München - Elf Tage sind es noch bis zum Anpfiff, doch dieses Spiel elektrisiert längst alle Beteiligten. Borussia Dortmund und der FC Bayern München stehen sich am 25. Mai im Champions-League-Finale gegenüber - mehr geht nicht für Fußball-Deutschland.

Drei Tage nach der ersehnten Meisterfeier () präsentierten sich die Bayern in Person von Jupp Heynckes, Kapitän Philipp Lahm, Stellvertreter Bastian Schweinsteiger sowie Thomas Müller und Arjen Robben beim Medientag in der Allianz Arena gelassen und waren immer wieder zu Scherzen aufgelegt.

Das große Ziel verloren sie dabei nie aus den Augen: den Henkelpott. Für die rund 200 Journalisten aus aller Welt prangte der mit dem Schriftzug "Final - Wembley 2013" darunter allgegenwärtig direkt hinter den Protagonisten auf dem Podium.

"Den Loser-Stempel willst du nicht"



Bei der dritten Finalteilnahme in den vergangenen vier Jahren soll es endlich klappen, die Trophäe nach 2001 wieder nach München zu holen. "Wenn du drei Mal verlierst, hast du einen Loser-Stempel drauf", sagte Thomas Müller, "und den willst du nicht." Robben ergänzte in Bezug auf die beiden Niederlagen 2010 und 2012: "Es reicht jetzt!" Besonders das "Drama dahoam" wollen die Profis vergessen machen. Und ihr Trainer traut es ihnen ohne Zweifel zu.

"Nach so einer Enttäuschung wieder aufzustehen und eine solche Saison zu spielen - aus solchem Holz sind außergewöhnliche Menschen geschnitzt, und das sind meine Spieler", sagte Heynckes. "Wir sind unheimlich stabil - gerade mental."

Seine Mannschaft sei "so fokussiert auf Erfolg, das habe ich in meiner Laufbahn als Trainer und auch als Spieler noch nie erlebt." Von einem besonderen Druck wollten der Coach und die Profis nichts wissen, der sei beim FC Bayern vom ersten Tag an enorm hoch.

Dritter Anlauf an die Spitze



Müller will wie Lahm, Schweinsteiger und Robben in London im dritten Anlauf endlich den letzten Schritt an die Spitze des europäischen Vereinsfußballs gehen. Die Negativerlebnisse seien für ihn keine Hypothek, von wirklichen Lehren aus den Niederlagen hält er aber auch nichts. "Eine Finalpleite bringt nicht viel außer Kummer." Müller setzt lieber voll auf die positive Entwicklung seitdem: "Wir Spieler sind reifer geworden, mit jedem Training wirst du ja eher besser als schlechter. Wir sind als Mannschaft technisch und taktisch besser geworden."

Philipp Lahm glaubt hingegen schon, dass die Endspielteilnahmen hilfreich gewesen seien. "Die Atmosphäre ist einfach anders. Es geht um alles, es gibt nur dieses eine Spiel. Die Anspannung ist größer", sagte der Kapitän. Dass es keine Garantie darauf gibt, hat das Quartett schon doppelt am eigenen Leib erfahren. Aber die Zuversicht und der Wille sind ungebrochen. Schweinsteiger habe die bittere Pleite gegen Chelsea die gesamte Saison über "sehr motiviert - das wird auch in Wembley so sein".

"Uns wird nichts umwerfen"



Dass der große Coup nun im ersten deutschen Champions-League-Endspiel ausgerechnet gegen den großen nationalen Widersacher gelingen soll, kommentierte Müller mit seiner gewohnt spitzbübischen Art: "Da ist Würze drin - und ich mag Würze."

Der FCB hat den Angstgegner der vergangenen beiden Jahre, als die "Schwarz-Gelben" erst die Schale und dann das Double holten, in dieser Spielzeit in die Schranken gewiesen. Zwei Unentschieden in der Liga sowie die Siege in Supercup und Pokal-Viertelfinale seien laut Heynckes "richtungsweisend".

Respekt habe er vor dem BVB, der nicht einfach zu spielen sei. "Aber das sind wir auch nicht. Das hat Turin, das hat Barca, die beste Mannschaft der Welt, feststellen müssen - und das wird auch Borussia Dortmund feststellen müssen", kündigte der 68-Jährige selbstbewusst an: "Uns wird nichts umwerfen."

Aus München berichtet Tim Tonner