Kaiserslautern - Der 1. FC Kaiserslautern ist bedrohlich nahe an die Abstiegsränge gerutscht. Die "Roten Teufel" trennen nur die bessere Tordifferenz vom Relegationsplatz 16. Ausgerechnet in dieser schwierigen Lage gastieren die "Überflieger" von Borussia Dortmund auf dem Betzenberg. FCK-Altstar Harry Koch erklärt bei bundesliga.de, wie der FCK in diese missliche Lage geraten konnte, worauf es im Spiel gegen den BVB ankommt und warum sich sein Ex-Team am Ende retten wird.

bundesliga.de Herr Koch, am Samstagabend kreuzt Spitzenreiter Borussia Dortmund beim momentan schwächelnden 1. FC Kaiserslautern auf. Welches Spiel erwarten Sie?

Harry Koch: Der BVB wird ganz klar gewillt sein, die drei Punkte mitzunehmen und seinen Abstand auf die Verfolger weiter zu vergrößern. Für Kaiserslautern wird es schwer werden, gegen die sehr schnell spielenden Borussen dagegenzuhalten. Weil der FCK aber unbedingt etwas Zählbares für den Abstiegskampf braucht, denke ich, dass sie abwartend beginnen werden und nicht ins offene Messer laufen.

bundesliga.de Im Hinspiel kam der FCK mit 0:5 böse unter die Räder. Kommt das vor so einer Partie dann wieder hoch oder kann man dies ausblenden?

Koch: Ich denke schon, dass die Spieler die Woche über an die Niederlage gedacht haben. Auch wenn man versucht, so etwas zu verdrängen, kommt es irgendwann wieder hoch. Deswegen denke ich auch, dass die Lauterer verhalten ins Spiel gehen werden, um möglichst lange kein Gegentor zu kassieren - denn sie gewissen genau, wie stark die Offensivkraft des BVB ist.

bundesliga.de Ist es vielleicht sogar ein Vorteil, wenn die Ausgangsposition so klar scheint? Dass nämlich Kaiserslautern als klarer Außenseiter in die Partie geht...

Koch: Stimmt, denn der FCK hat überhaupt nichts zu verlieren. Als klarer Tabellenführer ist der BVB eindeutig in der Favoritenrolle. Nichtsdestotrotz muss sich Kaiserslautern nicht verstecken und in dieser Partie weiß sowieso jeder, um was es geht. Alle haben begriffen, dass jeder Punkt für den Nicht-Abstieg wichtig ist.

bundesliga.de Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe, dass Kaiserslautern während der Saison immer mehr Richtung Abstiegskampf getrudelt ist?

Koch: Leider hat die Euphorie nach dem sensationellen Sieg gegen die Bayern am 2. Spieltag nicht lange angehalten, denn der Einbruch folgte zu schnell. Momentan ist der FCK in der Situation, sich ganz klar mit dem Klassenerhalt zu befassen. Daran hatte man in den ersten Wochen gar nicht gedacht, weil man glaubte, es ginge von alleine. Jetzt muss der Schalter schnell wieder umgelegt werden, denn es ist viel Arbeit nötig, um den Klassenerhalt zu packen.

bundesliga.de Nach den Anfangserfolgen ist die jetzige Mannschaft in den Medien sogar mit Ihrem Meisterteam aus der Saison 1997/98 verglichen worden. Was fehlte ihr für einen derartigen Durchmarsch?

Koch: Wir hatten damals andere Persönlichkeiten im Team, sogar einen Weltmeister. Der Kader war ganz anders besetzt und die Mischung stimmte. Wir hatten einfach einen Lauf und das Glück, von großen Verletzungen verschont zu bleiben. Nachdem wir auch gut in die Rückrunde gestartet sind, war es dann ein Selbstläufer.

bundesliga.de A propos Selbstläufer: Kann den BVB in dieser Saison noch jemand stoppen oder ist der Meistertitel aus Ihrer Sicht schon so gut wie vergeben?

Koch: Ich denke nicht, dass der BVB diesen Vorsprung noch aus der Hand geben wird. Sie werden weiter an einem Strang ziehen und so unbekümmert Fußball spielen, wie sie es derzeit machen.

bundesliga.de Dortmund zeichnet sich diese Saison durch Hurra-Fußball aus, der von sehr jungen und talentierten Spielern umgesetzt wird. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Koch: Die jungen Spieler, die hochkamen, sind voll eingeschlagen. Sie können befreit aufspielen und haben keinen Druck. Das erste Jahr kannst du sie nicht bremsen, da läuft einfach alles. Man schießt aus 40 Meter aufs Tor und er ist drin. Erst im zweiten Jahr wird es ganz schwer für sie werden.

bundesliga.de Ist es zum Beispiel für einen Mario Götze, der schon sein Länderspieldebüt gegeben hat, also noch zu früh?

Koch: Das kann schon sein. Zu meiner Zeit hat man es bei Marco Reich gesehen, der auch ins kalte Wasser geworfen wurde, und nach einem halben Jahr gutem Fußball nicht mehr in Tritt kam. Sicher sind Götze oder Großkreutz gute Fußballer, aber man muss ganz behutsam mit ihnen umgehen. Von daher sind sie bei Jürgen Klopp gut aufgehoben.

bundesliga.de: Schafft der 1. FC Kaiserslautern den Klassenerhalt?

Koch: Ich denke schon, dass sie es packen. Mit der richtigen Kampfkraft werden sie schon die nötigen Punkte holen. Lautern gibt niemals auf und wird sich am Ende retten.


Das Gespräch führte Johannes Fischer