Orlando Engelaar stand bei der EURO 2008 in jedem Spiel der Niederländer in der Anfangsformation
Orlando Engelaar stand bei der EURO 2008 in jedem Spiel der Niederländer in der Anfangsformation
Bundesliga

Der fleißige Hüne

Durch sein imposantes Erscheinungsbild ist er eine Bereicherung für jede Mannschaft. Wenn er sich mit seinen 1,98 Metern Körperlänge dem Gegner im Zweikampf gegenüberstellt, ist ihm der Respekt des Kontrahenten gewiss.

Orlando Engelaar ist nach Jefferson Farfan der nächste hochkarätige Neuzugang beim FC Schalke 04. Der niederländische Nationalspieler kommt, wie auch schon Farfan, aus der holländischen Ehrendivision. In der abgelaufenen Saison führte der Mittelfeldspieler als Kapitän den FC Twente Enschede auf Platz 4 und somit ins internationale Geschäft.

Sprungbrett

Ein weiteres Jahr in der niederländischen Liga kam für Engelaar aber nicht in Frage. Die Ehrendivision sollte für ihn ein Sprungbrett zu einem europäischen Spitzenclub sein.

Seine Karriere hatte Engelaar bei Feyenoord Rotterdam begonnen. Nach den Stationen NAC Breda (2000 bis 2004), dem belgischen Club KRC Genk (2004 bis 2006) landete er schließlich beim FC Twente (2006 bis 2008). In seinen 57 Partien in der Ehrendivision erzielte er insgesamt neun Tore. Sein Wechsel in die Bundesliga war nach den stetig steigenden Leistungen nur die logische Konsequenz.

Engelaar rückt in den Fokus

Seine jüngsten Leistungen in der niederländischen Nationalmannschaft waren es auch, die den 28-Jährigen in den Fokus der Spielerscouts rückten. Nach seinem Debüt im Nationaldress im Juni 2007 gegen Südkorea (2:0) dauerte es kein Jahr, bis er den Sprung zur Stammkraft in der "Oranje"-Auswahl geschafft hatte. Bei der EURO 2008 trug er dazu bei, dass sich sein Land mit tollem Offensivfußball als Erster der "Todesgruppe" C für die K.o.-Runde qualifizierte, er konnte das anschließende Viertelfinal-Aus gegen Russland (1:3 n.V.) aber nicht verhindern.

Engelaar stand in allen vier Partien der Niederländer während der Endrunde in der Startelf und war wichtiger Bestandteil im Spielsystem des damaligen Bondscoachs Marco van Basten. Dabei glänzte er im defensiven Mittelfeld als Ballverteiler und dominanter Zweikämpfer. Seinen Stellenwert im Team verdeutlichten unter anderem seine 248 Ballkontakte während der EURO in Österreich und der Schweiz. So häufig wie Engelaar war kein anderer Spieler der "Elftal" am Ball.

Rutten zum Vorbild

Diese Fertigkeiten in Spielaufbau und -übersicht sowie ein gutes taktisches Verständnis verdankt der Niederländer vor allem seinem ehemaligen Coach bei Enschede, Fred Rutten. Unter dessen Ägide entwickelte er sich zu einem gestandenen Nationalspieler und erfahrenen Akteur im defensiven Mittelfeld. Der Wechsel von Rutten nach Gelsenkirchen in diesem Sommer spielte somit eine entscheidende Rolle, weshalb sich auch Engelaar dazu entschloss, sich den "Königsblauen" anzuschließen.

Die Späher des Traditionsclubs im Ruhrgebiet hatten sehr früh den Kontakt mit ihrem Wunschspieler aufgenommen. Schon lange vor der EURO fanden erste Gespräche statt. Ein entscheidender Vorteil für Schalke. Denn Engelaars starke Leistungen bei der EURO blieben auch Clubs aus England und Frankreich nicht verborgen. Auch Topvereine aus den Niederlanden - Ajax Amsterdam und der PSV Eindhoven - wollten den Nationalspieler verpflichten.

Kritik an der Spielweise

Das intensive Bemühen der Schalker, Engelaar unter Vertrag zu nehmen, ließ sich auch nicht durch kritische Einwände hinsichtlich der Spielweise des Niederländers schmälern.

Manche Experten werfen Engelaar vor, er würde dem Spiel seiner Mannschaft das Tempo nehmen und einen eher gemächlichen Spielaufbau vorziehen. Die Verantwortlichen auf Schalke sehen das aber positiv. "Genau das haben wir doch bei uns vermisst. Dass mal jemand auf den Ball tritt, das Tempo kontrolliert, Ruhe und Übersicht in die Aktionen bringt", erklärte S04-Manager Andreas Müller im "kicker".

Konkurrenzkampf

Dass Engelaar variabel einsetzbar ist, war ein Grund, warum Müller bereit war, die geforderte Millionen-Ablöse von Twente Enschede aufzubringen. Zwar agierte der Schalker Neuzugang während der EURO ausschließlich auf der Position des "Sechser" vor der Abwehr, doch sein Können als ballsicherer und technisch versierter Allrounder in der Mittelfeldzentrale - wie er es bei Enschede bewies - und auf den Halbpositionen ist neben der Zweikampfstärke eine seiner vielen Vorzüge.

Der Allrounder formulierte bei seiner Vorstellung in Gelsenkirchen dann auch gleich seine Ziele. "Ich will mit diesem großen Club so lange wie möglich um die Meisterschaft mitspielen. Das sollte mit dieser Mannschaft möglich sein", sagte Engelaar, der aufgrund seiner angesprochenen Spielweise in seiner Heimat auch der "Kontrolleur" genannt wird.

Egal auf welcher Position der Hüne beim FC Schalke 04 zum Einsatz kommt, Orlando Engelaar wird den "Königsblauen" nicht nur wegen seiner imposanten Statur weiterhelfen.

Florian Bruchhäuser