Sinsheim - Als dann alles gut ausgegangen war in Hoffenheim, dauerte es keine 20 Sekunden und die Fans des Hamburger SV riefen ihren Spielern entgegen: “Derbysieg, Derbysieg!“ Zwar blieb der HSV auch im elften Spiel in dieser Saison ohne Sieg, aber das 2:2 (1:1) in Hoffenheim fühlte sich vor dem kommenden Nordderby gegen den SV Werder Bremen für die Hamburger wie ein großer Erfolg und ein Motivationsschub zur rechten Zeit an.

Für HSV-Trainer Markus Gisdol bedeute der Punktgewinn gegen seinen ehemaligen Verein und seinen ehemaligen Assistenten Julian Nagelsmann erst den zweiten Zähler im sechsten Spiel. Aber Gisdol sah in der Leistung seiner Elf erstmals einen "ganz großen Schritt in die richtige Richtung".  Gisdol verkündete seine Botschaft, die er seiner Mannschaft in der vergangenen Woche eingebläut hatte, nach dem Achtungserfolg als Motto für den Abstiegskampf: "Die Mannschaft steht über allem - das war meine große Botschaft in dieser Woche", sagte Gisdol und erklärte: "Wir werden extrem auf Zusammenhalt achten und diesen Weg kompromisslos durchziehen, denn ich weiß: Nur so geht es."

Gisdols Maßnahmen fruchten

Gisdol fordert von seinen Spielern, sich "durch nichts ablenken" zu lassen. Der Trainer hatte Gotoku Sakai für Johan Djourou zum neuen Kapitän bestimmt, weil er die Qualitäten des Japaners für den Abstiegskampf als stilbildend empfindet. Auch in dieser Maßnahme sah sich Gisdol bestätigt und bescheinigte Sakai, in Hoffenheim "ein zuverlässiger Anführer auf dem Platz" gewesen zu sein. Offensivspieler Nicolai Müller, Torschütze zum 2:2 Ausgleich (61.), erklärte: "Der Trainer hat ein paar Maßnahmen getroffen und wir stehen dahinter."

Die Hamburger nahmen in Hoffenheim Rückschläge hin -  ohne danach auseinanderzufallen. Nach der HSV-Führung durch den starken Filip Kostic (28.) drehte Hoffenheim durch Tore von Sandro Wagner (45+1) und Steven Zuber (49.) das Ergebnis und schien auf dem Weg zu einem sicheren Sieg. Aber der HSV kämpfte sich zurück und nutzte einen Fehler von TSG-Innenverteidiger Niklas Süle kalt zum Ausgleich. Kostic zog wieder einmal los, flankte, der starke Lewis Holtby verlängerte und am langen Pfosten drückte Nicolai Müller die Kugel über die Linie. Der HSV deutete sein Potenzial in der Offensive an und Müller meinte nicht ohne Grund: "Wir haben nicht wie ein Tabellenletzter gespielt."

Leistungssteigerung macht Mut

Der HSV schöpft Mut im Abstiegskampf, auch weil die Mannschaft trotz einiger verletzungsbedingter Ausfälle einen Punkt mitnahm und eine Leistungssteigerung zeigte. Für Torwart Rene Adler stand Christian Mathenia zwischen den Pfosten, in der Innenverteidigung agierte Gideon Jung für Emir Spahic und im defensiven zentralen Mittelfeld spielten in Gotoku Sakai und Matthias Ostrzolek zwei gelernte Außenverteidiger, weil Albin Edkal fehlte. Holtby machte in der offensiveren zentralen Mittelfeldrolle sein bestes Spiel in dieser Saison, kein Hamburger lief mehr in Hoffenheim.

Torwart Mathenia, im Sommer aus Darmstadt gekommen, weiß aus seiner Zeit bei den "Lilien", welche Tugenden im Abstiegskampf gefordert sind: "In Darmstadt hat uns Teamgeist ausgezeichnet. Es war schön zu sehen, dass wir diesen Teamspirit heute auf dem Platz gesehen haben."

Nicht nur bei den Fans ging der Blick gleich nach dem Abpfiff nach vorne zum Derby gegen Werder. Nicolai Müller meinte: "Wir werden alles investieren, damit wir gegen Bremen den ersten Dreier schaffen. Das würde vieles freisetzen, es könnte ein Schlüsselmoment für uns sein." 

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter