München - Nach den ersten zwei Spieltagen lässt sich eines feststellen: Die Bundesliga und vor allem einige ihrer Spieler könnten für so manche Überraschung in dieser Saison sorgen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der 1. FC Kaiserslautern, 1899 Hoffenheim, der 1. FSV Mainz 05 und Hannover 96 mit je zwei Siegen in die Saison starten oder der VfB Stuttgart, der FC Schalke 04 und der VfL Wolfsburg noch ohne Punkt dastehen würden?

Während die Länderspielpause den Trainern der noch punktlosen Clubs trotz fehlender Nationalspieler die Chance gibt, die Handbremse zu lösen, gibt sie bundesliga.de die Möglichkeit, einen ersten Formcheck durchzuführen - hier erfahren Sie alles über die bisherigen Gewinner und Verlierer der noch jungen Saison 2010/11.

Auswärts ist das neue Zuhause

Warum sind Teams wie Kaiserslautern, Hannover oder Mainz so stark in die Spielzeit gestartet? Welche Spieler haben sich bei den Bestplatzierten in den Vordergrund gespielt? Und warum sind einige Spitzenclubs noch nicht auf Trab?

Vorab ein ganz allgemeiner Trend, der sich abzeichnet: Die Auswärtsteams sind gut drauf. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte gab es (am 2. Spieltag) sieben Auswärtssiege an einem Spieltag. Die Auswärtsteams holten zehn Siege an den ersten beiden Spieltagen - das gab es im deutschen Oberhaus ebenfalls noch nie. Zum Vergleich: Vergangene Saison waren es nur drei zu diesem Zeitpunkt. Noch nie fielen 36 Auswärtstreffer an den ersten beiden Spieltagen.

Die "Teufel" sind los!

Der 1. FC Kaiserslautern steht mit zwei Siegen zusammen mit Hoffenheim an Position 1 der Tabelle. Ein Start mit zwei Siegen gelang dem FCK nur sechs Mal in seiner Bundesliga-Geschichte. Unter anderem 1997/98, als die "Roten Teufel" am Ende sogar als erster und einziger Aufsteiger Deutscher Meister wurden.

In den Vordergrund spielten sich dabei vor allem die beiden Kroaten Ivo Ilicevic und Srdjan Lakic. Der 23-Jährige Ilicevic steht mit zwei Toren und zwei Assists auf Platz 1 der Scorerliste (zusammen mit Mohamadou Idrissou). Der Torschütze zum 1:0 gegen den FC Bayern sah allerdings in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte und wird gegen Mainz fehlen. Der 26-Jährige Lakic ist einer von vier Spielern, denen an den ersten beiden Spieltagen drei Treffer gelangen.

Hoffenheim spitze - Hannover top

Ebenfalls Tabellenführer ist 1899 Hoffenheim, das wie in seiner ersten Bundesliga-Saison mit zwei Siegen startete und damals sogar Herbstmeister wurde. Nach dem glanzvollen 4:1-Sieg gegen Bremen gab es einen hart erarbeiteten 1:0-Erfolg auf St. Pauli. Hoffenheim hatte an den ersten beiden Spieltagen sowohl die beste Chancenverwertung (35,7 Prozent) als auch die höchste Schussgenauigkeit (71,4 Prozent) aller 18 Teams. Zeugnis einer guten Mannschaftsleistung ist, dass die fünf Tore durch fünf verschiedene Schützen erzielt wurden.

Hannover 96 gewann erst zum dritten Mal überhaupt die ersten beiden Saisonspiele im Oberhaus. Zuletzt gelang dies den "Roten" in der Saison 1965/66. Einen großen Anteil daran hatte Konstantin Rausch, der bei beiden Saisonsiegen das 1:0 schoss. Es waren seine ersten beiden Bundesliga-Tore nach zuvor 53 Spielen ohne Treffer. Seine Umpositionierung ins linke Mittelfeld scheint genau die richtige Maßnahme von Mirko Slomka gewesen zu sein, in der Vorsaison lief der 20-Jährige meist als Linksverteidiger auf.

HSV baut auf Erfahrung, Mainz auf Jugend

Der gute Saisonstart des Hamburger SV (zwei Siege) liegt vor allem an den beiden "alten Hasen" Ruud van Nistelrooy (34) und Zé Roberto (36), die zusammen 70 Jahre alt sind. Als der Holländer letztmals so einen guten Saisonstart hinlegte (drei Tore in den ersten zwei Saisonspielen), wurde er spanischer Torschützenkönig 2006/07 mit Real Madrid (25 Tore in 37 Spielen). Der Brasilianer hingegen legte schon drei Treffer auf - zwei davon für van Nistelrooy. In der kompletten Vorsaison kam der Linksfuß nur auf drei Assists.

Der 1. FSV Mainz 05 startete erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte mit sechs Punkten aus zwei Spielen in die Saison. Gegen Wolfsburg drehten sie einen 0:3-Rückstand noch in einen 4:3-Sieg. Das letzte Mal, dass das in der Bundesliga passierte, war vor über 19 Jahren am 31. Mai 1991. Damals verlor Düsseldorf 3:4 gegen Bochum. In den Vordergrund der Tuchel-Elf spielten sich bisher vor allem die Neuzugänge Lewis Holtby (ausgeliehen von Schalke 04) und Morten Rasmussen. Holtby legte zwei Tore auf und Rasmussen traf zwei Mal.

Raul noch mit Ladehemmungen

Der FC Schalke 04 verlor die ersten beiden Saisonspiele - weder als Spieler noch als Trainer war dies Felix Magath vorher im Profibereich passiert. Den "Knappen" unterlief dies zuletzt in der Saison 1987/88. Am Ende jener Spielzeit stiegen sie als Tabellenletzter ab. Kurios: Damals wie heute startete S04 mit einer Auswärtsniederlage beim HSV (damals 2:5) und einer Heimpleite gegen Hannover 96 (damals 0:2).

Vor allem Raul, die Sturmhoffnung von Real Madrid, blieb bisher blass. Der Spanier gab nur zwei Torschüsse ab (einer vorbei, einer geblockt). Eine Torschussvorlage gelang ihm bislang auch nicht. In 153 Einsatzminuten kam er nur auf 36 Ballkontakte. Im Schnitt war dies nur alle 4,25 Minuten ein Ballkontakt - drittschlechtester Wert aller Bundesliga-Spieler mit mindestens 90 Minuten Einsatzzeit hinter Dortmunds Kevin Großkreutz (4,30) und Bayerns Mirsolav Klose (4,26).

Ribery ohne Durchschlagskraft

Der VfB Stuttgart verlor erstmals in seiner Vereinsgeschichte die ersten beiden Bundesliga-Spiele zum Saisonstart und steht nach dem 0:2 in Mainz und dem 1:3 gegen Dortmund am Tabellenende. Die Gross-Elf erzielte erst ein Tor in der Saison 2010/11 - alleiniger Tiefstwert im deutschen Oberhaus - und hatte mit 4,6 Prozent die schlechteste Chancenverwertung.

Der FC Bayern München hatte vor dem 0:2 gegen Kaiserslautern 24 Bundesliga-Spiele in Folge immer getroffen. Letztmals waren die Bayern am 11. Spieltag der Vorsaison (am 31. Oktober 2009) beim 0:0 in Stuttgart ohne Treffer geblieben.

Ein Grund dafür ist neben der ligaweit zweitschlechtesten Chancenverwertung (6,5 Prozent) auch das Fehlen von Arjen Robben, denn Franck Ribery konnte bisher nicht überzeugen. Der Franzose bereitete zwar das 2:1-Siegtor am 1. Spieltag gegen Wolfsburg durch Schweinsteiger vor, aber er ist der Spieler, der an den ersten beiden Spieltagen die meisten Torschüsse abgab, ohne ein Tor zu erzielen (neun, nur zwei davon kamen aufs Ziel).

Tops und Flops

Bei den Torhütern spielten sich Tobias Sippel (FCK) und Tom Starke (1899) in den Vordergrund. Sippel unterlief zwar im ersten Spiel ein Patzer gegen Köln, der zu seinem einzigen Gegentor führte, aber insgesamt hielt er 85,7 Prozent der Torschüsse (Bestwert). Ihm folgt auf Rang 2 Tom Starke (83,3 Prozent), der ebenfalls erst ein Gegentor hinnehmen musste. Alle anderen Keeper mussten schon öfter als ein Mal hinter sich greifen.

Am Ende des Torhüter-Rankings steht Ralf Fährmann, der drei der vier Schüsse auf seinen Kasten aus dem Netz holen musste und damit nur 25 Prozent halten konnte. Fährmann stand vier Mal in der Bundesliga-Startelf der Eintracht und ging immer als Verlierer vom Platz.

Beste Zweikämpfer an den ersten Spieltagen, mindestens vier Duelle pro Spiel vorausgesetzt, waren der Frankfurter Marco Russ (83,3 Prozent) gefolgt vom Hamburger Heiko Westermann und dessen ehemaligem Teamkameraden, dem Schalker Ivan Rakitic (je 81,8 Prozent).