Köln - Die Spielzeit 2015/16 ging spektakulär zu Ende. Zeit für eine ausführliche Bilanz. bundesliga.de analysiert die Leistung aller Clubs und blickt auch schon nach vorne. So lief das Jahr für Borussia Dortmund:

Saisonverlauf: Bayern-Jäger Nummer eins

Nach dem Ende der Ära Klopp wollte Thomas Tuchel den BVB wieder "zum Herausforderer für die nationale Spitze“" und für die vier vermeintlich großen Clubs Bayern, Wolfsburg, Leverkusen und Gladbach formen. Das gelang dem neuen Trainer schon in der Hinrunde im Eiltempo: Pressing und schnelles Umschaltspiel ergänzte Tuchel um Ballbesitzfußball mit Präzision, der zwar geduldig, aber immer offensiv und druckvoll interpretiert wird.

Die Borussia hat sich damit ihre alte Stellung als Bayern-Jäger Nummer eins in der Bundesliga zurück erkämpft. Das hatte man zwar erhofft, aber nicht unbedingt so schnell erwartet. Die direkte Qualifikation für die Champions League, von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Winter als "wichtigster Titel der Saison" ausgegeben, war schon sechs Spieltage vor Saisonende unter Dach und Fach. Zwar wurde das Endspiel in der Europa League verpasst, dafür steht Vize-Meister BVB zum dritten Mal in Folge im DFB-Pokalfinale – "und es war unser erklärtes Saisonziel, wieder nach Berlin zu gehen", wie Sportdirektor Michael Zorc zufrieden feststellen durfte.

So funktioniert die Spinnennetz-Grafik

Der Top-Spieler

  • Zudem traf der explosive Edeltechniker elf Mal selbst – fast genauso oft wie in seinen ersten beiden Spielzeiten zusammen (drei- bzw. neun Mal).

  • Der Armenier war neun Mal am 1:0 seines Teams beteiligt, dabei assistierte er alleine acht Mal zum wichtigen ersten Treffer.

Spruch der Saison: Thomas Tuchel

Der Aufsteiger der Saison

Mit 17 Jahren feierte Christian Pulisic gegen Ingolstadt am 19. Spieltag sein Bundesliga-Debüt. Seither startet der hochtalentierte US-Boy so richtig durch. Neun Mal kam der schnelle und technisch versierte Youngster in der Rückrunde auf der offensiven Außenbahn zum Einsatz, vier Mal sogar in der Startelf. Gegen den HSV erzielte Pulisic sein erstes Bundesligator - als viertjüngster Torschütze aller Zeiten. Nur eine Woche später legte er beim Sieg in Stuttgart nach – als jüngster Spieler der Bundesliga-Historie mit zwei Treffern.

Für den BVB ist der Junge aus Pennsylvania schon jetzt ein Gewinn, genießt den Respekt der Mitspieler und das Vertrauen des Trainers. Lohn für seine Leistungen in der Liga: Auch in der Nationalelf debütierte Pulisic - als jüngster US-Spieler, der je in einer WM-Qualifikation zum Einsatz kam.

Top-Fakten

  • Dortmund erzielte die meisten Tore (82) und ligaweit die meisten Tore aus dem laufenden Spiel heraus (73).

  • Der BVB war das effektivste Team der Bundesliga: Durchschnittlich benötigte man nur 7 Torschüsse für ein Tor.

  • Durchschnittlich führte jede 24. Flanke aus dem Spiel zu einem Torerfolg – das ist die beste Quote der Bundesliga.

Das Topspiel der BVB-Saison

Ausgerechnet eine Nullnummer steht bei der offensivstarken Borussia ganz oben in der Liste der Topspiele. Aber was sich der BVB und Bayern München am 5. März lieferten, war spielerisch und kämpferisch ein Duell auf allerhöchstem Niveau. Außerdem: Ein Saisonauftakt nach Maß und ein spektakulärer Derbysieg.

>>> Die drei BVB-Topspiele im Video

Highlight der Saison: Aubameyangs Rekordjagd

Auch wenn er die Torjägerkanone am Ende Robert Lewandowski überlassen musste – Pierre-Emerick Aubameyang lieferte sich mit dem Polen ein Knipserduell, das es in sich hatte. Nicht zuletzt mit seinem Dreierpack gegen Augsburg und insgesamt fünf Doppelpacks schraubte der Gabuner seine Quote auf 25 Treffer. Das war einem Dortmunder zum letzten Mal vor 35 Jahren gelungen.

Zugleich löste er damit Lewandowski als treffsichersten Ausländer ab, der je beim BVB gespielt hat. Einen Bundesliga-Rekord sicherte sich der Mann mit dem Torsalto schon zu Saisonbeginn: Aubameyang traf saisonübergreifend in zehn Ligaspielen hintereinander, was vor ihm nur Klaus Allofs gelungen war.

So geht's weiter

Nach dem Wechsel von Mats Hummels nach München gilt die Verpflichtung eines neuen Abwehrchefs als vordringliche Aufgabe. Zudem soll der Vertrag mit Henrikh Mkhitaryan langfristig verlängert werden. Sven Bender und Marcel Schmelzer haben ihre Arbeitspapiere bereits bis 2021 ausgedehnt. Mit der Verpflichtung des umworbenen Ousmane Dembélé von Stade Rennes gelang dem BVB ein Coup; der 18-Jährige ist offensiv vielseitig einsetzbar und gilt als torgefährlich und trickreich. Mit dem 19-jährigen Mikel Merino vom spanischen Zweitligisten CA Osasuna wurde ein weiteres Mittelfeldtalent unter Vertrag genommen.

Während der Vorbereitung auf die Spielzeit 2016/2017 wird der BVB in China am Champions Cup China teilnehmen. Im Rahmen dieses hochkarätig besetzten internationalen Turniers trifft man ab dem 22. Juli auf die englischen Topklubs Manchester United sowie Manchester City. Vor der China-Reise wird der BVB mehrere Einheiten in Dortmund absolvieren und ein erstes Trainingslager in den Kitzbüheler Alpen beziehen. Anfang August sind einige Vorbereitungstage in Bad Ragaz (Schweiz) eingeplant.

Dietmar Nolte

>>> Alle 18 Saison-Rückblicke im Überblick

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