Die Kosten eines Telefonanrufs auf die Malediven schwanken zwar je nach Anbieter, doch eines ist klar: So ein Anruf kostet richtig Asche. Für Jürgen Klopp spielte das im Mai 2007 keine Rolle.

Er bombardierte seinen Wunschspieler Tim Hoogland förmlich mit Anrufen, während der gerade im Urlaub auf der idyllischen Inselgruppe weilte. Bis zu fünf Mal am Tag versuchte der damalige Mainzer Trainer das Schalker Eigengewächs zu erreichen, um ihm ein Engagement bei den Rheinhessen schmackhaft zu machen.

Ein Schritt zurück nach vorne

Hoogland, damals noch nicht ganz 22 Jahre alt, zeigte sich vom Einsatz Klopps so beeindruckt, dass er alle anderen Angebote ablehnte und seine Zelte am Mainzer Bruchweg beim damaligen Zweitligisten aufschlug.

In seiner "königsblauen" Zeit hatte es der Defensivmann in drei Jahren als Profi nur auf zwölf Bundesliga-Einsätze gebracht. In Mainz ließ Klopp den gelernten Innen- und Rechtsverteidiger dauerhaft auf dem Platz rechts hinten in der Viererkette ran. Auch Klopps Nachfolger Jörn Andersen setzte auf Hoogland, der es somit in seinen ersten beiden Zweitligajahren auf insgesamt 63 Einsätze (acht Tore) brachte.

Insofern war der Schritt vom Champions-League-Teilnehmer zum selbsternannten Karnevalsverein in die 2. Bundesliga zwar vordergründig ein Rück-, unterm Strich aber ein Fortschritt. Im Mai 2009 schaffte Hoogland mit den 05ern den Aufstieg in die Bundesliga und ist aus dem Team mittlerweile nicht mehr weg zu denken.

Ferdinand als Vorbild

Manager Christian Heidel sieht das genau so wie die Fans der 05er: "Tim ist völlig unverkäuflich. Er ist ein Typ, der Mainz verkörpert wie kein Zweiter." Zweikampfstärke, Laufbereitschaft, Einsatz und Willen charakterisieren das Spiel von Hoogland, der am 11. Juni 1985 in Marl an den Grenzen des Ruhrgebiets geboren wurde. Tugenden wie diese kommen nicht nur im "Pott" gut an, sondern eben auch am Mainzer Bruchweg.

Inzwischen erlebt Hoogland, der als Vorbild Rio Ferdinand nennt, seines Zeichens englischer Nationalspieler und Abwehrchef von Manchester United, bereits seinen dritten Trainer beim FSV, was seinem Stellenwert aber nicht im Geringsten geschadet hat.

Im Gegenteil: Nachdem Andersen vor dem 1. Spieltag gehen musste, übernahm Thomas Tuchel das Regiment und bestimmte als eine der ersten Amtshandlungen nach der langwierigen Verletzung von Kapitän Dimo Wache Hoogland als dessen Stellvertreter. Mit seinen gerade mal 24 Jahren gehört er in der Liga damit zu den jüngsten seiner Zunft.

Rechtsaußen statt rechts hinten

Mindestens ebenso wichtig war Tuchels taktische Maßnahme: Im Mainzer 4-4-2-System zog er Hoogland eine Position nach vorne in das rechte Mittelfeld. "Dort ist er nicht so in die taktische Disziplin eingebunden, und seine Laufstärke und sein Feuer können wir im Pressing gut nutzen", begründete der Coach seine Entscheidung.

Bereits fünf Minuten nach Anpfiff der aktuellen Saison hatte sich Tuchels Entscheidung gelohnt: Hoogland erzielte am 1. Spieltag gegen Leverkusen das Mainzer 1:0 (Endstand 2:2). Mit seinem Auftritt als eine Art verkappter Rechtsaußen hatte Bayer nicht gerechnet.

"Setzen unser Können fast zu 100 Prozent um"

Mit seinen Leistungen und in seiner Eigenschaft als Kapitän hat Hoogland großen Anteil am Höhenflug des Aufsteigers, der für ihn wenig überraschend kommt: "Wir wissen, was wir können, und setzen das zurzeit fast zu 100 Prozent um."

Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass Hoogland nach wie vor im Vorfeld von Bundesliga-Spielen vor Anspannung "nicht still sitzen kann".

Denn dafür hat der erklärte Malediven-Fan ja im nächsten Urlaub wieder Zeit...

Denis Huber