München - Zwei Szenen aus dem letzten Spiel fassen die Situation von Werder Bremen im Abstiegskampf wohl gut zusammen. Assani Lukimya "schenkt" Gladbach-Stürmer Raffael gleich nach sechs Minuten mit einem kapitalen Fehler ein Tor. Doch Werder, unterstützt vom nie murrenden Bremer Publikum, kämpft sich zurück und gleicht kurz vor Schluss durch einen Zauberfreistoß von Neuzugang Ludovic Obraniak aus. Die Bremer Hoffnung - sie lebt.

"Ich hatte das Gefühl, das ganze Stadion trägt den Ball ins Tor", sagte Trainer Robin Dutt über die nimmermüden Fans. Und auch, dass der völlig verunsicherte Pechvogel Lukimya von seinem Coach viel Zuspruch erhielt ("seine Auswechslung tat mir wahnsinnig Leid"), passt da ins Bild. Das größte Plus im Abstiegskampf scheint die mannschaftliche Geschlossenheit. "Wir spielen für Luki", hatte Dutt seiner Elf in der Halbzeit eingetrichtert.

Der Wille ist da, das Umfeld ist auf einen harten Kampf bis zum Schluss eingestellt. Doch die Ergebnisse lassen seit dem Rückrundenstart auf wenig hoffen. Gerade einmal zwei Punkte holte das Team seit dem Winter. Bis zum Relegationsplatz sind es nur drei Zähler. Für Bremen folgen die wahrscheinlich wichtigsten Wochen der Saison: Frankfurt, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart und Freiburg heißen die kommenden Gegner. Von den Duellen gegen die aktuellen Abstiegskandidaten (inklusive Braunschweig) hat Werder in dieser Saison allerdings nur ein einziges verloren.

Das macht Hoffnung:

  • Bremen spielte immerhin sechsmal zu null - ligaweit schafften dies nur Bayern und Schalke häufiger. Zumindest phasenweise stand die Werder-Defensive.

  • Nur Bayern ließ weniger Freistoß-Gegentore zu (keines) als Bremen (zwei).

  • Der Einsatz stimmt: Nur Dortmund bestritt mehr Zweikämpfe als Bremen.

  • Werder stand in dieser Saison noch nie schlechter als Platz 14 und hielt sich immer knapp vor der Abstiegszone.

Das macht Sorgen:

  • Bremen hat die höchste Fehlpassquote der Liga (31 Prozent) und den geringsten Ballbesitz (44 Prozent).

  • Werder schoss nur sechs Stürmertore - der schwächste Wert der Liga.

  • Bremen gestattete den Gegnern die meisten Torschüsse (365).

  • Torwartproblem: Raphael Wolf parierte nur 52 Prozent der Torschüsse auf seinen Kasten und kassierte in acht Spielen 23 Gegentore.

  • Einzig Hamburg kassierte mehr Gegentore (51) als Bremen (46) - so viele waren es für Werder nach 21 Spieltagen nur in der Abstiegssaison 1979/80.

Ausblick:

Das Publikum ist und bleibt Bremens "Riesen-Pluspunkt" (Nils Petersen). Die Nervenstärke in den direkten Duellen könnte den Ausschlag geben, dass sich die Dutt-Elf knapp rettet.

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