Der VfB Stuttgart lebt. Nach dem 3:1-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg ist klar: Neu-Trainer Christian Gross ist es gelungen, den Schwaben frischen Mut einzuimpfen. Die Spieler glauben wieder an sich, vorbei die Zeiten von Frustration, Egoismus und mangelndem Selbstvertrauen.

Stuttgart ist nach den zahlreichen Monaten der Frustration und der vielen Niederlagen wieder Optimismus eingekehrt. Seit vier Spielen ist der neue Trainer nun auf der schwäbischen Kommandobrücke und seine Bilanz liest sich eindrucksvoll.

Drei Siege, ein Remis - Christian Gross ist es zu verdanken, dass die Stuttgarter in der Bundesliga wieder Licht am Ende des Tunnels sehen und sich nach dem verdienten 3:1-Erfolg über schwache Wolfsburger von den Angst einflößenden Abstiegsrängen entfernt haben.

Neuer Trainer, frischer Mut

Gross, der Schweizer Wundermann. Am späten Samstagabend gab es in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena kaum einen VfB-Akteur, der nicht in höchsten Tönen von dem neuen Trainer sprach. "Er hat jedem von uns wieder jede Menge Selbstvertrauen eingeimpft", sagte beispielsweise Torschütze Timo Gebhardt. Und der neue Kapitän Sami Khedira ergänzte: "Gross ist sehr direkt in seiner Ansprache und vermittelt jedem von uns, wie wichtig er ist."

In der Tat scheint VfB-Sportdirektor Horst Heldt mit Gross einen Glücksgriff getan zu haben. Im Vergleich zu den letzten Spielen der Babbel-Amtszeit wirken die Stuttgarter wie verwandelt und zeigen endlich wieder, welches spielerische Potenzial in ihnen schlummert. Spieler wie Ciprian Marica oder der auch gegen Wolfsburg extrem starke Pavel Pogrebnyak zeigen endlich, wie es ihnen gelungen ist, zu Nationalspielern ihres Landes zu werden.

Hilbert zeigt alte Stärke

Hinzu kommt, dass die Stuttgarter endlich auch wieder Alternativen haben. Selbst ein Roberto Hilbert, eigentlich schon abgeschrieben, erhob sich gegen Wolfsburg wie Phoenix aus der Asche, erzielte einen Treffer und war Leistungsträger.

Gross ist mittlerweile zu einem leuchtenden Beispiel dafür geworden, wie wichtig die Psyche bei einem professionellen Fußballspieler sein kann. Auch wenn Sportdirektor Horst Heldt gerne davon spricht, dass "man manche Dinge im Fußball einfach nicht erklären kann", ist doch auch klar, dass in Stuttgart schlichtweg wieder das alte Vertrauen in die eigene Leistungsstärke zurückgekehrt ist.

Gegen Wolfsburg begannen die Stuttgarter von Beginn an engagiert und es war offensichtlich, wie wichtig ihnen ein guter Start in die Rückrunde war. "Wir hatten uns für das Spiel vorgenommen, genau dort weiterzumachen, wo wir in der Vorrunde gegen Hoffenheim aufgehört haben", bestätigte Christian Träsch, auch ein Synonym für den Stuttgarter Aufschwung.

Rückendeckung durch die Fans

Besonders auffällig ist dabei, dass die in der Vorrunde vorherrschenden Egoismen innerhalb des Kaders wie weggeblasen scheinen. Jeder kämpft für jeden im Schwabenland, wohl die größte Leistung des Trainers Gross. Hinzu kommt, dass sich auch das Stuttgarter Umfeld mit der Mannschaft versöhnt hat. Nach dem Fan-Aufstand nach dem Remis gegen den VfL Bochum in der Vorrunde, stehen die Anhänger nun wieder voll hinter ihrer Mannschaft und geben den Spielern so die notwendige Rückendeckung. Nur einer tritt mahnend auf die Euphoriebremse: "Es gibt noch viel zu tun", erklärte Gross nach dem Wolfsburg-Sieg. Abheben ist seine Sache nicht.

Dennoch: Sollte der VfB nun auch das schwere Auswärtsspiel beim SC Freiburg am kommenden Freitag erfolgreich meistern, scheint auch in dieser Saison noch einiges möglich zu sein. Erinnert sei hier nur an die vergangene Saison.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer