Es ist zehn Jahre her, dass Ralf Rangnick zu seinem Spitznamen gekommen ist. Im "Aktuellen Sportstudio" dozierte er damals über Sinn und Zweck der Viererkette, fortan war er der "Professor".

Jener Vortrag und das daraus resultierende Image eines Theoretikers waren eigentlich nicht nach Rangnicks Sinn. So sei er eigentlich gar nicht, hat Rangnick kürzlich nochmal betont.

In diesen Tagen wird er aber wohl trotzdem wieder häufiger mit dem "Professor" konfrontiert werden.

Aus der Regionalliga an die Bundesligaspitze

Rangnick ist ein Verfechter modernster wissenschaflicher Trainingsmethoden im Fußballsport. Und der Erfolg, den er nun mit Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim feiert, wirkt wie am Reißbrett geplant.

Vor zwei Jahren übernahm er den Club in der Regionalliga, mit dem Ziel ihn in die Bundesliga zu führen. Die Mission ist gelungen, und nun steht der Club aus dem 3.000-Einwohner-Ort plötzlich auch noch an der Spitze der höchsten deutschen Spielklasse.

"Größter Erfolg meiner Karriere"

"Ehrlich gesagt denke ich, dass die zwei Jahre hier die größte Erfolgsgeschichte meiner Karriere sind", sagt Rangnick. Und er hat ja schon ein paar größere Clubs in seiner Vita stehen.

Im Pokalfinale stand er schon, Meisterschaftszweiter war er. Doch den jetzigen Erfolg mit Hoffenheim schätzt Rangnick noch höher ein. "Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Ich muss mich ab und zu schon zwicken. Eine derartige Entwicklung mit solch einer blutjungen Mannschaft habe ich noch nie erlebt."

"Können die Situation sehr gut einschätzen"

Natürlich sagt Rangnick, dass das alles eine Momentaufnahme ist - der Aufsteiger als Tabellenführer.

"Wir sind gut gestartet, die beiden Siege waren wichtig, aber trotzdem können wir die Tabellen-Situation sehr gut einschätzen. Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass dies dauerhaft die Realität widerspiegelt", so Rangnick im DSF.

Aber Rangnick sagt auch: "Ich habe das Gefühl, dass wir nicht akut in Abstiegsgefahr geraten." Das ist ja schon mal was.

Hoffenheim setzt auf junge Spieler

In seiner Arbeit ist er sich über die Jahre hinweg treu geblieben. Junge Spieler standen immer im Mittelpunkt. Doch nirgends konnte er diese Linie so konsequent wie in Hoffenheim verfolgen.

Er sagt: "Wir holen normalerweise keinen Spieler, der älter als 24 Jahre ist." Beim 1:0 gegen Gladbach war der 25-jährige Per Nilsson der älteste Hoffenheimer auf dem Feld.

Hopp bestimmt das Tempo

Auch intern wird am Nachschub gearbeitet. Die U 17 des Clubs ist jüngst Deutscher B-Juniorenmeister geworden. Die ersten Spieler aus dieser Mannschaft integriert Rangnick gerade in seinen Kader.

Was als nächstes kommt? Das hängt ganz von Mäzen Dietmar Hopp ab. "Das Tempo, in dem es hier weiter geht, bestimmt Dietmar Hopp. Er muss sich wohlfühlen und sich wieder erkennen", sagt Rangnick.

Fürs Erste gilt: "Wir sind froh, wenn wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Alles andere nehmen wir aber gerne mit."

Michael Gerhäußer