Gegentore sind für Torhüter immer auch eine Art persönliche Beleidigung. Diego Benaglio, der Torwart des VfL Wolfsburg musste daher am 4. Spieltag gleich drei "Beleidigungen" hinnehmen. Mit 0:3 (0:1) unterlag der Deutsche Meister beim FC Bayern München.

Eine Teilschuld am ersten Gegentor durch Mario Gomez (27. Minute) räumt der Schweizer im Interview mit bundesliga.de ein.

Außerdem verrät er, warum der VfL in der ersten Halbzeit so passiv auftrat und wieviel Respekt man als Gegenspieler eigentlich vor Weltklasse-Akteuren wie FCB-Neuzugang Arjen Robben hat.

bundesliga.de: Herr Benaglio, war der jetzige Zeitpunkt schlecht oder gut, um gegen die Bayern anzutreten?

Diego Benaglio: Den idealen Zeitpunkt gibt es nie, um gegen den FC Bayern zu spielen. Für mich ist Bayern immer der Favorit auf die Deutsche Meisterschaft, auch wenn der Start etwas holprig war. Und sie haben ja gegen uns gezeigt, dass sie eine Klassemannschaft sind.

bundesliga.de: Der Respekt vor dem FC Bayern ist also nach wie vor vorhanden?

Benaglio: Generell ist der Respekt vor jeder Mannschaft da. Aber klar, der FC Bayern ist das Nonplusultra der Bundesliga, und das wird sich auch so schnell nicht ändern.

bundesliga.de: Woran lag es, dass der VfL die erste Halbzeit "komplett verschlafen" hat, wie es Ihr Trainer Armin Veh ausgedrückt hat?

Benaglio: Vielleicht haben wir uns etwas zu sehr auf die Defensive konzentriert und zu wenig unser Spiel nach vorne forciert, wie wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Das ist uns nicht gelungen. Am Anfang der zweiten Hälfte lief es dann etwas besser. Doch mitten in unserer Druckphase kassieren wir das 0:2. Danach hatte der FC Bayern das Spiel dann natürlich unter Kontrolle.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Entstehung des Führungstreffers der Bayern, als Sie den Schuss nach vorne abprallen lassen und Mario Gomez abstaubt?

Benaglio: Natürlich flattert der Ball, was die Sache für einen Torwart nicht einfach macht. Aber trotzdem ist es mein Anspruch, solche Situationen besser zu lösen.

bundesliga.de: Wie schwer wog der Ausfall des verletzten Josué?

Benaglio: Josué ist unser Kapitän, ein hervorragender Spieler und auf seiner Position sicher einer der besten in der Bundesliga. Deswegen fehlt er uns natürlich. Aber Jonathan Santana hat ihn wirklich sehr gut ersetzt.

bundesliga.de: Entscheidenden Anteil am Bayern-Sieg hatte Neuzugang Arjen Robben. Hat man als Gegner nun noch mehr Respekt vor den Bayern, wenn solche Weltklasse-Spieler vor einem stehen?

Benaglio: Nein, das nicht. Aber Arjen Robben hat gleich im ersten Spiel gezeigt, welche Qualitäten er hat. Ich bin sicher, dass der FC Bayern durch seine Verpflichtung noch mal an Klasse gewonnen hat.

bundesliga.de: Der VfL hat nach vier Spieltagen nun sechs Punkte auf der Habenseite. Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Benaglio: Es ist so, wie es ist. Wir müssen nun alles daran setzen, im nächsten Heimspiel gegen Leverkusen wieder zu gewinnen. Das wird nicht einfach. Mit Bayer kommt eine sehr gute Mannschaft zu uns. Aber natürlich werden wir alles geben, die nächsten drei Punkte einzufahren.

Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber