quintett aus dem Land des Rekordweltmeisters. Außerdem verstärkt Marc Stein die Abwehrkette.

Die Testspiele zeigten ein verbessertes Defensivverhalten, allerdings zeugten die drei torlosen Unentschieden gegen Tel Aviv, Kopenhagen und Liverpool von einer noch nicht effizienten Offensive. Favre hat die großen Ergebnisse zwar erst für 2010 versprochen. Aber mit dem Kader für die Saison 2008/09 ist eine Überraschung sicherlich möglich.


Zusammengestellt von Denis Huber