Es war kein berauschendes Fußball-Fest, es war auch keine Demonstration der Stärke und es war kein Selbstläufer: Der 2:0-Erfolg des Hamburger SV gegen Energie Cottbus war einfach den Kräfteverhältnissen in dieser Saison entsprechend.

"Wir brauchten einen Sieg und mussten ihn in der ersten Halbzeit klarmachen. Mir wurde gesagt, es sei ein Arbeitssieg gewesen. Das wäre eigentlich schlecht, aber okay", erklärte HSV-Trainer Martin Jol nach der Partie.

Kräfte schonen für "Gala"

Da die Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft schon am Samstag vorgelegt hatten, standen die Hausherren gegen Energie unter Zugzwang. "Schon vor der Partie war klar, wir brauchen die drei Punkte, um oben mit dran zu bleiben. Das ist uns gelungen, ob schön oder nicht", stellte Marcell Jansen treffend fest.

Dabei konnten sich die Hamburger den Luxus erlauben, schon früh einen Gang zurückzuschalten, um für das UEFA-Pokalrückspiel bei Galatasaray Kräfte zu sparen. Die Fans quittierten dies jedoch mit einem Pfeifkonzert, obwohl der Sieg schon unter Dach und Fach war.

"Die Fans werden das sicher verstehen, dass in den 'Englischen Wochen' auch mal die Kraft fehlt. Jetzt gilt unsere Konzentration sofort dem Donnerstag, denn in Istanbul haben wir ein ganz wichtiges Spiel vor uns", sagte Marcell Jansen nach der Partie.

Gute Partie von Tavares und Streit

Jansen spielte gegen Cottbus seit langer Zeit mal wieder als Verteidiger und musste ohne seine gewohnte Rückendeckung auf der linken Seite auskommen. Dennis Aogo wurde von Trainer Martin Jol geschont. Gleiches galt auch für Nationalspieler Piotr Trochowski.

Die Wintereinkäufe Albert Streit und Mickael Tavares bekamen eine Chance, von Beginn an zu spielen. Und sie machten ihre Sache gut. Tavares bereitete die Führung durch Ivica Olic (32.) mustergültig per Flanke vor, zeigte sich aber ab und an als "Sechser" vor der Abwehr aufreizend lässig. Streit mühte sich auf der rechten Seite redlich, trat aber nicht so richtig überzeugend in Erscheinung.

Trainer Jol war dennoch zufrieden: "Wenn man mit Olic auf links spielt, dann braucht man auch auf rechts jemanden, der bis zur Grundlinie marschieren kann. Das hat Albert sehr gut gemacht."

Sturm-Trio früh gesprengt

Das Trochowski nicht in der Startelf stand, war aber nicht die einzige Überraschung, die Jol auf Lager hatte. Denn er nominierte erstmals in der Rückrunde seine drei Top-Stürmer Ivica Olic, Paolo Guerrero und Mladen Petric für die Startelf.

Doch das Trio sollte nur kurz Freude am eher seltenen Zusammenspiel haben. Denn Petric musste bereits nach 29 Minuten verletzt vom Platz - mit einem Muskelfaserriss. Er fehlt mindestens zwei Wochen. Und noch ein Spieler hat sich verletzt: Trochowski zog sich eine Innenbanddehnung im Knie zu.

Petric bringt es auf den Punkt

"Dass wir in den kommenden Wochen auf Mladen Petric verzichten müssen, ist für uns natürlich ein Schlag", so Jol. Für Petric kam Trochowski ins Spiel, der mit einem direkt verwandelten Freistoß (39.) für die Entscheidung sorgte.

Mit dem Sieg bleibt der HSV im Club der "45er" mit dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg weiter vier Punkte hinter Spitzenreiter Hertha BSC. Die Meisterschaft ist für den HSV dank des Arbeitssieges weiterhin greifbar. "Und nur darum ging es. Wir sind weiter dabei", so Petric.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis