Über Weihnachten und Neujahr gönnt sich der Kämpfer Uwe Rösler eine Pause. Der ehemalige Profi ist des ewigen Ringens müde.

Auf Mallorca tank er Kraft . "Ich bleibe mit meiner Frau und den beiden Jungs über Silvester da", sagt der 41-Jährige, "ich habe fünf Jahre als Trainer durchgearbeitet. Das war Stress pur, jetzt brauche ich erstmal eine Auszeit." Auch ein ewiger Wettstreiter muss mal abschalten - zumal Rösler seinen größten Kampf schon gewonnen hat: den gegen den Krebs.

Erschütternde Diagnose

Es war an einem Sonntag im April 2003, als sich das Leben des sechsmaligen DDR-Auswahlspielers grundlegend änderte. Im Trikot des norwegischen Erstligisten Lilleström SK hatte er gegen Bodö/Glimt noch das 1:0 erzielt, doch nach dem Spiel klagte er über Stiche in der Brust. Zwei Tage später dann die erschütternde Diagnose: Tumor in der Brust, Lymphdrüsenkrebs. Sechs Monate kämpfte Rösler mit Chemotherapie, Strahlenbehandlung und Reha um sein Leben wie früher auf dem Platz um den Ball: hart, verbissen, unermüdlich.

"Das war eine schwere Zeit, auch für meine Familie", sagt er heute, "aber jetzt ist der Krebs völlig weg. Ich beschäftige mich nicht mehr damit. 2008 wurde ich ja offiziell für geheilt erklärt." 2008 war aber auch aus einem anderen Grund ein Schicksalsjahr für Rösler: Im Frühjahr verlor er binnen kurzer Zeit Vater, Großvater und einen engen Freund - just zu der Zeit, in der er mit seinem Club Viking Stavanger in Norwegen in die neue Erstliga-Saison startete.

"Trennung war die beste Lösung"

"Ich will darüber eigentlich gar nicht mehr reden. Es war nicht einfach für mich damals, auch wegen meines Jobs. Ich war sehr oft in Deutschland, klar, dass die Arbeit darunter leiden musste", sagt er. Der Erfolg aus dem Vorjahr, als er nach norwegischer Sprachregelung mit Viking als Dritter eine "Medaille" geholt und so den UEFA-Pokal erreicht hatte, ließ sich nicht mehr wiederholen. Stavanger wurde am Ende Sechster, Röslers Vertrag aber im Januar bis 2011 verlängert.

In der abgelaufenen Saison versuchte er dann, bei Viking eine neue Mannschaft aufzubauen. Doch das jüngste Team der norwegischen Tippeliga wurde von Verletzungen zurückgeworfen, die Finanzkrise, die den Sport im hohen Norden schwer getroffen hat, gab Viking dann den Rest. Rösler wurde nur Zehnter und trennte sich "einvernehmlich" vom Club - er hatte den Kampf verloren. "Auch", wie er betont, "weil die lokalen Medien Lügen verbreiteten. Meine Kinder hatten darunter in der Stadt zu leiden. Die Trennung war die beste Lösung für alle."

Trainerkarriere in der Bundesliga?

Nach fünf Spielzeiten auf norwegischen Trainerbänken - vor der Zeit bei Viking hat Rösler zwei Jahre erfolgreich bei Lilleström SK gearbeitet - zieht er dennoch eine positive Bilanz. "Ich habe mich dort als Trainer durchgesetzt", spricht er einen dieser Sätze, wie Kämpfer ihn sprechen. Jetzt traut er sich "den Schritt aus Norwegen heraus" zu, "im Sommer würde ich gerne nach Deutschland oder England gehen. Aber auch andere Länder und weiterhin Norwegen sind denkbar."

In seiner Heimat hat der gebürtige Thüringer bei den Ex-Clubs wie Dresden, Nürnberg oder Kaiserslautern noch viele Fans, nirgendwo wird er aber so verehrt wie in England. Für Manchester City erzielte er dort in 177 Spielen 64 Tore - und mit seiner Art, Fußball zu arbeiten, eroberte er die Herzen der Zuschauer. Und auch Rösler hat sein Herz an Manchester verloren: Seine beiden Söhne benannte er nach den City-Legenden Tony Book und Colin Bell.

Vor einigen Tagen wurde Rösler als zweiter Deutscher nach dem legendären Torhüter Bert Trautmann in die "Hall of Fame" des Clubs aufgenommen. "Da saßen 750 Leute bei einem Dinner - und ich wusste von nichts. Das war sehr ergreifend, echt emotional." Und für einen Moment wurde auch der Kämpfer Uwe Rösler ganz schwach.