Köln - Beim 1. FC Köln hat sich die Stimmung komplett gedreht. Herrschte noch vor vier Monaten eine lähmende Tristesse rund um den rheinischen Traditionsverein, so gilt es nun, die aufkommende Euphorie in der Domstadt in die richtigen Bahnen zu lenken. Verantwortlich für den in dieser Form schon etwas überraschenden sportlichen Höhenflug ist in erster Linie Trainer Frank Schaefer.

Am 23. Oktober 2010 war der 1. FC Köln am Tiefpunkt angekommen. Alle bis dahin vom damaligen Trainer Zvonimir Soldo und Sportdirektor Michael Meier ergriffenen Maßnahmen verpufften, die Mannschaft hatte beim 1:2 in Hannover einen desolaten Eindruck hinterlassen. Der FC war mit nur fünf Punkten auf der Habenseite auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht.

Schaefer und Lottner mit geglücktem Einstand

Da zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Der glücklose Soldo und sein Assistent Michael Henke mussten gehen. Als Interimstrainer wurden Frank Schaefer und sein Co-Trainer Dirk Lottner präsentiert, die zuvor seit vielen Jahren die FC-Jugendteams betreut hatten. Innerhalb von vier Tagen gelangen dem neuen Duo zwei Heimsiege, erst im Pokal gegen 1860 München mit 3:0, dann in einem mitreißenden Spiel ein 3:2 gegen den Hamburger SV.

Matchwinner war damals der dreifache Torschütze Milivoje Novakovic, der unter Soldo noch aus der Stammelf aussortiert worden war. Die ersten Resultate stimmten, die ersten Änderungen griffen sofort und bei den Fans war die Sache sowieso klar. Sie forderten per Transparent: "Geduld haben, Wort halten, der 'Geißbock' braucht einen guten Schaefer."

Aus dem Interimstrainer wurde der Cheftrainer. Bis heute hat Frank Schaefer den 1. FC Köln von Platz 18 auf Platz 11 geführt und in 15 Bundesliga-Spielen kaum für möglich gehaltene 24 Punkte geholt, dabei sieben Mal gewonnen und nur fünf Mal Niederlagen eingesteckt. Die Bilanz ist sensationell. Bei keinem anderen Verein der Bundesliga wirkte sich ein Trainerwechsel in dieser Saison so positiv aus.

Rangnick wundert sich

Der erfolgreiche Jugendtrainer hat sich nun auch in der Bundesliga einen Namen gemacht. Schaefer glänzt durch Fachwissen, akribische Detailarbeit und die richtige Ansprache. Aus den untereinander zerstrittenen Individualisten formte der gebürtige Kölner ein schlagkräftiges Team, das zusammen hält.

In Fachkreisen genoss Schaefer schon immer einen ausgezeichneten Ruf. "Ich habe mich gewundert, dass die Kölner so lange brauchten, um zu erkennen, was für einen guten Mann sie im eigenen Verein hatten", sagte kürzlich Ralf Rangnick, der sich früher als Trainer der Stuttgarter A-Junioren heiße Duelle mit dem FC-Nachwuchs lieferte.

Schaefer war von Anfang an auch bei den FC-Profis akzeptiert. Viele von ihnen, etwa Lukas Podolski, Adam Matuschyk, Christian Clemens oder Adil Chihi, kannte er seit ihren Jugendtagen. Und im Gegensatz zu seinem schweigsamen Vorgänger redete der 47-Jährige seine Spieler stark.

Teamwork als Erfolgsrezept

Tagtäglich saugt Schaefer alle Facetten des Fußballs in sich auf. Er ist manchmal so vertieft in seine Arbeit, dass er auch schon mal die eine oder andere Nebensächlickeit vergisst, wie sein Co-Trainer Dirk Lottner verriet, der dem Chef auch schon Unterlagen oder Trainingsutensilien hinterher tragen musste. Schaefer ist neugierig, er setzt auf Teamwork, installierte einen Mentalcoach.

Er ist kein Eigenbrötler wie Soldo, er zieht auch keine One-Man-Show ab wie Christoph Daum. Schaefer weiß, was er kann und ist entsprechend selbstbewusst. Als im Januar der Posten des Sportdirektors noch vakant war, beschwerte er sich in den Medien, mit denen er einen offenen und von gegenseitigem Respekt geprägten Umgang pflegt, dass er sich nicht um alles kümmern könne.

Jetzt ist Volker Finke als sein direkter Vorgesetzter und Ansprechpartner da. Schaefer kann sich wieder seinem Kerngeschäft widmen, und es ist vielleicht kein Zufall, dass der FC seitdem in vier ungeschlagenen Spielen zehn Punkte einfahren konnte.

Alle Kräfte bündeln für den Klassenerhalt

Bei all seinen Erfolgen bleibt Frank Schaefer, der ein bekennender gläubiger Christ ist, wohltuend bescheiden. "Mein Ruf ist nicht wichtig. Ich weiß das alles genau einzuordnen", sagte er nach dem 1:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen den SC Freiburg.

"Ich freue mich riesig, dass wir mit der Mannschaft bis hierhin eine Menge erreicht haben. Aber es geht nicht um meine Person oder Einzelne. Der 1. FC Köln ist ein Club, der ganz, ganz viel Potenzial hat. Es geht darum, diesen Club in der Bundesliga zu halten, wo er auch unbedingt hingehört. Dafür müssen alle Kräfte gebündelt werden", meint Schaefer.

Auch die Tatsache, dass der zum Saisonende auslaufende Vertrag noch nicht verlängert wurde, stört ihn nicht. "Wir machen das Schritt für Schritt. Es ist doch klar, dass ich ein spezielles Verhältnis zu diesem Verein habe. Aber ich bringe in dieses Thema kein Tempo rein. Erst geht es um den Klassenerhalt, dann um den Vertrag", zitiert die "Bild" den Kölner Erfolgscoach. Wenn er weiter so viele Punkte holt, wird das Thema schon sehr bald abgehakt sein.

Tobias Gonscherowski