1899 Hoffenheim ist die Mannschaft der Stunde. Der Aufsteiger hat in seiner Bundesliga-Premierensaison die Konkurrenz mächtig aufgemischt und sensationell die Herbstmeisterschaft gewonnen. Trainer Ralf Rangnick lässt seine No-Name-Truppe erfolgreich einen spektakulären Hochgeschwindigkeits-Angriffsfußball zelebrieren.

35 Punkte fährt die Mannschaft, die zum Großteil seit zwei Jahren und der 3. Liga zusammenspielt, bis Weihnachten ein. Der Zusammenhalt im Team ist sogar so groß, dass die halbe Mannschaft nach New York fliegt, um dort Silvester zu feiern und das neue Jahr zu begrüßen. Einer von ihnen ist Vedad Ibisevic, der mit 18 Toren in 17 Spielen dem Uralt-Bundesligarekord von Gerd Müller (40 Tore in der Saison 1972/73) bedrohlich nahe kommt.

Unheilvolles Trainingslager

Alles ist gut in Hoffenheim. Mit Timo Hildebrand stößt im neuen Jahr sogar noch ein Torwart der Extraklasse zum beliebtesten Dorfverein Deutschlands. Voller Optimismus brechen die Süddeutschen in ihr Trainingslager ins spanische La Manga auf. Doch dort nimmt das Unheil seinen Lauf.

Erst liefern sich in einem Testspiel gegen den Hamburger SV Hoffenheims brasilianischer Heißsporn Carlos Eduardo und Hamburgs wuseliger Angreifer Ivica Olic eine filmreife Schlägerei, die für beide mit Platzverweisen und Spielsperren auch für die Bundesliga endet. Und dann verletzt sich im gleichen "Freundschaftsspiel" auch noch Ibisevic schwer. Richtig schwer. Ein Kreuzbandriss wird diagnostiziert. Die Saison ist für den sympathischen 24-jährigen Bosnier gelaufen. Hoffemheim ist geschockt.

Zeit für Korrekturen

Auf einmal spricht wieder Vieles für eine erfolgreiche Titelverteidigung der auf Platz 2 stehenden Münchener Bayern. Die hatten nach einem schwachen Start unter ihrem neuen Coach Jürgen Klinsmann doch noch in die Erfolgsspur gefunden, in den letzten elf ungeschlagenen Bundesliga-Spielen acht Siege eingefahren sowie in Champions League und DFB-Pokal mühelos jeweils das Achtelfinale erreicht. Mitten in die Erfolgsserie platzte die Winterpause.

Winterpause, das bedeutet auch für die Vereine die letzte Chance, personelle Korrekturen vorzunehmen. Einige spektakuläre Wechsel werden bereits verkündet, aber erst zum Saisonende vollzogen.

"Prinz Poldi" gibt Köln-Rückkehr bekannt

Lukas Podolski hat das Bankdrücker-Dasein in München satt, er geht im Sommer zurück zu seinem geliebten 1. FC Köln. Die Bayern vermelden die Neuzugänge Ivica Olic (HSV) und Alexander Baumjohann (Mönchengladbach) zur neuen Spielzeit und verpflichten den US-Boy Landon Donavan ab sofort.

Der HSV lässt Nigel de Jong zu Manchester City ziehen, Schlusslicht Borussia Mönchengladbach verstärkt sich mit Torhüter Logan Bailly, Abwehrspieler Dante sowie den Mittelfeldveteranen Tomas Galasek und Paul Stalteri gleich vierfach. Der Karlsruher SC holt den verloren Sohn Giovanni Federico aus Dortmund zurück. In Bochum sortiert Marcel Koller seinen Kapitän Thomas Zdebel aus, der nach Leverkusen wechselt, und verpflichtet Stürmer Diego Klimowicz. Und so weiter und so fort.

Starke Bayern im Pokal

Der Ball rollt Ende des Monats auch wieder. Erst im Pokal, in dem Bayerns 5:1-Gala in Stuttgart und Bremens 2:1 in Dortmund aufhorchen lassen. Dann auch in der Meisterschaft. Hoffenheim verteidigt bei der Premiere in seiner neu fertiggestellten Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim durch ein schmuckloses 2:0 gegen Energie Cottbus die Tabellenführung.

Dagegen strauchelt der FC Bayern etwas unglücklich beim 0:1 in Hamburg und fällt auf Platz 4 zurück. Schon kommt wieder Unruhe auf. Aber das ist ja nichts Neues…


Kuriosität des Monats:

Beim Pokalhit des VfB Stuttgart gegen Bayern München sind gerade einmal 21 Minuten gespielt. Doch die Schwaben liegen bereits mit 0:2 zurück und kassieren auch noch einen Handelfmeter. Für die Bayern schreitet Franck Ribery zur Tat. Und der Franzose versucht das, was er schon öfter in solchen Situationen getan hat.

Mit einem coolen Lupfer in die Tormitte im Zeitlupentempo will Ribery VfB-Keeper Jens Lehmann düpieren. Doch der kennt den Trick bereits und bleibt einfach stehen. Lässig fängt der Ex-Nationaltorhüter den läppischen Ball. Am Stuttgarter Pokal-Aus ändert dies jedoch nichts.

Tobias Gonscherowski

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