Uwe Seeler ist unwiderruflich mit dem Hamburger SV verbunden. Kein Wunder also, dass er sich über den Höhenflug der "Rothosen" in der Bundesliga freut.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft über die Chancen der Hamburger im UEFA-Pokal und im Kampf um die Meisterschaft.

bundesliga.de: Herr Seeler, der HSV ist nach sieben Spieltagen Tabellenführer. Was sagen Sie dazu?

Uwe Seeler: Ich finde das natürlich höchst erfreulich. Wie sagt man so schön: Die Punkte die man hat, kann einem keiner mehr weg nehmen. Wir haben im Moment auch das nötige Quäntchen Glück. Denn die Spiele, die wir früher in letzter Minute noch unentschieden gespielt oder gar verloren haben, gewinnen wir in dieser Saison. Das steigert das Selbstvertrauen auch ungemein. Aussagekraft hat das ganze aber noch nicht. Wir sollten weiter von Spiel zu Spiel denken. Denn die Saison ist noch sehr, sehr lang.

bundesliga.de: Ist der neue Trainer Martin Jol der Vater des Erfolges?

Seeler: Der Trainer verbreitet eine gute Stimmung, er wählt die richtige Taktik und wägt ab, wen er aufstellen muss. Aber der Erfolg ist ein Zusammenspiel zwischen Trainer und Mannschaft.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Stärken der "Rothosen"?

Seeler: In der Defensive steht der HSV sehr gut. Vorne läuft es auch. Wichtig ist aber, dass sie diese Kontinuität über eine ganze Saison zeigen, dann können Sie auch um den Titel mitspielen.

bundesliga.de: Könnte die Doppelbelastung mit dem UEFA-Pokal zu einem Stolperstein werden?

Seeler: Es ist doch eine einfache Rechnung. Wenn man mehr spielt, dann trainiert man weniger. Also bleibt die Belastung doch gleich. Wenn man international in der Spitze dabei sein will, dann muss man auch drei Spiele in der Woche absolvieren können. Und der HSV hat den Kader dazu, auch mal einen verletzten Spieler adäquat zu ersetzen.

bundesliga.de: Also übersteht der HSV die Gruppe mit den starken Teams Ajax Amsterdam und Aston Villa?

Seeler: Das ist keine schlechte Gruppe. Aber es ist auch machbar. Der HSV darf nur keinen Gegner unterschätzen.

bundesliga.de: Ist der HSV darüber hinaus denn schon reif für den Titel?

Seeler: Ja, warum denn nicht? Der HSV ist sicherlich genauso reif wie einige andere Mannschaften in der Bundesliga. Wichtig ist, dass die Leistung weiterhin konstant abgerufen wird.

bundesliga.de: Welche Clubs kommen denn noch für die Meisterschaft in Frage?

Seeler: Der FC Bayern wird sicherlich richtig kämpfen, um wieder oben mitzuspielen. Und natürlich gehören auch Werder Bremen, der VfB Stuttgart, Schalke 04 oder auch Bayern Leverkusen dazu. Ich bin jetzt so lange im Geschäft und habe so viele Seiten des Fußballs kennengelernt - deshalb weiß ich, dass man auch immer mit einer Überraschung rechnen muss.

bundesliga.de: Wo landet "Ihr" HSV am Ende der Saison?

Seeler: In der Mannschaft steckt ein sehr gutes Potenzial. Ich formuliere ja eigentlich eher bescheidene Ziele, aber die Qualität sollte doch reichen, um unter den ersten Dreien zu landen. Das Erreichen der Champions League wäre auf jeden Fall ein toller Erfolg für den HSV. Im neuen Jahr wissen wir mehr. Da darf man die Ziele dann eventuell klarer definieren.

Das Gespräch führten Michael Reis und Tim Tonner